Schwarzdelfin - Lagenorhynchus obscurus

Stundenglasdelfin - Lagenorhynchus cruciger

Gefleckter Tümmler - Tursiops aduncus

Südlicher Glattdelfin - Lissodelphis peronii


© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)










Artwork © Owen Bell



Australien - mit einer Fläche von rund 7,7 Millionen Quadratkilometern der kleinste Kontinent der Erde und ganz auf der südlichen Halbkugel gelegen - ist für seine einzigartige Landfauna bekannt, welche sich seit Jahrmillionen isoliert von der restlichen Welt entwickelt hat und im Zuge dieser eigenständigen Evolution nicht allein die Kängurus, sondern zahlreiche weitere ungewöhnlich und faszinierende Tierformen hervorgebracht hat. Weniger Beachtung wird im Allgemeinen Australiens Meeresfauna geschenkt, obschon auch sie ausgesprochen reichhaltig ist. Ihre grosse Formenvielfalt überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass Australiens Küsten sowohl an den Indischen wie an den Pazifischen Ozean grenzen und sich von der tropischen bis zur gemässigten Zone, ja wenn man Tasmanien und die übrigen australischen Aussenterritorien einbezieht sogar bis zur subpolaren Zone erstrecken.

Zu den vielen Meereslebewesen, welche in den australischen Hoheitsgewässern vorkommen, zählen etwa 45 Mitglieder der weltweit rund 80 Arten umfassenden Ordnung der Waltiere (Cetacea). 18 von ihnen gehören zur Familie der Delfine (Delphinidae). Vier dieser Delfinarten sollen hier vorgestellt werden: der Schwarzdelfin (Lagenorhynchus obscurus), der Stundenglasdelfin (Lagenorhynchus cruciger), der Gefleckte Tümmler (Tursiops aduncus) und der Südliche Glattdelfin (Lissodelphis peronii).


Der Schwarzdelfin

Der Schwarzdelfin, auch Dunkler Delfin genannt, gehört zur sechs Arten umfassenden Gattung der Kurzschnauzendelfine (Lagenorhynchus). Er ist ein schlankes, stromlinienförmiges, recht kleines Mitglied der Delfinfamilie. Die erwachsenen Tiere werden gewöhnlich 160 bis 200 Zentimeter lang und um 100 Kilogramm schwer, wobei die Weibchen im Durchschnitt eine Spur grösser sind als die Männchen.

Der Schwarzdelfin kommt ausschliesslich auf der südlichen Erdhalbkugel vor, und zwar hauptsächlich zwischen dem 26. und 55. südlichen Breitengrad. Innerhalb dieser Zone scheint seine Population nicht zusammenhängend zu sein, sondern aus mehreren separaten Beständen zu bestehen. Diese finden sich vor allem in den Küstenbereichen des südlichen Südamerikas (bei Chile, Peru, Argentinien und den Falklandinseln), an der Südwestküste Afrikas (vor Namibia and Südafrika) sowie an der Ostküste Neuseelands. In den australischen Gewässern ist der Schwarzdelfin selten; nur vereinzelt wird er südlich des Kontinents zwischen Westaustralien und Tasmanien gesichtet.

Vorzugsweise hält sich der Schwarzdelfin in küstennahen, weniger als 200 Meter tiefen Gewässern auf, deren Oberflächentemperatur kühle 10 bis 18 Grad Celsius beträgt. Neben kleinen und mittelgrossen Schwarmfischen bejagt er dort auch frei schwimmende Tintenfische. Er ist ein gesellig lebender Meeressäuger, der gewöhnlich in Gruppen von bis zu zwanzig Individuen umherstreift. Wo sich umfangreiche Schwärme seiner Beutefische finden, können sich mehrere Gruppen vorübergehend zu grösseren Verbänden zusammenschliessen.

Über das Fortpflanzungsverhalten des Schwarzdelfins ist nur bekannt, dass die Jungen als Einzelkinder zur Welt kommen, bei der Geburt eine Länge von einem knappen Meter aufweisen und wahrscheinlich im Alter von ungefähr 18 Monaten von der Muttermilch entwöhnt werden. Schwarzdelfine können nachweislich zwanzig Jahre und mutmasslich etwa doppelt so alt werden.

Die Anzahl der heute existierenden Schwarzdelfine ist nicht bekannt. Von einer Gefährdung wird jedoch nicht ausgegangen. Im Küstenbereich von Peru werden die Schwarzdelfine mit Harpunen bejagt, vor allem um ihr Fleisch als Köder für den Hai- und Langustenfang zu verwenden. Ausserhalb Perus geht die Hauptgefahr für die Schwarzdelfine von Fischernetzen aus, in welchen sie sich verfangen und dann kläglich ertrinken.


Der Stundenglasdelfin

Ebenfalls zur Gattung der Kurzschnabeldelfine gehört der Stundenglasdelfin. Er ist noch kleiner als der Schwarzdelfin, jedoch etwas stämmiger gebaut. Die erwachsenen Individuen weisen gewöhnlich eine Länge von 145 bis 185 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 90 und 120 Kilogramm auf. Sein volkstümlicher Name bezieht sich auf die kennzeichnende Sanduhrzeichnung, die auf seinen Flanken zu sehen ist. Auch der wissenschaftliche Name cruciger bezieht sich auf diese Zeichnung, die in frühen Berichten als ein Kreuz beschrieben worden war («Kreuzdelfin»).

Der Stundenglasdelfin ist ein Bewohner des Südpolarmeers. Er bevorzugt kalte bis sehr kalte Gewässer mit einer Oberflächentemperatur von bis zu 7 Grad Celsius. Tatsächlich ist er das einzige kleine Mitglied der Waltierordnung, das sich regelmässig in echten antarktischen Gewässern umherbewegt. Die meisten Sichtungen stammen aus dem Bereich zwischen dem antarktischen Packeisgürtel im Süden und dem 45. südlichen Breitengrad im Norden und erfolgen mehrheitlich südlich von Neuseeland, südlich von Feuerland und im Bereich der Südshetlandinseln. In den australischen Hoheitsgewässern kommt der Stundenglasdelfin einzig im Bereich der subantarktischen Inseln Heard und Macquarie vor.

Im Gegensatz zum Schwarzdelfin hält sich der Stundenglasdelfin hauptsächlich im offenen, tiefgründigen Meer auf. Zwar wurden schon Verbände mit über sechzig Individuen beobachtet. Normalerweise trifft man den kleinen Delfin jedoch einzeln oder in kleinen Gruppen von höchstens etwa einem Dutzend Individuen an. Er ist ein sehr schneller Delfin, der mühelos mit Geschwindigkeiten von 20 bis 30 Kilometern je Stunde durch das Wasser zieht. Gern nähert er sich schnellen Schiffen, um auf ihrer Bugwelle zu «reiten» und vollführt dabei immer wieder weite, flache Sprünge durch die Luft. Obschon der Stundenglasdelfin aus diesem Grund häufig gesichtet wird, wissen wir praktisch nichts über seine Lebensweise. Seine Kost besteht wahrscheinlich aus verschiedenen Fischen, frei schwimmenden Tintenfischen und ebensolchen Krebstieren, darunter vermutlich Krill (Euphausia superba).

Man geht davon aus, dass der Stundenglasdelfin recht häufig ist. Er wurde nie bejagt, und auch die Anzahl der in Fischernetzen verunfallten Tiere ist sehr gering.


Der Gefleckte Tümmler

Der Gefleckte Tümmler ist ein enger Verwandter des Grossen Tümmlers (Tursiops truncatus), der wegen seiner Gelehrigkeit und Anspruchslosigkeit von allen Delfinarten am häufigsten in Delfinarien gezeigt wird. Lange Zeit war umstritten, ob der Gefleckte Tümmler eine eigene Art darstellt oder bloss als Unterart des Grossen Tümmlers zu betrachten ist. Erst seit 1998 gilt er allgemein als eine separate Art. Der Gefleckte Tümmler ist im Durchschnitt etwas kleiner als der Grosse Tümmler, hat einen etwas längeren «Schnabel» und neigt dazu, als erwachsenes Tier Flecken auf der Körperunterseite zu entwickeln. Auch scheint es genetische Unterschiede zwischen den beiden Tümmlerformen zu geben. Die eingehende Erforschung des Tümmlerbestands, welcher in der Shark Bay («Haifischbucht») an Australiens Westküste lebt, widerspricht allerdings diesem Befund. Die dort heimischen Tümmler haben teils eine gefleckte, teils eine ungefleckte Unterseite, bilden aber zweifellos eine einzige Fortpflanzungsgemeinschaft - und somit im zoologischen Sinn keine zwei verschiedenen Arten.

Wie dem auch sei: Die als Gefleckte Tümmler geltenden Tiere kommen ausschliesslich in küstennahen Gewässern im Indischen und im westlichen Pazifischen Ozean vor, von Süd- und Ostafrika, dem Roten Meer und dem Persischen Golf ostwärts bis zu den Philippinen und nach Südjapan. In Australien finden sie sich rund um den Kontinent herum sowie im Bereich der Nordküste Tasmaniens.

Die Gefleckten Tümmler sind verhältnismässig grosse Mitglieder der Delfinfamilie. Untersuchungen an einem Bestand vor Südafrikas Küste ergaben eine Länge von bis zu ungefähr 240 Zentimetern bei beiden Geschlechtern und ein Gewicht von bis zu 200 Kilogramm bei den Männchen und 180 Kilogramm bei den Weibchen.

An Australiens Küsten leben die Gefleckten Tümmler teils einzeln, öfter aber in kleinen Gruppen von 5 bis 15, manchmal auch bis 50 Individuen. Sie scheinen ziemlich ortstreu zu sein, wobei sich die Streifgebiete der einzelnen Individuen normalerweise auf einen bis fünfzehn Quadratkilometer bemessen. Zur Hauptsache ernähren sie sich von einem breiten Spektrum kleiner bis mittelgrosser Fische, doch erbeuten sie bei Gelegenheit auch frei schwimmende Tintenfische und Krebstiere.

Die jungen Gefleckten Tümmler kommen mehrheitlich im Sommer und Frühherbst nach einer Tragzeit von zwölf Monaten als Einzelkinder zur Welt und sind dann etwa einen Meter lang und 14 Kilogramm schwer. Sie werden stets mit der Schwanzflosse voraus geboren, damit sie nicht gleich bei der Geburt, die manchmal über eine Stunde lang dauert, ertrinken. Gleich nach der Geburt werden sie von der Mutter für ihren ersten Atemzug an die Wasseroberfläche geschubst. Etwa anderthalb Jahre lang werden sie mit Muttermilch gesäugt, und etwa nochmals so lange bleiben sie eng mit ihrer Mutter verbunden, bis diese schliesslich nach rund drei Jahren das nächste Junge zur Welt bringt. Die jungen Weibchen pflanzen sich gewöhnlich im Alter von neun bis elf Jahren erstmals selbst fort, die jungen Männchen zwei oder drei Jahre später. Die Lebensdauer beträgt im freien Meer etwa 25 Jahre; in Menschenobhut sind einzelne Tümmler schon bis 47 Jahre alt geworden.

Der Gefleckte Tümmler gilt nicht als bedroht, da er in seinem weiten Verbreitungsgebiet zahlreich vorzukommen scheint. In verschiedenen Bereichen seines Verbreitungsgebiets wurde er früher unter anderem wegen seines Fleischs bejagt. Heute geschieht dies nur noch vereinzelt bei Sri Lanka, Indonesien und Japan. Zahlreiche Gefleckte Tümmler verfangen sich jedoch in Fischernetzen und ertrinken.


Der Südliche Glattdelfin

Der Südliche Glattdelfin ist einer von zwei Glattdelfinen in der Gattung Lissodelphis. Die beiden sehen einander sehr ähnlich, doch liegen ihre Verbreitungsgebiete weit auseinander. Der Südliche Glattdelfin kommt, wie sein Name sagt, im Süden der südlichen Erdhalbkugel vor, der Nördliche Glattdelfin (Lissodelphis borealis) im Norden der nördlichen. Beide lassen sich anhand ihrer markanten Schwarzweisszeichnung sowie des Fehlens einer Rückenflosse leicht von allen anderen Delfinarten unterscheiden. Sie sind sehr schnittige, schlanke Delfine und weisen darum als erwachsene Tiere bei einer Länge von 180 bis 240 Zentimetern ein Gewicht von nur 60 bis 90 Kilogramm auf. Die Männchen sind durchschnittlich etwas grösser als die Weibchen.

Der Südliche Glattdelfin kommt im offenen Meer südlich ungefähr des 25. südlichen Breitengrads in den Gewässern der gemässigten Klimazone rund um den Erdball herum vor. In den australischen Hoheitsgewässern wird er regelmässig bei Tasmanien und vor der Süd- sowie Westküste des Kontinents gesichtet.

Als ausgesprochen geselliger Delfin bewegt sich der Südliche Glattdelfin häufig in dicht beisammen schwimmenden Gruppen von etwa 200 Individuen umher. Aber auch Verbände von tausend und mehr Individuen, bei denen es sich vermutlich um Zusammenschlüsse mehrerer Gruppen handelt, sind nicht selten. Von allen Waltieren ist er einer der schnellsten. Er kann Höchstgeschwindigkeiten von 40 Kilometern je Stunde erreichen und mühelos über weite Strecken Geschwindigkeiten um 25 Kilometer je Stunde halten. Beim schnellen Schwimmen vollführt er häufig weite Sprünge durch die Luft.

Über die Lebensweise des Südlichen Glattdelfins wissen wir so gut wie nichts. Auch gibt es keine Daten zu seiner Bestandssituation. Er gilt aber als verhältnismässig häufiger Meeresbewohner, und seine Bestände werden als stabil eingestuft.


Nicht gefährdet?

Keine der vier vorgestellten Delfinarten gilt derzeit als in ihrem Fortbestand gefährdet. Es ist allerdings überaus schwierig, sich einen wirklich verlässlichen Eindruck von ihrer aktuellen Bestandssituation zu verschaffen, da fundierte Einschätzungen der Grösse und Entwicklung der Bestände fehlen.

Gewiss ist, dass alle Delfine ausserhalb der antarktischen Gewässer vielfältigen, vom Menschen ausgehenden Gefahren ausgesetzt sind. Zu nennen sind zum einen die gezielte Verfolgung zwecks Gewinnung ihres Fleischs und der unbeabsichtigte Beifang in Fischernetzen. Die hierdurch hervorgerufenen Ausfälle haben bei verschiedenen Mitgliedern der Delfinfamilie einen merklichen Einfluss auf regionale Bestände. Zu nennen sind zum anderen weniger offensichtliche, aber deswegen keineswegs vernachlässigbare Gefahren wie die Anreicherung von schwer abbaubaren Pestiziden und ähnlichen Umweltgiften in ihren Körpergeweben, was bei vielen Endgliedern von Nahrungsketten der Fall ist. Solche Chemikalien können beispielsweise eine Schwächung des Immunsystems und eine Verminderung der Fortpflanzungsfähigkeit hervorrufen. Bestandsschädigend auswirken dürfte sich zweifellos auch die weltweit fortgeschrittene Übernutzung der marinen Fisch- und Tintenfischbestände, welche ihre Nahrungsgrundlage bilden. Besorgnis erregen ferner die leistungsfähigen Sonaranlagen, welche von den modernen Hochseeschiffen bei der Navigation eingesetzt werden. Man befürchtet, dass der durch sie verursachte «Unterwasserlärm» die Kommunikation zwischen den Delfinen wie auch ihre Suche nach Beutetieren massiv beeinträchtigt.

Zu Bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass bei Tierarten, welche eine geringe Fortpflanzungsrate haben, schwer aufhaltbare oder rückgängig machbare Bestandsabnahmen einsetzen können, lange bevor sie für uns offenkundig werden. Es gilt darum, die Bestandssituation der vier vorgestellten wie auch aller anderen Delfinarten mit wachsamen Augen zu verfolgen.




Legenden

Der Schwarzdelfin (Lagenorhynchus obscurus) gehört zu den kleinsten Mitgliedern der Ordnung der Waltiere (Cetacea). Die erwachsenen Individuen weisen gewöhnlich eine Länge von 160 bis 200 Zentimetern und ein Gewicht um 100 Kilogramm auf. Im Unterschied zu den meisten anderen Delfinarten weist der Schwarzdelfin keinen deutlich abgesetzten «Schnabel» auf; sein Kopf fällt ziemlich gleichmässig vom Scheitel bis zur Schnauzenspitze ab.

Vorzugsweise hält sich der Schwarzdelfin in untiefen, küstennahen Gewässern auf. Dort geht er in Oberflächennähe auf die Jagd nach kleineren bis mittelgrossen Schwarmfischen sowie frei schwimmenden Tintenfischen. Er ist ein sehr verspielter Meeressäuger, der gern hohe Luftsprünge ausführt und sich dabei purzelbaumartig überschlägt.

Der Stundenglasdelfin (Lagenorhynchus cruciger) ist ein schnelles, ungestümes Mitglied der Delfinfamilie (Delphinidae). Mühelos zieht er mit Geschwindigkeiten von über 20 Kilometern je Stunde durch das Wasser. Er bewohnt die kalten Ozeanbereiche auf der südlichen Erdhalbkugel und ist der einzige Delfin, der auch regelmässig beim antarktischen Packeisgürtel umherstreift.

Der Gefleckte Tümmler (Tursiops aduncus) streift teils einzeln, öfter aber in kleinen Gruppen von 5 bis 15, manchmal auch bis 50 Individuen umher. Die Jungtiere werden etwa anderthalb Jahre lang gesäugt und bleiben nochmals etwa so lang eng mit ihrer Mutter verbunden.

Der Südliche Glattdelfin (Lissodelphis peronii) ist ein ausgesprochen geselliger Meeressäuger, der häufig in Gruppen von etwa 200 Individuen umherstreift. Er lässt sich anhand seiner markanten Schwarzweisszeichnung sowie des Fehlens einer Rückenflosse leicht von allen anderen Delfinarten unterscheiden. Über seine Lebensweise wissen wir so gut wie nichts.




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