Graukopfalbatros
Thalassarche chrysostoma
(ehem. Diomedea chrysostoma)
© 2003 Markus Kappeler
/ Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Die Erde wird hie und da als der «Blaue Planet»
bezeichnet. Zu Recht, denn rund zwei Drittel der Erdoberfläche
sind mit Wasser - in Form von Ozeanen und Meeren - bedeckt. Diese
gewaltigen Wassermassen bilden die Heimat eines enorm breiten
Spektrums tierlicher Lebewesen. Wie an Land weisen auch im Wasser
die meisten Tiergruppen in den tropischen Regionen eine erheblich
grössere Artenvielfalt auf als in den gemässigten und
polaren. Von dieser Regel gibt es allerdings bemerkenswerte Ausnahmen.
Dies betrifft insbesondere die Meeresvögel und die Robben
- zwei Tiergruppen, welche zwar die meiste Zeit ihres Lebens
über dem bzw. im Wasser verbringen, für die Aufzucht
ihrer Jungen jedoch das Land aufsuchen. In beiden Fällen
finden sich beträchtlich mehr Arten in den kühlen und
kalten Klimazonen als in den warmen und tropischen. Interessanterweise
ist ferner bei beiden Gruppen die Artenvielfalt auf der Südhalbkugel
deutlich grösser als auf der Nordhalbkugel.
Bei den Meeresvögeln zeigt sich dieses Verbreitungsmuster
in extremer Form bei den Albatrossen, welche als die ausgeprägtesten
Hochseebewohner unter allen Vögeln gelten. Von den insgesamt
21 Albatrosarten lebt einzig der Galapagos-Albatros (Phoebastria
irrorata) in den Tropen, und nur drei Arten - der Kurzschwanzalbatros
(Phoebastria albatrus), der Laysan-Albatros (Phoebastria
immutabilis) und der Schwarzfussalbatros (Phoebastria
nigripes) - kommen auf der Nordhalbkugel vor. Die übrigen
17 Arten sind auf der südlichen Erdhalbkugel beheimatet,
und zwar fast ausschliesslich südlich des südlichen
Wendekreises, der sich bei 23,5 Grad südlicher Breite befindet.
Zu diesen antarktischen Albatrossen gehört auch der Graukopfalbatros
(Thalassarche chrysostoma, vormals Diomedea chrysostoma),
von dem hier berichtet werden soll.
Giganten der Lüfte
Der Graukopfalbatros wird heute, zusammen mit acht
weiteren Albatrosarten, in die neu geschaffene Gattung Thalassarche
gestellt. Noch vor kurzem wurde er - wie die meisten seiner Vettern
- zur Gattung Diomedea gezählt. Im Rahmen einer eingehenden
taxonomischen Studie wurde die Gattung Diomedea jetzt
jedoch dreigeteilt und ausserdem eine ganze Anzahl neuer Albatrosarten
geschaffen. Die Familie der Albatrosse (Diomedeidae) umfasst
deshalb heute nicht mehr 2, sondern 4 Gattungen und nicht mehr
14, sondern 21 Arten. Diese taxonomischen «Umwälzungen»
sind darauf zurückzuführen, dass alle Albatrosformen
einander hinsichtlich ihres Erscheinungsbilds, ihres Körperbaus
und ihres Verhaltens sehr ähnlich sind - und darum die verwandtschaftlichen
Beziehungen innerhalb der Familie mit den herkömmlichen
Untersuchungsmethoden nur schwer festzulegen waren. Erst mittels
neuster molekularbiologischer Methoden ist dies nun auf zufrieden
stellende Weise gelungen.
Die grössten Albatrosse, namentlich der Wanderalbatros
(Diomedea exulans), der Südliche Königsalbatros
(Diomedea epomorpha) und der Nördliche Königsalbatros
(Diomedea sanfordi), weisen von sämtlichen heutigen
Vogelarten die grösste Flügelspannweite auf: Sie bemisst
sich in Ausnahmefällen auf über 3,5 Meter. Der Graukopfalbatros
kann sich mit diesen «Giganten der Lüfte» zwar
nicht messen, aber mit einer Flügelspannweite von bis zu
2,2 Metern, einer durchschnittlichen Länge von 81 Zentimetern
und einem Gewicht von gewöhnlich knapp 4 Kilogramm ist auch
er ein stattlicher Vogel.
Südgeorgien ist der Hauptstützpunkt
Das Verbreitungsgebiet des Graukopfalbatros erstreckt
sich im Bereich der Subantarktis rund um die Erde herum und somit
über den Süden aller drei Weltmeere. Wie die meisten
Albatrosse schreitet er innerhalb dieses weiten Areals ausschliesslich
auf ozeanischen Inseln zur Brut - solchen Inseln also, die irgendwann
in grauer Vorzeit aufgrund untermeerischer vulkanischer Aktivität
aus den Fluten der Ozeane auftauchten und die zu keiner Zeit
mit einem Festland in Verbindung standen. Das hat damit zu tun,
dass ozeanische Inseln - bevor der Mensch auf der Bildfläche
erschien - in der Regel raubsäugerfrei waren und darum überaus
sichere Brutplätze darstellten.
Im südlichen Indischen Ozean brütet der
Graukopfalbatros auf den Prinz-Edward-Inseln, welche etwa 2000
Kilometer südöstlich der Südspitze Afrikas liegen
und politisch zu Südafrika gehören. Weitere Brutkolonien
im Indischen Ozean finden sich auf den Crozet-Inseln und den
Kerguelen, beides französische Besitzungen. Im südlichen
Pazifischen Ozean brütet die Art auf der Macquarie-Insel,
einem australischen Aussenterritorium, das rund 1500 Kilometer
südöstlich der Insel Tasmanien liegt, und auf der Campbell-Insel,
einem neuseeländischen Aussenterritorium. Im Grenzbereich
zwischen dem Pazifischen und dem Atlantischen Ozean, südlich
von Kap Hoorn, brütet der Graukopfalbatros auf den zu Chile
gehörenden Diego-Ramirez-Inseln. Und im südlichen Atlantischen
Ozean schliesslich ist er auf Südgeorgien, einer britischen
Aussenbesitzung, ansässig.
Von den genannten Inseln bildet Südgeorgien mit
Abstand den wichtigsten «Stützpunkt» der Art:
Fast sechzig Prozent aller Graukopfalbatros-Paare brüten
teils auf der 3750 Quadratkilometer grossen Hauptinsel, teils
auf deren vorgelagerten «Trabanten». Zu nennen sind
von letzteren vor allem Willis Island und Bird Island im Westen
sowie Copper Island im Osten.
Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur der
Luft von bloss +1,8 Grad Celsius ist das Klima Südgeorgiens
überaus frostig, obschon die Insel relativ weit nördlich
liegt (bei knapp 55 Grad, was etwa der Höhe von Kiel auf
der Nordhalbkugel entspricht). Das kalte Klima erklärt sich
daraus, dass sich Südgeorgien südlich der so genannten
«Antarktischen Konvergenz» befindet, die hier verhältnismässig
weit nördlich verläuft. An dieser natürlichen
Wassergrenze sinken die kalten antarktischen Oberflächenwasser
erst in die Tiefe ab. Südgeorgien ist also während
des ganzen Jahres von Wassermassen umgeben, deren Temperatur
niemals weit über den Gefrierpunkt steigt. So kommt es,
dass Südgeorgien, dessen höchste Gipfel fast 3000 Meter
über die Meeresoberfläche aufragen, zu rund sechzig
Prozent unter ewigem Eis begraben und auch das restliche Land
fast das ganze Jahr über von Schnee bedeckt ist.
Südgeorgien hat zwar keine einheimische Bevölkerung,
aber völlig unbewohnt ist die südatlantische Insel
gleichwohl nicht. Denn seit vielen Jahren unterhält das
Forschungsprogramm «British Antarctic Survey» hier
mehrere Stationen, darunter zwei winterfeste (eine auf der Hauptinsel,
die andere auf Bird Island), in denen stets ein paar Wissenschaftler
wohnen. Ornithologen haben im Rahmen dieses Programms die Meeresvögel
auf Bird Island eingehend erforscht, so auch den Graukopfalbatros,
weshalb wir über seine Brutbiologie recht gut informiert
sind.
Erst mit acht Jahren erwachsen
Ihre Nester legen die Graukopfalbatrosse zumeist in
kleinen Kolonien zwischen Büschelgräsern an Hängen
und auf Klippen an, von wo ein Ausblick zur See besteht. Wie
die meisten Albatrosse bauen sie baumstrunkförmige Nester
aus feuchter Erde, Grashalmen und Moosen, deren oberes Ende eine
Mulde aufweist. Die Nester sind maximal 70 bis 80 Zentimetern
hoch und weisen an feuchten Orten im Durchschnitt eine grössere
Höhe auf als an trockenen. Ihre Hauptfunktion ist zweifellos,
das Gelege und später die Nestlinge vor Nässe zu schützen.
Die Distanz zwischen den einzelnen Nestern beträgt im Allgemeinen
mindestens fünf Meter, und gewöhnlich benützen
die Brutpaare ihre «persönlichen» Nester immer
wieder.
Albatrosse sind ihrem einmal gewählten Geschlechtspartner
viele Jahre, ja wahrscheinlich sogar lebenslang treu. Die «Hochzeit»,
also das Eingehen eines solchen Paarbunds, ist eine für
den Beobachter faszinierende Angelegenheit, denn die beiden Partner
zeigen ein komplexes Balzritual, bei dem sie synchron gewisse
Haltungen und Bewegungen - darunter Schnabelfechten, Wiegeschreiten,
Schnabelklappen, Zum-Himmel-Zeigen, Verbeugen und Schulterputzen
- während Tagen unermüdlich wiederholen.
Bei den etablierten Paaren trifft zu Beginn der Fortpflanzungszeit,
das heisst gegen Ende September, gewöhnlich das Männchen
als erstes beim Nistplatz ein. Es bessert bei Bedarf das früher
gebaute Nest aus und hält unnachgiebig alle anderen Männchen
von diesem fern. Das Weibchen erscheint ein paar Tage später.
Es folgt ein kurzes Balzritual, gewissermassen eine Kurzform
des Hochzeitsrituals, und anschliessend die Paarung. Danach begeben
sich die beiden Partner gemeinsam aufs Meer.
Ein paar Tage später kehren sie zum Nest zurück.
Das Weibchen legt nun ein einzelnes Ei in die Nestmulde - und
begibt sich sogleich wieder aufs Meer. Das Männchen bestreitet
zwangsläufig die erste, fünf bis fünfzehn Tage
dauernde Schicht des Bebrütens. Das Weibchen übernimmt
danach die zweite Schicht, und in der Folge wechseln sich die
beiden Partner regelmässig ab, bis das Junge nach rund siebzig
Tagen - zumeist in der zweiten Dezemberhälfte - aus dem
Ei schlüpft.
Drei bis vier Wochen lang wird das Junge ständig
von einem der beiden Altvögel gewärmt und beschützt.
Danach ist es gross genug, um sich selbst zu verteidigen, und
wird nun von seinen Eltern während zunehmend längeren
Zeitspannen allein gelassen. Anfangs wird der Nestling täglich
mit Futter versorgt, und zwar mit einer - für uns jedenfalls
- ziemlich unappetitlichen, übel riechenden Mischung aus
angedautem Tintenfisch oder Fisch und einem speziellen Magenöl.
Später erfolgt die Fütterung immer unregelmässiger,
wobei die Fütterzeiten der beiden Altvögel keineswegs
aufeinander abgestimmt sind. Seinen ersten Flug unternimmt der
junge Graukopfalbatros im Alter von etwa viereinhalb Monaten:
Nachdem er eine Zeitlang auf und neben dem Nest mit seinen Flügeln
experimentiert hat, schwingt er sich eines Tages einfach in die
Luft, fliegt aufs Meer hinaus und sorgt fortan für sich
selbst.
Mehr als ein halbes Jahr wenden die Altvögel
also für das Ausbrüten des Eis und die Aufzucht des
Jungvogels auf. Infolge dieser ausgedehnten Brutzeit, welche
sehr anstrengend ist, brüten sie gewöhnlich nur alle
zwei Jahre. So können sie zwischenzeitlich wieder zu Kräften
kommen, was die Chancen für eine erfolgreiche nächste
Brut zweifellos anhebt.
Die jungen Albatrosse benötigen mehrere Jahre,
um die Geschlechtsreife zu erreichen. Normalerweise schreiten
sie erst im Alter von acht bis zehn Jahren selbst zur Fortpflanzung.
Andererseits können die eleganten Meeresvögel unter
natürlichen Bedingungen ein Alter von dreissig und mehr
Jahren erreichen und kommen somit im Laufe ihres Lebens durchaus
auf ihr «Soll» an Nachkommen.
Diejenigen Graukopfalbatrosse, die nicht mit Brüten
beschäftigt sind, erweisen sich als ausgeprägte Hochseevögel,
die sich kaum je in der Nähe von Land blicken lassen. Die
südlichen Sommermonate über halten sie sich gewöhnlich
im Bereich der Antarktischen Konvergenz auf, welche sich als
unsichtbares Band zwischen dem 50. und 60. südlichen Breitengrad
rund um den Globus herum zieht und - aufgrund der Turbulenzen,
die hier beim Aufeinandertreffen des kalten antarktischen Wassers
mit wärmerem Wasser entstehen - von einer besonders reichen
Meeresfauna gekennzeichnet ist. Während des südlichen
Winters bewegen sich die Vögel gewöhnlich weiter nach
Norden und gelangen dann in gewissen Gegenden, beispielsweise
im Bereich des kalten Humboldtstroms vor der Westküste Südamerikas,
mitunter bis zum 15. südlichen Breitengrad.
Tödliche Fischhaken
Der Graukopfalbatros ist noch immer ein recht häufiger
Vogel. Die Fachleute schätzen, dass alljährlich rund
75 000 Paare zur Brut schreiten. Einschliesslich der nicht brütenden
Altvögel und der noch nicht geschlechtsreifen Jungvögel
dürfte die Gesamtpopulation demnach 400 000 bis 500 000
Individuen umfassen.
Dennoch steht es nicht zum Besten mit dem grauköpfigen
Meeresvogel. Untersuchungen haben nämlich im Verlauf der
vergangenen dreissig Jahre an verschiedenen seiner Brutplätze
einen langsamen, aber steten Bestandsrückgang aufgezeigt.
Auf Bird Islands beispielsweise, wo rund ein Sechstel der südgeorgischen
Population - d.h. knapp ein Zehntel der Gesamtpopulation - brütet,
ist die Zahl der Brutpaare seit 1975 um rund 25 Prozent zurückgegangen.
Als Hauptursache für diesen Schwund gilt die
in den vergangenen drei Jahrzehnten stark intensivierte Langleinenfischerei
in den antarktischen Gewässern. Abgesehen haben es die Langleinenfischer
vor allem auf den Schwarzen Seehecht (Dissostichus eleginoides),
einen besonders in Japan sehr begehrten Speisefisch. Sie verwenden
dabei bis zu 130 Kilometer lange Nylonleinen, an denen mehrere
Tausend beköderte Haken befestigt sind. Verschiedene Meeresvögel,
darunter auch der Graukopfalbatros, werden durch die Abfälle,
welche diese schwimmenden Fischverarbeitungsfabriken ins Meer
werfen, aus weitem Umkreis angelockt und folgen ihnen oft tagelang.
Sie stürzen sich dann ebenfalls auf die Köder an den
Langleinen und ertrinken kläglich. Experten schätzen,
dass weltweit mehr als 100 000 Albatrosse im Jahr auf diese Weise
ihr Leben verlieren, wobei vor allem die jüngeren, unerfahrenen
Vögel gefährdet zu sein scheinen.
Es besteht durchaus die Möglichkeit, die Langleinen
technisch so zu verändern, dass die Gefahr für Meeresvögel
erheblich vermindert wird. Organisationen wie die «Kommission
für die Erhaltung der Antarktischen Marinen Tierlichen Ressourcen»
(CCAMLR), welche unter anderem den Seehechtfang in den antarktischen
Gewässern überwacht, setzen sich seit längerem
dafür ein, dass solche Massnahmen zur Vermeidung des ungewollten
«Beifangs» flächendeckend umgesetzt werden.
Wie so oft sträuben sich aber die Fischer dagegen, da die
Massnahmen nicht gratis sind und deshalb ihr Profit (ein klein
wenig) geschmälert wird.
Aufgrund ihrer sehr geringen Nachzuchtrate vermögen
die Graukopfalbatrosse die durch die Langleinenfischerei verursachten
Ausfälle nicht zu verkraften. Die internationale Vogelschutzorganisation
«BirdLife International» hat die Art deshalb zusammen
mit praktisch allen anderen Albatrossen auf die Rote Liste der
gefährdeten Vogelarten gesetzt. Im Moment wird der Graukopfalbatros
noch in der Kategorie «verwundbar» geführt,
doch ein Wechsel in die Kategorie «vom Aussterben bedroht»
ist leider absehbar - sofern es nicht bald gelingt, sämtliche
in den antarktischen Gewässern aktiven Langleinenfischer
dazu zu bringen, den Forderungen der CCAMLR endlich nachzukommen.
Legenden
Der Graukopfalbatros (Thalassarche chrysostoma,
vormals Diomedea chrysostoma) weist eine Flügelspannweite
von bis zu 2,2 Metern, eine durchschnittliche Länge von
81 Zentimetern und ein Gewicht von gewöhnlich knapp 4 Kilogramm
auf. Seine Nahrung setzt sich zur Hauptsache aus verschiedenen
Tintenfischen zusammen, umfasst aber auch Fische, Krebstiere
und an der Oberfläche treibende tote Tiere («Aas»).
Seine Beute fängt der elegante Meeresvogel im Allgemeinen,
indem er sich auf dem Wasser treiben lässt und mit dem Schnabel
nach oberflächennah schwimmenden Tieren schnappt. Gelegentlich
stürzt er sich aber auch aus dem Tiefflug heraus nach Beute
und taucht dabei kurzfristig mit dem ganzen Körper ins Wasser
ein.
Die im Südatlantik gelegene Insel Südgeorgien
bildet den mit Abstand wichtigsten «Stützpunkt»
des Graukopfalbatros: Fast sechzig Prozent aller Graukopfalbatros-Paare
schreiten teils auf der 3750 Quadratkilometer grossen Hauptinsel,
teils auf deren vorgelagerten Inselchen zur Brut.
Wie die meisten Albatrosse bauen die Graukopfalbatrosse
baumstrunkförmige Nester aus feuchter Erde, Grashalmen und
Moosen, deren oberes Ende eine Mulde aufweist. Die Nester sind
maximal 70 bis 80 Zentimetern hoch und weisen an feuchten Orten
im Durchschnitt eine grössere Höhe auf als an trockenen.
Ihre Hauptfunktion ist zweifellos, das Gelege und später
die Nestlinge vor Nässe zu schützen.
Die jungen Albatrosse schlüpfen nach einer Bebrütungszeit
von rund siebzig Tagen aus dem Ei und werden von ihren Eltern
weitere viereinhalb Monate lang betreut, bis sie flugfähig
sind. Gegen Ende der Nestlingszeit wiegen die jungen Graukopfalbatrosse
mehr als ihre Eltern. Der Ersatz des kindlichen Daunenkleids
durch das erste Jungendgefieder verbraucht dann aber recht viel
Energie, so dass die Jungvögel schliesslich, wenn sie sich
selbstständig machen, etwa das gleiche Gewicht aufweisen
wie ihre Eltern.
Noch ist der Graukopfalbatros mit einer Population
von 400 000 bis 500 000 Individuen ein recht häufiger Meeresvogel.
Dennoch gilt die Art als gefährdet. Untersuchungen haben
nämlich gezeigt, dass die Bestände im ganzen subantarktischen
Verbreitungsgebiet stark rückläufig sind. Als Hauptursache
für diesen Schwund gilt die in den vergangenen drei Jahrzehnten
stark intensivierte Langleinenfischerei in den antarktischen
Gewässern. Weltweit verlieren alljährlich viele tausend
Albatrosse ihr Leben, weil sie nach den verlockenden Langleinenködern
schnappen.
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