Husarenaffe
Erythrocebus patas
© 2006 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Die Säugetierordnung der Herrentiere oder Primaten
(Primates) setzt sich aus den Menschen, Menschenaffen, Affen,
Lemuren, Loris, Galagos und Koboldmakis zusammen. Sie alle sind
aus ungefähr rattengrossen, insektenessenden, den heutigen
Spitzhörnchen (Tupaiidae) ähnlichen «Ursäugetieren»
hervorgegangen, welche sich vor rund 85 Millionen Jahren vom
Leben am Boden gelöst und an das Leben in Sträuchern
und Bäumen angepasst hatten. Das Baumleben ist während
der ganzen Stammesgeschichte ein prägendes Kennzeichen der
Primaten geblieben. Noch heute sind sämtliche Mitglieder
der Sippe, der Mensch eingeschlossen, des Kletterns fähig.
Kein Wunder sind fast alle der rund 370 heutigen Primatenarten
im Bereich von Wäldern oder Buschländern zu Hause.
Tatsächlich verbringt die grosse Mehrheit der
Primaten die meiste Zeit im Geäst von Gehölzpflanzen.
Nur wenige Arten, darunter der Mandrill (Mandrillus sphinx),
der Drill (Mandrillus leucophaeus), der Gorilla (Gorilla
gorilla) und der Schimpanse (Pan troglodytes) sind
zwar Waldbewohner, halten sich jedoch mehrheitlich am Boden auf.
Und genauso begrenzt ist die Zahl der Primatenarten, welche sich
hauptsächlich in offenen, unbewaldeten Landstrichen umherbewegen.
In Afrika tun dies einzig die Paviane (Papio spp.), der
Dschelada (Theropithecus gelada), die Grüne Meerkatze
(Cercopithecus aethiops) und der Husarenaffe (Erythrocebus
patas). Von Letzterem soll hier berichtet werden.
Ein Savannenaffe
Sämtliche Affenarten, welche in der Alten Welt
zu Hause sind und weder zu den Menschenaffen noch zu den Halbaffen
gehören, werden einer einzigen Familie zugeordnet: der Familie
der Meerkatzenartigen (Cercopithecidae). Dies gilt auch für
den Husarenaffen. Er ist ein verhältnismässig grosses,
feingliedriges Mitglied dieser vielgestaltigen Säugetiersippe.
Die Kopfrumpflänge liegt zwischen 60 und 80 Zentimetern
und die Schwanzlänge zwischen 50 und 75 Zentimetern, wobei
die Männchen im Durchschnitt deutlich grösser und vor
allem erheblich schwerer sind als die Weibchen: Erstere wiegen
normalerweise zwischen 7 und 13 Kilogramm, während Letztere
bloss 4 bis 7 Kilogramm auf die Waage bringen. Seinen deutschen
Namen verdankt der Husarenaffe seinem Gesichtausdruck: Mit seinem
«festen Blick», dem «feschen Schnurrbart»
und der «roten Haube» erinnert er an ein Mitglied
des ehemaligen österreichisch-ungarischen Reiterregiments
der Husaren.
Der Husarenaffe kommt in Afrika in einem breiten Gürtel
vor, der sich zwischen der Wüste Sahara im Norden und den
Regenwäldern Westafrikas und des Kongobeckens im Süden
quer durch den Kontinent zieht - von Senegal, Gambia und dem
südlichen Mauretanien im Westen durch die ganze Sahelzone
bis zum östlichen Äthiopien, westlichen Kenia und nördlichen
Tansania im Osten. Innerhalb dieses weiten Artverbreitungsgebiets
werden im Allgemeinen zwei Unterarten unterschieden: der Weissnasen-Husarenaffe
oder Nisnas (Erythrocebus patas pyrrhonotus) in Ostafrika
und der Schwarznasen-Husarenaffe oder Patas (Erythrocebus
patas patas) in Westafrika. In Sierra Leone, dem in Westafrika
gelegenen Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, kommt also
der Schwarznasen-Husarenaffe vor. Sein Vorkommen ist hier auf
die trockeneren, offeneren Gebiete im Norden des Landes beschränkt.
Generell bevorzugt der Husarenaffe innerhalb seines Verbreitungsgebiets
die baumarmen Grasländer und meidet den Wald. Selbst kleinere
Waldinseln in Graslandschaften betritt er nicht.
Das «schwache Geschlecht» regiert
Gewöhnlich lebt der Husarenaffe in Gruppen von
sieben bis zwanzig, manchmal auch bis fünfzig Individuen,
welche sich aus einem erwachsenen Männchen und mehreren
Weibchen mit ihren Jungtieren zusammensetzen. Erwachsene Männchen,
welche über keine Weibchen verfügen, führen entweder
ein einzelgängerisches Leben oder streifen in kleinen Junggesellentrupps
umher.
Innerhalb der Familiengruppen besteht unter den erwachsenen
Weibchen eine strenge Rangordnung, welche selten Veränderungen
erfährt. Das ranghöchste Weibchen führt die Gruppe
an und bestimmt beispielsweise die Richtung der Streifzüge.
Das Männchen ist zwar deutlich grösser als das grösste
Weibchen und bietet einen imposanten Anblick. Doch der Schein
trügt: Es ist keineswegs der Herrscher in der Gruppe, sondern
wird von den Weibchen bloss an deren Peripherie geduldet - und
darf sich gelegentlich als «Samenspender» betätigen.
Im Übrigen nimmt es - wie wir noch sehen werden - gewissermassen
die Funktion eines Wachhunds wahr.
Wie die meisten Primatenarten sind die Husarenaffen
tagsüber rege und verbringen einen Grossteil ihrer Aktivitätszeit
mit der Suche nach Essbarem. Im Grunde genommen sind sie Allesesser,
doch ernähren sie sich in weiten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets
aufgrund des Angebots hauptsächlich von pflanzlichen Stoffen:
Sämereien, Beeren, Schoten, Blüten, Halmen, Knospen,
Trieben usw. Daneben verspeisen sie gern Heuschrecken und andere
grosse Insekten, kleine Echsen, Vogeleier, Jungvögel und
Nagetiere, wenn sie solche erhaschen können. Bei der Futtersuche
fächert sich die Gruppe stark auf. Entfernungen von mehreren
hundert Metern zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern sind
keine Seltenheit.
Auf ihren Streifzügen bewegen sich die Husarenaffen
sehr weit umher. Eine Gruppe im Nordwesten Kenias, deren Lebensweise
genauer untersucht wurde, legte regelmässig um sechs, manchmal
aber auch mehr als fünfzehn Kilometer am Tag zurück.
Die Streifgebiete der Gruppen bemessen sich auf dreissig bis
fünfzig Quadratkilometer und sind damit grösser als
bei allen anderen bisher untersuchten Primaten von ähnlicher
Körpergrösse.
Der Windhund unter den Primaten
In Waldungen fällt den Primaten als kletterfähigen
Säugetieren die Feindvermeidung verhältnismässig
leicht. Das Umherstreifen in der Savanne ist hingegen eine riskante
Angelegenheit, denn das Spektrum an Fressfeinden ist hier gross,
die Tarnung fällt schwer, und feindsichere Zufluchtsorte
sind dünn gesät. Aus diesem Grund verhalten sich die
Husarenaffen stets sehr unauffällig. Insbesondere sind sie
ausgesprochen schweigsam, wenn sie in lockerer Formation und
schwer sichtbar im hohen Gras umherziehen.
Ausserdem sind sie sehr wachsam. Alle Individuen richten
sich immer wieder auf ihren Hinterbeinen auf, um die Umgebung
zu mustern. Und das Männchen steigt von Zeit zu Zeit auf
einen Busch, einen Baumstrunk, einen Termitenhügel oder
eine andere Erhöhung, um von dort aus die Umgebung zu beobachten.
Zwar hält es wohl vor allem - ganz eigennützig - nach
etwaigen Rivalen Ausschau, die ihm seine Weibchen streitig machen
wollen. Gleichzeitig entdeckt es aber - zum Wohl der Weibchen
und Jungen - oft als erstes Gruppenmitglied sich nähernde
Fressfeinde, worauf es unverzüglich laute Alarmrufe äussert.
Als Fressfeinde sind vor allem Leoparden (Panthera
pardus), Geparde (Acinonyx jubatus), Schakale (Canis
spp.), Löwen (Panthera leo), Hyänen, Adler,
Pythons und - an Tränken - Krokodile zu nennen. Im Gegensatz
zu den ebenfalls Offenland bewohnenden, aber kräftiger gebauten
Pavianen setzen sich die Husarenaffen gegen Feinde nie zur Wehr,
sondern flüchten gewöhnlich schon beim geringsten Anzeichen
einer Gefahr. Natürlich können sie mühelos auf
Bäume klettern, wenn solche erreichbar sind. Sie tun dies
aber selten. Selbst bei grosser Gefahr, die sonst jeden Affen
«auf die Palme treibt», flüchten sie stets am
Boden in schnellem ausdauerndem Galopp - und tauchen im hohen
Gras der Savanne unter.
An die schnelle Fortbewegung am Boden sind die Husarenaffen
körperbaulich gut angepasst: Ihre Arme und Beine sind ebenso
wie ihre Hände und Füsse lang und schlank, während
die Finger und Zehen vergleichsweise kurz sind. Beim Gehen und
Stehen heben die Tiere überdies ihre Handgelenke und Fersen
vom Boden ab, sind also «Halbzehengänger». Verlässlich
gemessen wurden Fluchtgeschwindigkeiten von rund 55 Kilometern
je Stunde. Die Husarenaffen gelten damit als die schnellsten
Primaten und wurden schon als die «Windhunde unter den
Primaten» bezeichnet.
Während die Husarenaffen tagsüber hauptsächlich
am Boden unterwegs sind, suchen sie für die Nacht fast ausnahmslos
Bäume oder Sträucher auf. Im Unterschied zu den meisten
anderen Meerkatzenartigen versammeln sich die Gruppen hierbei
nicht auf einem einzigen Baum oder einer einzelnen Baumgruppe,
sondern es bezieht jedes Gruppenmitglied einen separaten Baum,
so dass die Gruppe nachts oftmals noch weiter verstreut ist als
tagsüber. Gemessen wurden schon «Gruppenschlafflächen»
von mehr als 25 Hektaren. Es ist zwar anzunehmen, dass auch dieses
Verhalten der Vermeidung von Feinden dient. Worin aber die Vorteile
dieser Strategie bestehen, wissen wir nicht.
Mit 3 das erste Kind
Die Husarenaffen pflanzen sich früher fort als
die meisten ihrer Vettern. Die jungen Weibchen lassen sich im
Allgemeinen bereits im Alter von zweieinhalb Jahren begatten
und bringen somit - bei einer Tragzeit von fünfeinhalb Monaten
- ihr erstes Junges schon im Alter von drei Jahren zur Welt.
Einzelkinder sind die Regel. Im Alter von sechs Monaten können
sich die Jungtiere selbstständig fortbewegen und ernähren,
doch werden sie gewöhnlich noch bis zum Alter von zehn bis
zwölf Monaten gesäugt.
Nachdem die jungen Weibchen das fortpflanzungsfähige
Alter erreicht haben, bringen sie zumeist alljährlich -
und zwar während der örtlichen Regenzeit, wenn die
Ernährung am leichtesten fällt - ein Junges zur Welt.
In Menschenobhut können Husarenaffen über zwanzig Jahre
alt werden, doch unter den unsicheren und oft schwierigen Bedingungen,
welche in den afrikanischen Savannen herrschen, liegt die durchschnittliche
Lebenserwartung zweifellos weit tiefer. Sie wird auf sieben bis
acht Jahre geschätzt.
Die jungen Männchen erreichen die Geschlechtsreife
gewöhnlich im Alter von dreieinhalb Jahren und werden in
diesem Alter vom «Pascha» aus der Gruppe verjagt.
Um sich fortpflanzen zu können, müssen sie sich eine
eigene Weibchengruppe aneignen. Dies bedingt in den meisten Fällen,
dass sie ein ansässiges Männchen zum Kampf herausfordern
und überwältigen müssen. Dies gelingt ihnen frühestens
im Alter von fünf bis sechs Jahren, wenn sie ausgewachsen
und im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Anschliessend bleiben
sie selten länger als zwei oder drei Jahre an ihrer Position,
bevor sie ihrerseits durch einen jüngeren Rivalen vertrieben
werden. Die Kämpfe zwischen den Husarenmännchen sind
heftig und führen nicht selten zu schweren Verwundungen,
denn die Tiere haben besonders grosse und scharfe «Eckzahndolche».
«Buschfleisch»
Die Husarenaffen verfügen in verschiedenen Bereichen
ihres grossen Artverbreitungsgebiets noch über recht umfangreiche
Bestände und werden deshalb von der Weltnaturschutzunion
(IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Wie praktisch alle
grösseren Wildtiere in Afrika südlich der Sahara leiden
sie allerdings unter der Umwandlung der Grasländer in vieh-
und landwirtschaftliche Nutzflächen, also dem Schwund ihrer
angestammten Lebensräume, sowie - besonders in Westafrika
- unter der Bejagung. Affenfleisch ist in Westafrika eine beliebte
Speise und spielt im ständig wachsenden Handel mit so genanntem
«Buschfleisch» eine wichtige Rolle. Wie viele andere
Wildtiere in Afrika werden Affen nämlich nicht allein für
die Selbstversorgung bejagt, sondern auch, um ihr Fleisch - oftmals
in geräucherter Form - auf den Märkten der Städte
zum Verkauf anzubieten. Solches «Buschfleisch» ist
in der Regel begehrter als das Fleisch von Nutztieren und erzielt
entsprechend hohe Preise. Dies macht die Jagd zu einem einträglichen
Geschäft.
Besonders gross ist der Ansporn, Jagd auf Wildtiere
zu machen, in Ländern wie Sierra Leone, dessen Wirtschaft
aufgrund eines langen, erst 2002 zu Ende gegangenen Bürgerkriegs
stark geschwächt ist und darum die Verdienstmöglichkeiten
spärlich sind, wo Waffen in der Zivilbevölkerung weit
verbreitet sind, und wo der Vollzug der Jagd- und Naturschutzgesetze
sehr mangelhaft ist. Zwar wissen wir nichts Genaueres über
die Situation der Husarenaffen in Sierra Leone. Es ist aber zu
befürchten, dass sie hier - wie in vielen anderen Bereichen
ihres Verbreitungsgebiets - mehr und mehr zurückgedrängt
werden.
Legenden
Der Husarenaffe (Erythrocebus patas) ist ein
verhältnismässig grosses, feingliedriges Mitglied der
Familie der Meerkatzenartigen (Cercopithecidae). Die Kopfrumpflänge
liegt zwischen 60 und 80 Zentimetern, wobei die Männchen
(links) im Durchschnitt deutlich grösser und vor allem schwerer
sind als die Weibchen (rechts). Erstere wiegen normalerweise
zwischen 7 und 13 Kilogramm, während Letztere bloss 4 bis
7 Kilogramm auf die Waage bringen. Beide Bilder zeigen Mitglieder
der westafrikanischen Unterart namens Schwarznasen-Husarenaffe
(Erythrocebus patas patas).
Die Heimat des Husarenaffen ist Afrika. Sein Verbreitungsgebiet
erstreckt sich über die ganze Sahelzone - von Senegal, Gambia
und Mauretanien im Osten bis Äthiopien, Kenia und Tansania
im Osten. Im Unterschied zu den allermeisten anderen Affenarten
meidet er den Wald und bevorzugt als Lebensraum die offene, baumarme
Savanne. Das Bild wurde auf dem Laikipia-Plateau in Kenia aufgenommen,
zeigt also ein Mitglied der ostafrikanischen Unterart namens
Weissnasen-Husarenaffe (Erythrocebus patas pyrrhonotus).
Die Husarenaffen leben im Allgemeinen in Gruppen von
7 bis 20 Individuen, die sich aus einem erwachsenen Männchen
und mehreren Weibchen sowie deren Jungtieren zusammensetzen.
Erwachsene Männchen, welche über keine Weibchen verfügen,
führen entweder ein einzelgängerisches Leben oder streifen
in kleinen Junggesellentrupps umher.
Die weiblichen Husarenaffen bringen nach einer Tragzeit
von fünfeinhalb Monaten gewöhnlich ein einzelnes Junges
zur Welt. Anfangs trägt die Mutter ihr Kind am Bauch umher.
Schon im Alter von sechs Monaten kann es aber selbst auf ausgedehnten
Streifzügen mit ihr Schritt halten und auch eigenständig
nach Nahrung suchen.
Die Husarenaffen sind tagsüber rege und verbringen
einen Grossteil ihrer Aktivitätszeit mit der Suche nach
Essbarem. Die Kost setzt sich - angebotsbedingt - vor allem aus
diversen pflanzlichen Stoffen zusammen, umfasst aber auch tierliche
Bissen, darunter Heuschrecken, kleine Echsen und Vogeleier.
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