Teichfledermaus - Myotis dasycneme

Mopsfledermaus - Barbastella barbastellus


© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)




Artwork (Myotis dasycneme) © Owen Bell



Geht man an einem warmen Sommerabend im Freien spazieren, so begegnet man nicht selten einer Fledermaus, welche beispielsweise im Bereich einer Strassenlaterne oder eines Seeufers Jagd auf Nachtfalter und andere Insekten macht. Kaum jemand vermag allerdings zu sagen, um welche Fledermausart es sich jeweils handelt. Dies ist kaum überraschend, denn erstens sind alle Fledermäuse ziemlich klein, zweitens sehen sie einander alle ähnlich, und drittens gibt es sehr viele Arten, nämlich insgesamt rund 1100. Tatsächlich fällt es selbst den Spezialisten schwer, frei fliegende Fledermäuse zu identifizieren. Zur sicheren Artbestimmung ist in der Regel der Fang der Flattertiere notwendig oder zumindest der Einsatz eines Geräts («Bat-Detektor»), welches ihre arttypischen Ultraschallrufe für das  menschliche Ohr wahrnehmbar macht.

Wie bei den meisten Tiersippen ist der Grossteil aller Fledermausarten in den Tropen heimisch. Allerdings kommen auch im klimatisch gemässigten Europa 31 Arten vor. In Lettland, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, sind bislang 15 Arten verzeichnet worden. Zwei von ihnen sollen hier vorgestellt werden: die Teichfledermaus (Myotis dasycneme) und die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Beide gehören zur Familie der Glattnasen (Vespertilionidae), welche ihren Namen daher hat, dass ihre Mitglieder im Gegensatz zu vielen anderen Fledermäusen keine Nasenaufsätze tragen. Mit weltweit etwa 320 wissenschaftlich beschriebenen Arten ist die Familie der Glattnasen nicht nur mit Abstand die grösste aller Fledermausfamilien, sondern auch eine der kopfstärksten aller Säugetierfamilien.


Die Teichfledermaus

Im Allgemeinen wird die Familie der Glattnasen in fünf bis sieben Unterfamilien gegliedert. Eine davon ist die Unterfamilie der Mausohren (Myotinae). Sie umfasst einerseits die grosse Gattung der Mausohren (Myotis), welcher die Teichfledermaus und etwa neunzig weitere Arten angehören, andererseits zwei kleine Gattungen, nämlich Lasionycteris mit nur einer Art, der in Nordamerika heimischen Silberhaarfledermaus (Lasionycteris noctivagans), und Cistugo mit zwei Arten, der Lesueur-Fledermaus (Cistugo lesueuri) und der Seabra-Fledermaus (Cistugo seabrai), welche beide im südlichen Afrika vorkommen.

Die Teichfledermaus gehört zu den grösseren Mitgliedern der Mausohrgattung: Sie weist eine Kopfrumpflänge von gewöhnlich 6 bis 7 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 20 bis 32 Zentimetern und ein Gewicht von 14 bis 20 Gramm auf. Schwergewichtig ist sie in den kühleren Regionen Europas heimisch, von Frankreich und Belgien quer durch das nördliche und östliche Europa ostwärts bis nach Kasachstan und zum Jenissei im zentralen Russland. Im Mittelmeerraum scheint sie nicht vorzukommen. Neuere Erhebungen zeigen, dass die Art in Lettland recht weit verbreitet, jedoch nirgendwo häufig ist. Sie hält sich vornehmlich in tieferen Lagen unterhalb von etwa 1200 Metern ü.M. auf.

Wie ihr Name andeutet, bewegt sich die Teichfledermaus im Sommerhalbjahr fast ausschliesslich im Bereich von Gewässern umher. Selten begegnet man ihr an schnell fliessenden Bächen oder Flüssen; sie bevorzugt stehende oder träg fliessende Gewässer wie Seen, grosse Teiche, Flussunterläufe und Kanäle. Jeweils in der späten Abenddämmerung verlässt sie ihren Tagesschlafplatz und fliegt zu «ihrem» Gewässer, um sich dort der Beutesuche zu widmen. Bis zu 15 Kilometer kann ihr Tagesschlafplatz von ihrem Jagdgebiet entfernt liegen. Sie legt diese Strecke in schnellem, geradlinigem Flug zurück und erreicht dabei Geschwindigkeiten von mehr als 35 Kilometern je Stunde. Am Wasser angelangt beginnt sie sogleich mit der Jagd nach Beute. Zum Opfer fallen ihr hauptsächlich Zuckmücken und andere Zweiflügler (Ordnung Diptera) sowie Köcherfliegen (Ordnung Trichoptera) und Hafte (Ordnung Neuroptera), welche als Larven im Wasser leben, ferner Nachtfalter (Ordnung Lepidoptera).

Wie viele andere Fledermäuse ortet die Teichfledermaus ihre Beute mittels Echopeilung: Sie äussert ständig Laute, welche fast ausschliesslich im Ultraschallbereich, also oberhalb des menschlichen Hörvermögens liegen. Ebenfalls ständig nimmt sie mit ihren empfindlichen Ohren die Echos ihrer Laute wahr, welche von den diversen Objekten in ihrer Umgebung zurückgeworfen werden. Diese erlauben es ihr, im Hörzentrum ihres Hirns ein mindestens ebenso komplexes Bild ihrer Umgebung aufzubauen, wie dies der Mensch in seinem Sehzentrum dank den Reflexionen des Sonnenlichts tut, welche von seinen Augen wahrgenommenen werden.

Wie die meisten Fledermäuse ist die Teichfledermaus für ihre Ernährung vollständig auf fliegende Insekten angewiesen. Im Winter ist solche Beute in den kühleren Klimazonen nicht oder zumindest nicht in ausreichender Menge erhältlich, weshalb die Fledermäuse entweder in wärmere, weiter südlich liegende Gegenden auswandern oder an einem geeigneten Ort einen Winterschlaf halten. Die Teichfledermaus tut sozusagen beides: Sie wandert zunächst zwischen 100 und 300 Kilometer weit von ihrem Sommerquartier zum Winterquartier und hält dann dort einen Winterschlaf. Als Überwinterungsplätze dienen ihr unterirdische Hohlräume, darunter natürliche Höhlen, aber auch diverse menschgemachte Höhlungen wie Keller, Bunker, Stollen, Schächte und Tunnel. Geringe Temperaturschwankungen bei gleichzeitig guter Belüftung sind ihr wichtig; der bevorzugte Temperaturbereich liegt zwischen 0,5 und 7,5 Grad Celsius. An den Überwinterungsplätzen hängen sich die Teichfledermäuse mit den Krallen ihrer Füsse an die Decke der Höhle, hüllen sich in ihre Flughäute ein und fallen in einen echten Winterschlaf, bei welchem ihre Körpertemperatur erheblich abfällt und ihre Körperfunktionen auf ein Minimum vermindert sind.

Wie die meisten europäischen Fledermäuse paaren sich die Teichfledermäuse jeweils im Herbst, kurz vor der Wanderung zu ihren Winterquartieren. Die Befruchtung der Eier findet allerdings erst im folgenden Frühling, nach Beendigung des Winterschlafs, statt. Bis dahin wird der männliche Samen im weiblichen Fortpflanzungstrakt aufbewahrt. Die Jungen kommen dann - zumeist als Einzelkinder, sehr selten als Zwillinge - im späten Frühling oder im Frühsommer nach einer effektiven Tragzeit von 60 bis 70 Tagen zur Welt.

Für die Geburt ihrer Jungen versammeln sich die weiblichen Teichfledermäuse in so genannten «Wochenstuben». Diese befinden sich in geräumigen Baumhöhlen oder aber auf Dachböden im Firstbereich. Nicht selten kommen dabei mehrere hundert Individuen zusammen. Im Unterschied zu den meisten anderen Fledermausarten gesellen sich auch erwachsene Männchen zu den «Wöchnerinnen», obschon sie sich keineswegs an der Aufzucht der Nachkommen beteiligen. Mehrheitlich bilden die männlichen Teichfledermäuse jedoch separate, kleinere Schlafgemeinschaften.

Die jungen Fledermäuse können schon im Alter von etwa fünf Wochen fliegen und gehen dann auch bereits auf die Jagd nach Fluginsekten. Bis sie sich wirklich selbstständig ernähren können, vergeht aber noch eine Weile, und in dieser Zeit werden sie weiterhin von ihren Müttern mit Milch versorgt. Die jungen Weibchen schreiten gewöhnlich im Alter von knapp anderthalb Jahren erstmals zur Fortpflanzung. Die durchschnittliche Lebenserwartung der erwachsenen Tiere liegt bei 12 bis 13 Jahren, das Höchstalter bei etwa 19 Jahren.


Die Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus gehört innerhalb der Familie der Glattnasen zur grossen Unterfamilie der Eigentlichen Glattnasen (Vespertilioninae). Bis vor kurzem umfasste die Gattung der Mopsfledermäuse (Barbastella) nur zwei Arten, nämlich die «eigentliche» Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), auch Westliche oder Europäische Mopsfledermaus genannt, und die Östliche oder Asiatische Mopsfledermaus (Barbastella leucomelas). Nun wurde in China eine dritte Art entdeckt, die Peking-Mopsfledermaus (Barbastella beijingensis).

Die Mopsfledermaus ist von ähnlicher Grösse wie die Teichfledermaus: Sie weist eine Kopfrumpflänge von 4,5 bis 6 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 4 bis 5,5 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 25 bis 28 Zentimetern und ein Gewicht von 6 bis 14 Gramm auf, wobei die Männchen durchschnittlich etwas kleiner sind als die Weibchen.

Die Mopsfledermaus ist fast ausschliesslich in Europa heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Wales und nordöstlichen England, westlichen Frankreich und der Iberischen Halbinsel ostwärts durch das mittlere und südliche Europa bis nach Weissrussland, zur Ukraine und nach Transkaukasien (die Region zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer südlich des Kaukasus). Im Norden reicht es bis zum südlichen Norwegen und südlichen Baltikum. Ausserhalb Europas kommt die Art in den Jebala-Bergen und im Hohen Atlas in Marokko vor, ferner auf den Kanarischen Inseln.

In den meisten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets bewohnt die Mopsfledermaus Waldgebiete in höheren Lagen, in den Alpen und den Pyrenäen in teils mehr als 2000 Metern ü.M. Im Baltikum trifft man sie aber regelmässig auch auf Meereshöhe an. Überall erweist sie sich als eine spezialisierte Nachfalterjägerin. Kotuntersuchungen zeigen, dass ihre Kost gewöhnlich zu über 90, manchmal sogar zu über 99 Prozent aus Nachtfaltern besteht. Auf die Jagd geht sie typischerweise entlang von Wegen und auf anderen Lichtungen im Bereich dichter Hochwälder sowie entlang von deren Rändern. Gewöhnlich bewegt sie sich in einer Höhe von vier bis fünf Metern über dem Boden umher.

Aktiv sind die Mopsfledermäuse gewöhnlich von März bis November. In Mitteleuropa verbringen sie den Winter in dicht gedrängten Gruppen, welche oftmals mehrere hundert Individuen umfassen. Weiter nördlich scheinen sie hingegen meistens einzeln zu überwintern. Wie bei der Teichfledermaus befinden sich die Überwinterungsplätze grossenteils in Höhlen, Kellern und anderen unterirdischen Hohlräumen. Es gibt Hinweise darauf, dass auch die Mopsfledermäuse mehr oder weniger ausgeprägte Wanderungen zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren unternehmen.

Wie bei der Teichfledermaus finden die Paarungen im Herbst statt, die Geburten aber erst im folgenden Frühling, nach einer effektiven Tragzeit von sechs bis acht Wochen. Die Wochenstuben umfassen selten mehr als dreissig Weibchen, sind also vergleichsweise klein. Männchen halten sich keine darin auf; diese schlafen während des Sommers einzeln oder bilden mit ihresgleichen kleine Schlafgemeinschaften. Die sommerlichen Schlafplätze befinden sich oft hinter der losen Rinde toter oder sterbender Bäume, manchmal aber auch in Baumhöhlen, Rollladenkästen oder Estrichen.

Die Jungen wachsen schnell heran. Vier bis fünf Wochen nach der Geburt sind sie bereits flugtüchtig, nach acht bis neun Wochen schon ausgewachsen. Die weiblichen Jungtiere paaren sich bereits im Herbst ihres Geburtsjahrs. Die Lebensdauer dürfte ähnlich sein wie bei der Teichfledermaus.


Ein Abkommen namens EUROBATS

Wie bei vielen europäischen Fledermäusen herrscht bezüglich der gegenwärtigen Bestandssituation der Teichfledermaus und der Mopsfledermaus Ungewissheit. Viele Jahre lang wurde die Teichfledermaus als besonders seltene Art eingestuft. Neuere Erhebungen haben nun ergeben, dass ihr Artbestand erheblich grösser ist als bisher angenommen. Allerdings scheint er seit längerer Zeit in zahlreichen Regionen rückläufig zu sein. Für die Mopsfledermaus sind keine Bestandszahlen erhältlich. Wir wissen einzig, dass ihr Vorkommen in Westeuropa lückenhaft geworden ist und ihre Bestände in manchen Gebieten schwinden. Sowohl die Teichfledermaus als auch die Mopsfledermaus werden darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als «Verletzlich» eingestuft.

Als eine wichtige Ursache für die Abnahme der Bestände gilt der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln zum Schutz landwirtschaftlicher Kulturen. Viele Pestizide haben eine Breitbandwirkung, treffen also «Freund und Feind» unter den Wirbellosen und bewirken darum eine erhebliche Schmälerung der Nahrungsgrundlage der Fledermäuse. Als Hauptursache gilt jedoch der Verlust der angestammten Sommerschlafplätze, Wochenstuben und Winterquartiere durch die Sanierung von Altbauten. In Lettland beispielsweise sind in jüngerer Zeit zwei Drittel der bekannten Überwinterungsplätze der Mopsfledermaus zerstört worden, hauptsächlich wegen der Umwandlung alter, seit langem unbenutzter Keller zu Restaurants, Verkaufsläden und Ausstellungsräumen.

Erfreulicherweise werden inzwischen in den meisten europäischen Ländern, so auch in Lettland, Massnahmen zum Schutz der heimischen Fledermäuse getroffen. Auf internationaler Ebene werden diese Anstrengungen koordiniert durch das «Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen» (EUROBATS). Es handelt sich um einen völkerrechtlichen Vertrag, der 1994 in Kraft trat und die inzwischen 31 europäischen Vertragsstaaten zum Schutz der Fledermäuse auf ihrem Hoheitsgebiet verpflichtet.

Das Hauptziel des Abkommens ist es, den Vertragsstaaten einen Leitfaden für die Zusammenarbeit im Fledermausschutz zu geben. Laut Abkommenstext verpflichten sich die Vertragsstaaten, das absichtliche Fangen, Halten und Töten von Fledermäusen innerhalb ihrer politischen Grenzen gesetzlich zu verbieten. Sie verpflichten sich ferner, konkrete Massnahmen zur Erhaltung der Fledermäuse zu treffen, insbesondere deren sommerliche und winterliche Quartiere sowie Futterplätze zu identifizieren und vor Beschädigung oder anderen Störungen zu bewahren. Ein weiteres Ziel des Abkommens ist die Überwachung des Zustands und der Entwicklung von Fledermauspopulationen («Bio-Monitoring»). Dank EUROBATS sieht die Zukunft der europäischen Fledermäuse heute erheblich besser aus als noch vor zwei Jahrzehnten.




Legenden

Die Teichfledermaus (Myotis dasycneme) weist gewöhnlich eine Kopfrumpflänge von 6 bis 7 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 20 bis 32 Zentimetern und ein Gewicht von 14 bis 20 Gramm auf. Sie gehört zur Familie der Glattnasen (Vespertilionidae), welche ihren Namen daher hat, dass ihre Mitglieder im Gegensatz zu vielen anderen Fledermäusen keine Nasenaufsätze tragen.

Wie ihr Name andeutet, bewegt sich die Teichfledermaus im Sommerhalbjahr fast ausschliesslich im Bereich stiller oder träg fliessender Gewässer umher. Sie macht dort hauptsächlich Jagd auf Zuckmücken, Köcherfliegen, Hafte und andere Fluginsekten, welche als Larven im Wasser leben. Den Winter verschläft sie in Höhlen, Kellern, Stollen und anderen unterirdischen Hohlräumen.

Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), welche wie die Teichfledermaus zur Glattnasenfamilie gehört, weist als erwachsenes Tier eine Kopfrumpflänge von 4,5 bis 6 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 25 bis 28 Zentimetern und ein Gewicht von 6 bis 14 Gramm auf. Ihren Namen verdankt sie der besonderen Gesichtsform: Ihre Schnauze ist kurz und breit, die Nasenöffnungen sind nach oben gerichtet, und die breiten Ohren berühren einander zwischen den Augen.

Im Sommerhalbjahr betätigt sich die Mopsfledermaus als spezialisierte Nachtfalterjägerin: Ihre Kost besteht gewöhnlich zu über neunzig Prozent aus diesen Fluginsekten. Den Winter verbringt sie wie die Teichfledermaus in natürlichen oder menschgemachten unterirdischen Hohlräumen, und zwar - zumindest in Mitteleuropa - in dicht gedrängten Gruppen, welche oftmals mehrere hundert Individuen umfassen.

Die Teichfledermaus (Bild) und die Mopsfledermaus weisen in den west- und mitteleuropäischen Bereichen ihrer Verbreitungsgebiete seit geraumer Zeit rückläufige Bestände auf. Sie stehen darum in der Kategorie «Verletzlich» auf der Roten Liste. Als Hauptursache für den Rückgang gilt der Verlust der angestammten Sommerschlafplätze, Wochenstuben und Winterquartiere durch die Sanierung von Altbauten.




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