Königsdrückerfisch

Balistes vetula


© 2007 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Die Familie der Drückerfische (Balistidae) gehört innerhalb der Sippe der Knochenfische (Osteichthyes) zur Ordnung der Kugelfischverwandten (Tetraodontiformes) und setzt sich aus etwa vierzig Arten zusammen. Eines der grössten Mitglieder der Familie ist mit einer Kopfrumpflänge von bis zu 60 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 5,4 Kilogramm der Königsdrückerfisch (Balistes vetula).

Beheimatet ist der Königsdrückerfisch in den warmen Zonen des Atlantischen Ozeans. Im Westatlantik erstreckt sich sein Verbreitungsgebiet vom Norden der USA bis zum Süden Brasiliens und umschliesst dabei das gesamte Karibische Meer sowie den Golf von Mexiko. Im Ostatlantik kommt er bei den Azoren und den Kapverden vor, ferner entlang der ganzen Westküste Afrikas, von Marokko südwärts bis Angola. Innerhalb seines Verbreitungsgebiets bewohnt er im Allgemeinen seichte, bloss ein paar Meter tiefe Küstengewässer und hält sich dort im Bereich von Korallenriffen auf. Er ist aber nicht strikt an diese gebunden, sondern bewegt sich oftmals auch in deren Umgebung mit felsigem, steinigem oder sandigem Untergrund umher.

Wie alle Kugelfischverwandten - jedoch im Unterschied zu den meisten anderen Knochenfischen - verfügt der Königsdrückerfisch über verhältnismässig kleine, kräftige und mit robusten Zähnen ausgestattete Mundkiefer. Diese verwendet er, um seine zumeist hartschaligen Beutetiere - vor allem Seeigel, Krebstiere und andere bodenlebende Wirbellose - zu packen und zu zerbeissen. Beim Beutefang wendet er verschiedene Techniken an. Leicht erreichbare, kleine, weiche Tiere nimmt er gewöhnlich durch Saugschnappen zu sich. Aus hartschaligen und/oder grösseren Beutetieren beisst er hingegen zunächst Stücke heraus und zerkaut diese vor dem Verschlucken gründlich. Wie alle Drückerfische kann der Königsdrückerfisch im Übrigen nicht nur saugen, sondern auch einen recht kräftigen, gezielten Wasserstrahl aus seinem Mund auspressen. Die «Wasserpistolen»-Technik wendet er an, um Beutetiere aus ihren Verstecken zu spülen oder um Seeigel und andere Tiere auf den Rücken zu drehen, welche oberseits einen schützenden Panzer haben, unterseits aber verwundbar sind.

Seine Eier laicht das Königsdrückerfischweibchen in eine selbst gefertigte Grube am Meeresboden ab, wo diese zeitgleich vom Männchen besamt werden. Das Weibchen betreibt Brutfürsorge: Es bewacht das Nest und greift etwaige Nesträuber mutig an, um sie von der Nachkommenschaft fernzuhalten. Sobald die Jungen schlüpfen, enden die mütterlichen Pflichten, denn die Königsdrückerfische durchlaufen - wie viele andere Korallenriffbewohner - in ihrer frühen Jugend eine frei schwebende Lebensphase: Sie steigen in die oberflächennahen Wasserschichten auf und ernähren sich von den dort besonders üppigen Beständen planktonischer Kleinstlebewesen. Aufgrund der Meeresströmungen werden sie oft weit von ihrem Geburtsort weggetragen.

Eines schönen Tages lassen sich die jungen Königsdrückerfische im Bereich eines Korallenriffs nieder. Sie weisen dann eine Länge von fünf bis sieben Zentimetern und ein Alter von zwei bis drei Monaten auf. Viele von ihnen sind schon im folgenden Jahr, wenn sie eine Länge von etwa 17 bis 18 Zentimetern aufweisen, geschlechtsreif und schreiten dann zu Fortpflanzung. Sie wachsen in der Folge kontinuierlich weiter, bis sie im Alter von ungefähr acht Jahren ihre maximale Länge erreichen.

Noch ist der Königsdrückerfisch weit verbreitet. Gleichwohl gibt es gerechtfertigte Bedenken hinsichtlich seiner Zukunft, denn fast überall, wo Langzeitbeobachtungen gemacht werden, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass seine Bestände schwinden - und zwar in einem Mass, welches die Weltnaturschutzunion (IUCN) veranlasst hat, ihn als «Verletzlich» auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten zu setzen.

Ausnahmsweise scheint der Schwund der Königsdrückerfischbestände nicht oder nur geringfügig auf die Beeinträchtigung des Lebensraums zurückzuführen zu sein, sondern es deutet alles darauf hin, dass der Rückgang in erster Linie auf die übermässige Befischung der Art zurückzuführen ist. Zum einen wird der grosse Drückerfisch eifrig bejagt, weil sein Fleisch als Delikatesse gilt. Zum anderen ist er eine beliebte Beute von Anglern, Speerfischern und weiteren «Hobbysportlern». Nicht zuletzt wird er auch in grosser Zahl für den Bedarf der Meerwasseraquarianer gefangen.

Um den Fortbestand des Königsdrückerfischs - wie auch denjenigen unzähliger weiterer bedrängter Korallenriffgeschöpfe - zu sichern, muss innerhalb seines Verbreitungsgebiets dringend ein Netz sorgfältig ausgewählter und gut überwachter Meeresschutzgebiete geschaffen werden. Hierfür ist eine gewisse Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen örtlichen Ländern wie auch zwischen den Behörden für Tourismus, Fischerei und Umwelt innerhalb der einzelnen Länder unabdingbar. Leider hapert es diesbezüglich noch beträchtlich.




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