Östlicher Flachlandgorilla    (auch: «Grauergorilla»)

Gorilla gorilla graueri


© 2002 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Dass der Mensch einst aus den Reihen der Herrentiere (Ordnung Primates) hervorgegangen ist, mag heute niemand mehr ernsthaft bestreiten. Tatsächlich lassen die Erkenntnisse aus der modernen Molekularbiologie keinerlei Zweifel daran, dass der Mensch (Homo sapiens) den vier Menschenaffen Orang-Utan (Pongo pygmaeus), Gorilla (Gorilla gorilla), Schimpanse (Pan troglodytes) und Bonobo (Pan paniscus) verwandtschaftlich überaus nahe steht.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wollte sich der Mensch allerdings nicht ganz so eindeutig zu den «Affen» zählen und ordnete sich der Familie der Menschen (Hominidae) zu, während er seine vier Vettern in die separate Familie der Menschenaffen (Pongidae) stellte. Davon ist man inzwischen abgekommen: Heute fasst man den Menschen, den Gorilla, den Schimpansen und den Bonobo in der Familie Hominidae zusammen und verweist nur noch den Orang-Utan in die Familie Pongidae, da der genetische «Abstand» des Menschen zum roten asiatischen Menschenaffen etwa doppelt so gross ist wie derjenige zu den drei schwarzen afrikanischen.

Bereits bahnen sich jedoch neue Veränderungen innerhalb der Familie Hominidae an. Vor kurzem haben nämlich mit neuster Technologie durchgeführte Untersuchungen des Erbguts der Menschenaffen ergeben, dass es «den» Gorilla, «den» Schimpansen und «den» Orang-Utan eigentlich gar nicht gibt, sondern dass es sich hierbei um je zwei Arten handelt. Beim Orang-Utan müssten die beiden seit langer Zeit genetisch getrennten Populationen auf Borneo (Pongo pygmaeus pygmaeus Linné 1760) und auf Sumatra (Pongo pygmaeus abeli Lesson 1827) je eigenen Artstatus erhalten. Beim Schimpansen müsste die Population in Westafrika (Pan troglodytes verus Schwarz 1934) von den beiden Populationen in Zentralafrika (Pan troglodytes troglodytes Blumenbach 1779) und in Ostafrika (Pan troglodytes schweinsfurthii Giglioli 1872) abgetrennt werden. Und beim Gorilla ist es die Population des Westlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla Savage & Wyman 1847), welche von den nahezu tausend Kilometer weiter östlich lebenden Populationen des Östlichen Flachlandgorillas (Gorilla gorilla graueri Matschie 1914) und des Berggorillas (Gorilla gorilla beringei Matschie 1903) separiert werden müsste.

Wir haben hier ausnahmsweise die Namen der Zoologen, welche die Unterarten erstmals wissenschaftlich beschrieben haben, und das Jahr der Veröffentlichung ihrer Entdeckung angeführt, weil hieraus die zukünftigen wissenschaftlichen Artnamen hervorgehen: Die älteren Bezeichnungen haben Vorrang vor den jüngeren, also wird beispielsweise der Östliche Flachlandgorilla zukünftig Gorilla beringei graueri heissen. Noch fehlt diesen neuen Erkenntnissen allerdings der offizielle Segen, und deshalb halten wir uns auf diesen Seiten an die «alte», gebräuchliche Systematik, wonach es nur vier Menschenaffenarten gibt.

Wir wollen uns nun dem Östlichen Flachlandgorilla zuwenden, dessen Heimat Kongo-Kinshasa, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, ist.

 

Auch «Grauergorilla» genannt

Der Gorilla ist unbestritten das mächtigste Mitglied aller Primaten. In aufrechter Haltung mit charakteristisch angewinkelten «O-Beinen» weisen die erwachsenen Individuen eine Scheitelhöhe von 1,3 bis 1,75 Metern auf, mit gestreckten Beinen kämen sie sogar auf über 2 Meter. Die Spannweite ihrer Arme bemisst sich auf 2 bis 2,75 Meter. Das Gewicht beträgt bei den Männchen gewöhnlich zwischen 135 und 275 Kilogramm, bei den im Durchschnitt kleineren, leichter gebauten Weibchen normalerweise zwischen 70 und 140. Die Männchen unterscheiden sich von den Weibchen im Übrigen dadurch, dass sich ihr Rückenfell nach der Geschlechtsreife silbergrau verfärbt. Man bezeichnet solche «ergrauten Herren» als «Silberrückenmännchen».

Die drei Unterarten, in welche der Gorilla gegliedert wird, sind alle im tropischen Äquatorialafrika, im Herzen Afrikas, beheimatet:

Der Westliche Flachlandgorilla bewohnt die Küstenregion am Golf von Guinea zwischen den Flüssen Niger und Kongo. Er ist der am weitesten verbreitete und häufigste der drei «Brüder». Dies ist der Grund, weshalb fast alle der ungefähr 500 Gorillas, welche in Zoologischen Gärten gehalten werden, Westliche Flachlandgorillas sind. Im Vergleich zum Berggorilla und zum Östlichen Flachlandgorilla wirkt der Westliche Flachlandgorilla eher schlank und hochbeinig, er weist eine kurze, graue Behaarung auf, und er besitzt häufig einen braunen Scheitel.

An den Hängen der Virunga-Vulkane, in der Grenzregion zwischen Kongo-Kinshasa, Uganda und Ruanda, sowie in den nahe gelegenen Bwindi-Bergen lebt in ein paar wenigen Restbeständen der seltene Berggorilla. Sein Fell ist langhaariger als das seiner «Brüder»; es erscheint dadurch besonders schwarz. Seine Arme sind vergleichsweise kurz.

Der Östliche Flachlandgorilla, der mitunter (wegen seines wissenschaftlichen Namens) auch «Grauergorilla» genannt wird, kommt ausschliesslich in Kongo-Kinshasa vor. Er lebt wie der Berggorilla am östlichen Rand des Kongobeckens, dort jedoch nicht im Berg-, sondern im Tief- und Hügelland. Er ist noch etwas grösser als seine beiden «Brüder», er hat ein auffallend längliches Gesicht, und sein Fell ist schwarz. Geografisch wie auch genetisch gesehen steht der Östliche Flachlandgorilla dem Berggorilla erheblich näher als dem Westlichen Flachlandgorilla.

 

Grünzeug als Hauptspeise

Im Gegensatz zu den Schimpansen, welche durchaus auch verhältnismässig offene, trockene (Savannen-)Landschaften besiedeln, sind die Gorillas strikte Regenwaldbewohner. Bei der Nahrungssuche halten sie sich gewöhnlich am Boden auf, denn ihr grosses Gewicht und ihr massiger Körperbau sind ihnen beim Klettern eher hinderlich. Nichtsdestotrotz verbringen vor allem jüngere Individuen beim Fresswandern etwelche Zeit im Geäst der Bäume. In der Mount-Kahuzi-Region beispielsweise kann man die Östlichen Flachlandgorillas immer wieder in Höhen von bis zu vierzig Metern umherklettern sehen, und selbst die kräftigsten Männchen, welche mehr als 200 Kilogramm auf die Waage bringen, wagen sich dort mitunter in Höhen von etwa zwanzig Metern vor.

Die Gorillas sind tagaktive Tiere. Für die Nacht baut sich jedes Individuum in ein paar wenigen Minuten ein einfaches Nest aus Zweigen, Stauden und Blättern. Meistens befindet sich dieses weiche «Bett» am Boden, manchmal aber auch ein oder zwei Meter hoch in einem tragfähigen Gebüsch.

Schon im Morgengrauen verlassen die Tiere jeweils ihren Schlafplatz. In der Folge widmen sie sich ein paar Stunden lang intensiv der Nahrungsaufnahme. Über Mittag ruhen sie während drei bis vier Stunden, und auch für dieses «Mittagsschläfchen» bauen sie sich vielfach ein einfaches Nest. Danach folgt eine weitere Phase der Nahrungsaufnahme. Schliesslich, in der Abenddämmerung, legen sich die grossen Affen wieder schlafen.

Die Nahrung der Gorillas setzt sich zur Hauptsache aus den Blättern und Stängeln diverser Stauden, Kräuter, Büsche und Schlingpflanzen zusammen, umfasst aber auch allerlei Wurzeln, Knollen, Blüten, Früchte und Rinden. Tierliche Nahrung nehmen sie gelegentlich unfreiwillig zu sich, wenn sich an den verspeisten Pflanzenteilen Insekten oder andere wirbellose Kleintiere befinden. Ein aktives Bejagen anderer Tiere ist ihnen hingegen fremd.

Die Tatsache, dass sich die Gorillas zur Hauptsache von grünen, verhältnismässig nährstoffarmen Pflanzenteilen ernähren, hat vielfältige Auswirkungen auf ihre Lebensweise. Zum Beispiel müssen sie täglich grosse Mengen an Nahrung zu sich nehmen, um satt zu werden. Sie halten sich deswegen vorzugsweise in möglichst offenen, lichten Regenwaldstücken mit üppigem Unterholz auf, wie man sie entlang von Flussläufen, an Berghängen oder auch in Sekundärwuchs findet. Hier ist der Tisch für sie stets reich gedeckt. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass in den zentralen Bereichen des Kongobeckens keine Gorillas vorkommen, denn für jene Region ist ein hochwüchsiger Regenwald mit geschlossenem Kronendach und entsprechend schütterem Unterholz charakteristisch.

Das überreiche Angebot an Blättern und Stängeln innerhalb ihrer bevorzugten Lebensgebiete hat wiederum zur Folge, dass es zu keinem Nahrungswettstreit zwischen den Gorillas kommt. Dies erlaubt es den Tieren, bei der Nahrungssuche in mehr oder weniger geschlossenen Gruppen umherzustreifen. Hierin unterscheiden sie sich von den anderen drei Menschenaffen, die sich mehrheitlich von - in Tropenwäldern eher spärlich vorhandenen - Früchten ernähren und deshalb gewöhnlich einzeln unterwegs sind.

Das reiche Nahrungsangebot bedeutet ferner, dass die Gorillagruppen auf ihren gemächlichen Fresswanderungen zumeist nur etwa 500 bis 1000 Meter am Tag zurücklegen müssen. Entsprechend kleinflächig sind denn auch ihre Streifgebiete: Diese bemessen sich in den meisten Fällen auf bloss zehn bis zwanzig Quadratkilometer.

Nicht zuletzt können die Gorillas aufgrund des Überangebots an Nahrung darauf verzichten, Energien für die Inbesitznahme und Verteidigung eines bestimmten Grundstücks aufzuwenden. In der Tat zeigen sie keinerlei territoriales Verhalten anderen Artgenossen gegenüber; die Streifgebiete benachbarter Gruppen überlappen erheblich.

Die Beziehungen zwischen den in einer bestimmten Gegend ansässigen Gruppen sind sehr unterschiedlich. Bei einzelnen Gruppen beachten die erwachsenen Tiere einander kaum, selbst wenn sie in Sichtweite voneinander dem Nahrungserwerb nachgehen, und die Jungtiere spielen mitunter sogar mit den Gleichaltrigen der Nachbargruppe. Zwischen anderen Gruppen ist deutliche Feindschaft zu erkennen, was sich in allgemeiner Nervosität, vielfältigen Lautäusserungen und gelegentlichem Drohverhalten - vor allem seitens der Gruppenführer - äussert. Wiederum andere Gruppen vermeiden es tunlichst, in die Nähe von - offensichtlich ungeliebten - Nachbarn zu geraten und weichen frühzeitig aus. All dies ist Ausdruck dessen, dass die in einer bestimmten Gegend wohnhaften Gorillas nicht nur ihre eigenen Gruppenmitglieder individuell kennen, sondern auch ihre Nachbarn. Jeder lokale Gorillabestand besitzt gewissermassen eine übergeordnete soziale Struktur.

 

Altersrekord: 56 Jahre

Bei den Gorillagruppen handelt es sich um fest gefügte, familienähnliche Sippen, deren Zusammensetzung - zumindest was die Erwachsenen betrifft - gewöhnlich über viele Jahre hinweg konstant bleibt. Die Gruppengrösse schwankt zwischen zwei und etwa 35 Individuen. Typischerweise setzen sich die Gruppen aber aus etwa acht Individuen zusammen, nämlich einem ausgewachsenen Silberrückenmännchen, drei oder vier fortpflanzungsfähigen Weibchen und etwa ebenso vielen Jungtieren in verschiedenen Altersstufen. Bei den Gorillas am Ostrand des Kongobeckens sind die Gruppen durchschnittlich etwas grösser als bei den Gorillas im Westen.

Die Gorillaweibchen bringen mit ungefähr zehn Jahren - nach einer Tragzeit von 250 bis 270 Tagen - ihr erstes Kind zur Welt. Während der ersten Lebensmonate ist das Junge völlig hilflos und wird von seiner Mutter dauernd überallhin mitgetragen. Im Alter von zwei Monaten beginnt es, umher zu kriechen; richtig gehen kann es im Alter von ungefähr acht Monaten. Mit sechs Monaten ernährt es sich bereits mehrheitlich von Pflanzen, hält sich aber weiterhin ständig in der Nähe seiner Mutter auf und wird noch bis zum Alter von etwa drei Jahren von ihr gesäugt. Erst im Alter von ungefähr vier Jahren, wenn die Mutter ihr nächstes Kind zur Welt bringt, löst es sich allmählich von ihr.

Nur selten bleiben die Gorillas ihr Leben lang in der elterlichen Gruppe. Die frisch erwachsenen Männchen verlassen gelegentlich ihre Stammgruppe und wandern oft monate- oder gar jahrelang allein umher - bis es ihnen schliesslich gelingt, Weibchen einer fremden Gruppe zu sich zu locken und einen eigenen «Harem» zu gründen. Auch die jungen Weibchen trennen sich zu gegebener Zeit von ihren Eltern und Geschwistern, um sich einem allein herumziehenden Männchen anzuschliessen oder zu einer benachbarten Gruppe überzuwechseln.

Gorillas können ein Alter von etwa fünfzig Jahren erreichen. Der Altersrekord in Menschenobhut beträgt 56 Jahre.

 

Eine höchst ungewisse Zukunft

Der Östliche Flachlandgorilla nimmt auch hinsichtlich der Grösse seines Bestands eine Mittelstellung zwischen dem Berggorilla und dem Westlichen Flachlandgorilla ein: Der Bestand des Berggorillas umfasst nur noch ein paar hundert Individuen und gilt als «kritisch bedroht». Die Population des Westlichen Flachlandgorillas hingegen beläuft sich neueren Schätzungen zufolge auf über 100 000 Individuen. Den Bestand des Östlichen Flachlandgorillas schätzte man bis vor kurzem auf etwa 4000 Individuen. Aufwändige Bestandserhebungen, die im Laufe der 1990er Jahre durchgeführt wurden und vor allem die Zählung von Schlafnestern umfassten, haben aber erfreulicherweise gezeigt, dass die Population mit rund 17 000 Individuen deutlich grösser ist, als angenommen worden war. Etwa 85 Prozent des Gesamtbestands leben in den tiefer gelegenen Bereichen des 6000 Quadratkilometer grossen Kahuzi-Biega-Nationalparks und in der angrenzenden Kasese-Region. Die restlichen 15 Prozent sind mehrheitlich im 10 830 Quadratkilometer grossen Maiko-Nationalpark und im Itombwe-Wald zu Hause.

Leider ist die Tatsache, dass die meisten Östlichen Flachlandgorillas in Schutzgebieten vorkommen, keine Garantie für ihren längerfristigen Fortbestand, denn die Gebiete existieren praktisch nur auf dem Papier. Der Vollzug der Naturschutzgesetze ist in Kongo-Kinshasa so gut wie inexistent, was wesentlich auf die seit 1996 anhaltenden Bürgerkriegswirren und die damit zusammenhängende Wirtschaftskrise in dem mit einer Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern zwölftgrössten Land der Welt zurückzuführen ist.

Instabil ist die politische Lage ganz besonders im Osten Kongo-Kinshasas, wo der Oestliche Flachlandgorilla zu Hause ist. Dort ist überdies die Dichte der menschlichen Bevölkerung sehr hoch. Der Druck auf die natürlichen Ressourcen der Region ist deshalb enorm. Vor allem der Kahuzi-Biega-Nationalpark wird durch illegale Eindringlinge zwecks Gewinnung von Holz und Pflanzland Stück für Stück zerstört, und seine Tierbestände werden durch Wilddiebe zwecks Beschaffung von «Buschfleisch» immer weiter vermindert.

Die Jagd stellt heute die schlimmste Gefahr für die Gorillas - wie auch für viele andere grössere Regenwaldtiere - dar, schlimmer noch als die stückweise Zerstörung ihres Lebensraums. Das hat vor allem damit zu tun, dass das Fleisch bloss teilweise dem lokalen Verzehr dient. Grossenteils gelangt es in den gut organisierten Fleischhandel, der die Städte sowohl innerhalb des Landes als auch im angrenzenden Ausland bedient - und der jagenden Bevölkerung zum dringend erforderlichen Geld für das Nötigste verhilft. Bände spricht die Beobachtung, dass die älteren Silberrückenmännchen teils regelrechte Experten im Entfernen von Drahtschlingen sind, in welche ihre Gruppenmitglieder mit Armen oder Beinen geraten sind.

Verlässliche Informationen über die aktuelle Situation der Östlichen Flachlandgorillas sind nicht erhältlich. Aufgerüttelt hat aber kürzlich eine Pressemitteilung der Münchner Artenschutzgruppe «Pro Wildlife», wonach ausgerechnet im Kahuzi-Biega-Nationalpark ein ergiebiges Vorkommen von Coltan (=Columbit-Tantalit) gefunden worden sei und nun abgebaut werde. (Coltan gehört zu den begehrtesten und teuersten Rohstoffen der Welt, weil sich aus ihm das für die Herstellung von Mikroprozessoren benötigte Edelmetall Tantal gewinnen lässt.) Mehr als 10 000 Minenarbeiter seien derzeit im Park tätig, um die Kassen der lokalen Bürgerkriegsparteien mit den Geldern aus dem Coltanverkauf zu füllen. Für ihre Ernährung griffen die Minenarbeiter auf die Tiere und Pflanzen des Parks zurück - und würden nicht zuletzt ein schlimmes Massaker unter den Östlichen Flachlandgorillas veranstalten. Bereits sei deren Bestand im Park unter 1000 Individuen gesunken. Wenn diese Angaben von Pro Wildlife auch nur annähernd stimmen - und wir haben leider keinen Grund, dies zu bezweifeln -, dann sieht die Zukunft der Östlichen Flachlandgorillas rabenschwarz aus. Denn solange die politische Instabilität Kongo-Kinshasas anhält, lassen sich unmöglich gezielte Massnahmen zu ihrem Schutz (und dem ihrer zahlreichen tierlichen Leidensgenossen) ergreifen.

 

 

 

Legenden

Der Östliche Flachlandgorilla oder «Grauergorilla» (Gorilla gorilla graueri) ist im Osten Kongo-Kinshasas und damit am östlichen Rand des Kongobeckens zu Hause. Geografisch wie genetisch steht er dem Berggorilla (Gorilla gorilla beringei) erheblich näher als dem Westlichen Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla).

Bei der Nahrungssuche halten sich die Östlichen Flachlandgorillas gewöhnlich am Boden auf, denn ihr grosses Gewicht und ihr massiger Körperbau sind ihnen beim Klettern eher hinderlich. Dennoch verbringen vor allem jüngere Individuen (Bild) beim Esswandern etwelche Zeit im Geäst von Bäumen.

Die Östlichen Flachlandgorillas sind reine Vegetarier. Ihre Nahrung setzt sich zur Hauptsache aus den Blättern und Stängeln diverser Stauden, Kräuter, Büsche und Schlingpflanzen zusammen, umfasst aber auch allerlei Wurzeln, Knollen, Blüten, Früchte und Rinden.

Über Mittag ruhen die Östlichen Flachlandgorillas während drei bis vier Stunden. Wie für die Nacht bauen sie sich auch für ihr «Mittagsschläfchen» zumeist ein einfaches Nest, indem sie Zweige, Stauden und Blätter zu einer weichen Unterlage zusammenschichten.

Die Östlichen Flachlandgorillas leben in familienähnlichen Sippen. Diese setzen sich typischerweise aus etwa acht Individuen zusammen, nämlich einem ausgewachsenen «Silberrückenmännchen», drei oder vier fortpflanzungsfähigen Weibchen und etwa ebenso vielen Jungtieren in verschiedenen Altersstufen. Gorillas können ein Alter von etwa fünfzig Jahren erreichen; der Altersrekord in Menschenobhut beträgt 56 Jahre.

Der Grossteil des Bestands des Östlichen Flachlandgorillas lebt in den tieferen Lagen des Kahuzi-Biega-Nationalparks (Bild). Leider ist dies keine Garantie für den längerfristigen Fortbestand der grossen Menschenaffen, denn im politisch instabilen und wirtschaftlich schwachen Kongo-Kinshasa hapert es mit dem Vollzug der Naturschutzgesetze. Ungestraft beuten Tausende von Wilderern, Holzfrevlern, Pflanzern und Minenarbeitern das zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörende Gebiet aus und machen den darin lebenden Wildtieren das Leben schwer.




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