Weissbauch-Fregattvogel

Fregata andrewsi


© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)




Artwork © Owen Bell



Der Weissbauch-Fregattvogel (Fregata andrewsi) ist ein grosser, leicht gebauter Meeresvogel aus der Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes). Erwachsene Individuen erreichen eine Länge von 90 bis 100 Zentimetern und eine Flügelspannweite von bemerkenswerten 210 bis 230 Zentimetern, wiegen aber nur um 1,4 Kilogramm. Die Männchen sind im Durchschnitt etwas kleiner als die Weibchen.

Das sehr geringe Gewicht des Körpers im Verhältnis zur Grösse der Schwingen und die entsprechend geringe «Tragflächenbelastung» machen den Weissbauch-Fregattvogel zu einem der grössten Flugkünstler innerhalb der gefiederten Welt. Zum einen ist er ein überaus leistungsfähiger Segelflieger, der stunden- oder sogar tagelang ohne jegliche Anstrengung dahingleiten kann. Zum anderen ist er ein hervorragender Luftakrobat, der bei Bedarf mit unvergleichlicher Wendigkeit und Schnelligkeit zu manövrieren vermag.

Die enorme Manövrierfähigkeit des Weissbauch-Fregattvogels zeigt sich besonders dann, wenn er Jagd auf Fliegende Fische und andere über die Meeresoberfläche hinaus springende Fische macht. Zielsicher stösst er nach unten und packt die Beute mit seinem hakenbewehrten Schnabel - ohne wassern zu müssen oder auch nur das Gefieder zu benetzen. Auf ähnliche Weise fängt er oberflächennah schwimmende Fische und Tintenfische, packt essbare Dinge, welche auf der Meeresoberfläche treiben, erbeutet frisch geschlüpfte Meeresschildkröten vom Strand und raubt unbeaufsichtigte Küken mitten aus einer Meeresvogel-Brutkolonie.

Zur Brut schreiten die Weissbauch-Fregattvögel weltweit einzig auf der 137 Quadratkilometer grossen, politisch zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel im Indischen Ozean. Ihr Streifgebiet dehnt sich jedoch über weite Bereiche der südostasiatischen Meere aus. Insbesondere die noch nicht brütenden jugendlichen und jungerwachsenen Individuen führen eine nomadische Lebensweise und streifen enorm weit umher. Ausserhalb der Brutsaison tun dies aber auch die Altvögel. Man kann ihnen dann in vielen Bereichen Indonesiens, weiter nördlich in den Gewässern bei Malaysia und Thailand sowie weiter westlich bei den Andamanen und den Nikobaren begegnen.

Wie viele andere Meeresvögel sind die Weissbauch-Fregattvögel gesellige Brüter. Mit zumeist weniger als 10 und maximal etwa 30 Nestern sind ihre Brutkolonien allerdings ziemlich klein. Sie befinden sich mehrheitlich im oberen Kronenbereich stattlicher Laubbäume. Das Nest misst lediglich etwa 20 Zentimeter im Durchmesser, und das Gelege umfasst stets nur ein einzelnes Ei.

Das Junge schlüpft nach einer Brutzeit von ungefähr 50 Tagen. Es ist anfangs nackt und hilflos und wächst in der Folge ausgesprochen langsam heran. Mindestens sechs Monate lang verweilt es im Nest und muss durch seine Eltern mit Futter versorgt werden. Und auch nachdem es endlich flugfähig ist und das Nest verlassen kann, bleibt es noch weitere etwa neun Monate auf die Zufütterung durch seine Eltern angewiesen. Alles in allem beschäftigt also die Aufzucht eines einzigen Jungvogels das Weissbauch-Fregattvogelpaar über ein Jahr lang. Gewöhnlich schreiten die erwachsenen Vögel deshalb nur alle zwei Jahre zur Brut. Immerhin sind sie mit einer Lebenserwartung von mindestens 25 Jahren recht langlebige Vögel, weshalb sie im Laufe ihres Lebens trotzdem genügend Nachkommen aufzuziehen vermögen.

Die Gesamtpopulation der Weissbauch-Fregattvögel umfasst gegenwärtig rund 2400 Brutpaare. Dies bedeutet einen erheblichen Rückgang gegenüber früher. Die Fachleute schätzen, dass seit der Ankunft der ersten Inselsiedler im Jahr 1888 der Bestand um über 80 Prozent zurückgegangen ist. Heute gehört die Art zu den seltensten Meeresvögeln der Welt und wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als «vom Aussterben bedroht» eingestuft.

Die Hauptursache für den Bestandsschwund lautet Nistplatzzerstörung: Ab 1897 wurden auf der Weihnachtsinsel im Tagbau die oberflächlichen, teils mehrere Meter dicken Kalziumphosphatschichten abgebaut und zu diesem Zweck grosse Bereiche des Inselregenwalds vollständig zerstört. Durch die Rodung des Walds wurden die Weissbauch-Fregattvögel Baum für Baum ihrer weltweit einzigen Nistplätze beraubt.

1987 wurde auf der Weihnachtsinsel erfreulicherweise jeglicher Phosphatabbau eingestellt. Gleichzeitig wurden jene zwei Drittel der Insel, die noch eine einigermassen intakte Pflanzendecke aufweisen, als Nationalpark unter Schutz gestellt. Zudem wurde ein aufwendiges Programm zur Förderung des Aufkommens einer natürlichen Pflanzendecke auf den ausgebeuteten Flächen eingeleitet. So sieht die Zukunft der Tier- und Pflanzenwelt auf der Weihnachtsinsel heute trotz der beim Phosphatabbau entstandenen «Wunden» wieder recht positiv aus. Dies gilt auch für den Weissbauch-Fregattvogel.




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