Kragentrappe

Chlamydotis undulata


© 2002 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Trappen sind verhältnismässig gross gewachsene, bodenlebende Vögel, welche verwandtschaftlich den Rallen und Kranichen nahe stehen. Aus 25 Arten besteht die Familie der Trappen (Otitidea) insgesamt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die ganze Alte Welt und umfasst zusätzlich Australien, wobei aber der Verbreitungsschwerpunkt eindeutig in Afrika liegt: 20 der 25 Arten kommen auf dem Schwarzen Kontinent vor, 17 Arten sind sogar ausschliesslich dort anzutreffen. Zu den drei Arten, welche sowohl in Afrika als auch ausserhalb Afrikas vorkommen, zählt die Kragentrappe (Chlamydotis undulata), von der hier die Rede sein soll.

 

Flügelspannweite bis 1,7 Meter

Die Kragentrappe ist zwar ein mässig grosses Mitglied der Trappenfamilie, jedoch allemal ein stattlicher Vogel: Die Männchen weisen eine Gesamtlänge von gewöhnlich 60 bis 65 Zentimetern, eine Flügelspannweite von bis zu 1,7 Metern und ein Gewicht zwischen 1,8 und 3,2 Kilogramm auf. Bei den Weibchen bemisst sich die Gesamtlänge auf rund 55 Zentimeter, und das Gewicht liegt zwischen 1,2 und 1,7 Kilogramm.

Das Verbreitungsgebiet der Kragentrappe ist überaus gross und umfasst sowohl Nordafrika als auch West- und Zentralasien. In Afrika finden sich die westlichsten Brutbestände in der Westsahara und in Mauretanien sowie auf den Kanarischen Inseln Lanzarote und Fuerteventura. Ostwärts kommt die Art entlang dem gesamten nördlichen Rand der Sahara vor, das heisst im südlichen und östlichen Marokko, im südlichen und zentralen Algerien, im südöstlichen Tunesien, im nördlichen und östlichen Libyen und in verschiedenen Regionen Ägyptens. Im Nahen Osten ist die Kragentrappe in Palästina, Israel, Syrien, Jordanien und auf der Arabischen Halbinsel heimisch. Im Mittleren Osten kann man ihr im Irak, im Iran und im westlichen Pakistan begegnen.

In Zentralasien schliesslich brütet sie einem grossen Areal, das sich vom nordwestlichen Kasachstan und dem nordöstlichen Iran bis zur Mongolei und nach Nordchina erstreckt. Während die in Afrika und im Nahen sowie Mittleren Osten lebenden Kragentrappen Standvögel sind, also das ganze Jahr über ihren Wohngebieten treu bleiben, verhalten sich die meisten der in Zentralasien brütenden Kragentrappen als Zugvögel: Sie weichen jeweils im Herbst dem hereinbrechenden Winter aus und suchen vorübergehend angestammte Winterquartiere im Iran, in Pakistan und auf der Arabischen Halbinsel auf.

Wie sich aufgrund der Artverbreitung feststellen lässt, handelt es sich bei der Kragentrappe um eine Bewohnerin trockener bis dürrer Landstriche. Typischerweise bewohnt sie ebene Halbwüsten- und Trockensteppengebiete unterhalb der 1800-Meter-Höhenlinie, welche von vereinzelten zählebigen Büschen durchsetzt und nicht allzu felsenreich sind. Das oberseits hellbraune, gescheckte Gefieder der Kragentrappe erweist sich in diesem Lebensraum als ausgezeichnetes Tarnkleid.

 

Flughemmung als Energiesparmassnahme

Wie die meisten Trappen ist die Kragentrappe eine Gemischtköstlerin, welche ein breites Spektrum sowohl pflanzlicher als auch tierlicher Bissen zu sich nimmt. An pflanzlichen Stoffen verspeist sie vielerlei Knollen und Zwiebeln, Beeren und Früchte, Blüten und Samen sowie Blätter und Triebe. An tierlichen Bissen sind vor allem grössere Wirbellose wie Heuschrecken, Käfer, Raupen und Schnecken zu nennen. Gelegentlich nimmt die Kragentrappe aber auch Ameisen und Termiten zu sich, und in manchen Gebieten machen kleine Echsen und Schlangen einen nicht geringen Teil der Kost aus.

Die Nahrungsaufnahme der Kragentrappe gestaltet sich als ruhiges «Esswandern»: Gemächlich und umsichtig schreitet der Vogel einher, wobei der Körper leicht nach vorne geneigt, der Hals s-förmig eingezogen und der Schnabel nach unten gerichtet ist. Kleintiere packt die Kragentrappe ebenso wie Pflanzenteile mit schnellen, gut gezielten Stössen des kräftig gebauten Schnabels und verschluckt sie sofort unzerkleinert.

Bemerkt die Kragentrappe während des Esswanderns einen potenziellen Feind in grösserer Entfernung, so versucht sie entweder, unbemerkt hinter einem Busch zu verschwinden, oder sie drückt sich in einer Bodenmulde flach auf den Boden und vertraut auf ihren «Tarnanzug». Bei konkreter Gefahr verlässt sie sich anfänglich auf ihre schnellen Beine und flüchtet mit Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern je Stunde vor dem Feind. Erst in höchster Not greift sie schliesslich auf ihre Flügel zurück. In der Luft erweist sie sich jedoch keineswegs als schwerfällig, wie man vielleicht anzunehmen geneigt ist, sondern fliegt mit kräftigen Flügelschlägen geschwind dahin. Tatsächlich erreicht sie mühelos 65 Kilometer je Stunde, und zwar auch über weite Strecken, wie man vom Zugverhalten der zentralasiatischen Kragentrappen her weiss. Die «Flughemmung» der Kragentrappe bei der Feindvermeidung ist also keineswegs auf mangelhaftes Flugvermögen zurückzuführen, sondern stellt eine in ihrem kargen Lebensraum wichtige Energiesparmassnahme dar.

 

Die Hähne tanzen in Balzarenen

Das Fortpflanzungsgeschehen der Kragentrappe ist saisonal geprägt: In den meisten Bereichen des Artverbreitungsgebiets schreiten die Vögel Ende Winter, Anfang Frühling zur Brut. In Palästina beisielsweise, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, finden die Bruten gewöhnlich zwischen März und Mai statt.

Wie bei den meisten anderen Trappenarten beruht das Fortpflanzungsgeschehen bei der Kragentrappe auf dem so genannten «Lek-System». Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Territorialität, die sich folgendermassen umschreiben lässt: Vorgängig der Paarungszeit errichten die Männchen an bestimmten Orten innerhalb ihres Lebensraums - den «Leks» oder «Balzarenen» - auf engem Raum ein Mosaik kleiner Territorien, die ausschliesslich dazu dienen, sich zur Schau zu stellen, fortpflanzungswillige Weibchen für sich zu gewinnen und sich mit diesen zu paaren. Nahrung und Wasser steht den balzenden Männchen innerhalb der Leks nicht ausreichend zur Verfügung, weshalb sie ihre Territorien täglich für ein paar Stunden verlassen müssen.

Die Weibchen werden durch die optischen Signale, die von den Männchen ausgehen, zu den Balzarenen gelockt. Sie beobachten aus gebührender Distanz das Geschehen und wählen schliesslich eines der balzenden Männchen als «Samenspender» für ihre diesjährige Nachkommenschaft aus. Von «Vater» zu sprechen, wäre vermessen, denn die Aufgabe der Männchen hinsichtlich der Nachzucht beschränkt sich ausschliesslich auf die Begattung des bzw. der Weibchen.

Interessanterweise lässt sich das Lek-System im Tierreich bei ganz verschiedenen Tiergruppen beobachten. Als Beispiele seien die afrikanische Moorantilope (Kobus kob), der neuseeländische Eulenpapagei (Strigops habroptilus), unser eurasiatisches Birkhuhn (Tetrao tetrix) oder der in allen Ozeanen heimische Buckelwal (Megaptera novaeangliae) genannt. Die Grösse der Balzterritorien und damit die Dichte der Männchen innerhalb der Arenen ist allerdings je nach Tierart sehr unterschiedlich. Bei der Moorantilope beispielsweise kann eine Arena mit zwölf bis fünfzehn kreisrunden Einzelterritorien einen Durchmesser von bloss ungefähr 200 Metern aufweisen. Die Entfernung zwischen den Männchen beträgt also nur etwa dreissig bis fünfzig Meter. Bei der Kragentrappe sind die Arenen erheblich lockerer besetzt: Die Distanzen zwischen den balzenden Männchen bemessen sich minimal auf rund 500 Meter und gewöhnlich auf etwa einen Kilometer.

Bei seiner bemerkenswerten Schau sträubt der Hahn zunächst seine weissen Scheitelfedern, dann legt er seinen Kopf nach hinten auf den Rücken und beginnt, mit kurzen, tänzelnden Schritten umherzustolzieren. Nun sträubt er auch die schwarzen und schwarzweissen Schmuckfedern der Halsrückseite kragenförmig nach hinten aussen und die weissen Schmuckfedern der Halsvorderseite nach vorn oben. Nach ungefähr einer Minute ist sein Kopf kaum mehr zu sehen, und seine Gestalt hat sich vollständig verwandelt.

Offensichtlich vermag der balzende Kragentrappenhahn in diesem Stadium nicht mehr zu sehen, wohin er tritt, denn es konnten schon wiederholt «Zusammenstösse» mit Ästen und anderen Hindernissen beobachtet werden. Erfolgt kein solches Missgeschick, so bewegt sich der Hahn während mehrerer Minuten abwechselnd auf gerader, kreisförmiger und zickzackartiger Route umher. Schliesslich hält er kurz inne, hebt seinen Kopf und beobachtet die Umgebung - vermutlich um festzustellen, ob sich ein Weibchen eingefunden hat, ob vielleicht ein Rivale eingedrungen ist, oder ob sich ein Fressfeind nähert. Ist nichts hiervon der Fall, so widmet er sich gleich wieder seiner skurrilen Balzdarbietung.

Während sich die männlichen Kragentrappen so zur Schau stellen, wandern die paarungswilligen Weibchen unauffällig im Bereich der Arena umher und mustern die tanzenden «Federbüschel» ausgiebig. Nach welchen Gesichtspunkten sie die «Fitness» der Männchen - und damit ihre Eignung als Väter des zu zeugenden Nachwuchses - einschätzen, wissen wir nicht genau. Auf jeden Fall aber trifft jedes Weibchen schliesslich seine Wahl und zeigt dies dem «Auserwählten», indem es sich zu ihm gesellt. Es erfolgt alsbald die Paarung. Danach verlässt das Weibchen die Arena, um sich nach einem geeigneten Nistplatz umzusehen, während das Männchen in seinem Balzterritorium bleibt und um weitere Partnerinnen wirbt.

 

Allein erziehende Mütter

Das Weibchen legt sein Nest nach sorgfältiger Wahl des Ortes durch einfaches Ausscharren einer tellergrossen Mulde im Boden an. Gewöhnlich befindet sich ein Gebüsch als Sichtschutz in der Nähe, manchmal liegt das Nest aber auch völlig im Freien. Das Gelege besteht zumeist aus zwei oder drei beigefarbenen, rotbraun gesprenkelten Eiern.

Die Brutdauer beträgt durchschnittlich 24 Tage. Beim Schlüpfen tragen die jungen Kragentrappen ein weiss-beige-schwarz gemustertes Daunenkleid. Nach längstens einem Tag sind sie bereits so gut zu Fuss, dass sie mit ihrer Mutter Schritt zu halten vermögen. Die Kleinfamilie wandert in der Folge halbnomadisch umher. Anfangs füttert die Mutter ihre Jungen aktiv, indem sie ihnen geeignete Bissen zuträgt und vor ihnen auf den Boden fallen lässt. Bald zeigt sie ihnen aber bloss noch durch sanftes Anpicken, was als Nahrung zuträglich ist. Die Jungvögel sind sehr gelehrig und vermögen sich schon nach wenigen Tagen selbst zu ernähren.

Im Alter von etwa fünf Wochen verfügen die jungen Kragentrappen über ihr erstes Jugendgefieder und sind zu diesem Zeitpunkt prinzipiell flugfähig. Gebrauch von ihren Flügeln machen sie aber im Allgemeinen erst etliche Wochen später. Wann sich die Jungen in der freien Wildbahn von ihrer Mutter lösen und eigene Wege gehen, ist nicht genau bekannt. In Menschenobhut pflanzen sich die jungen Kragentrappen erstmals im Alter von zwei Jahren selbst fort.

 

Jagdwild der Falkner

Noch ist die Kragentrappe eine weit verbreitete Vogelart. Bestandserhebungen in der freien Wildbahn sind allerdings höchst schwierig durchzuführen. Denn die Tiere haben weit bessere Augen als der Mensch, erkennen jegliche Gefahr schon auf grosse Distanz - und lösen sich jeweils «spurlos» in ihrer Umgebung auf, lange bevor der Ornithologe überhaupt auf sie aufmerksam geworden ist.

Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass die Bestände der Kragentrappen in vielen Ländern rückläufig sind. Dies gilt besonders für den Nahen und Mittleren Osten einschliesslich der Arabischen Halbinsel, denn dort bildet die Art seit Jahrhunderten ein beliebtes Jagdwild der Adligen und Reichen, welche der Falknerei, also der Jagd mit abgerichteten Falken, frönen. In historischer Zeit fand diese Form der Jagd zu Pferd statt - und zwar vor allem im Winterhalbjahr, wenn die aus den zentralasiatischen Brutgebieten stammenden Wintergäste zahlreich eingetroffen waren. Der Einfluss dieser traditionellen Jagdform dürfte nur geringen Einfluss auf die Gesamtpopulation der Vögel gehabt haben, denn zum einen gab es vor dem Zeitalter der Erdölförderung nur wenige Privilegierte, die sich diesen «Sport» leisten konnten, zum anderen waren viele entlegene Gebiete mit Reitpferden kaum erreichbar.

Beides hat sich inzwischen entscheidend geändert: Heutzutage werden ganze Konvois mit geländegängigen Fahrzeugen organisiert, welche Dutzende vermögender Personen auch in die abgeschiedensten Gebiete transportieren, und es werden nicht allein Beizfalken eingesetzt, sondern auch zielgenaue Jagdgewehre. So dürften seit den 1970er Jahren in der genannten Region alljährlich Tausende der grossen Vögel erlegt worden sein, und dies hat deren Bestände zweifellos erheblich geschwächt.

In den 1970er Jahren wurde in Pakistan überdies damit begonnen, überwinternde Kragentrappen in grosser Zahl lebend in Fallen zu fangen, um sie in die Vereinigten Arabischen Emirate zu exportieren, wo sie zum Trainieren der Beizfalken eingesetzt wurden. Dies war der Auslöser dafür, dass die Kragentrappe 1979 von Anhang II in Anhang I der «Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten» (CITES) aufgenommen wurde, wodurch dem verhängnisvollen kommerziellen Handel ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden konnte.

Erfreulicherweise besagen neuere Bestandsschätzungen, dass die Kragentrappe im zentralasiatischen Raum (Unterart Chlamydotis undulata macqueenii) noch immer grössere Bestände aufweist. Allein in Kasachstan sollen 40 000 bis 60 000 Individuen leben. Wie lange aber die Bestände ausserhalb Afrikas den weiterhin hohen Jagddruck in den arabischen Ländern zu verkraften vermögen, ist ungewiss. Dies umso mehr, als vielerorts die Intensivierung und Ausweitung der Kultur- und Weideflächen ihren Lebensraum zusehends schmälern. Es gilt auf jeden Fall, ein wachsames Auge auf die Bestandsentwicklung dieses eindrucksvollen Vogels zu werfen.

 

 

 

Legenden

Die Kragentrappe (Chlamydotis undulata) ist zwar ein mässig grosses Mitglied der Trappenfamilie (Otitidae), jedoch allemal ein stattlicher Vogel: Die Männchen (links), welche etwas grösser sind als die Weibchen (unten), weisen eine Gesamtlänge von gewöhnlich 60 bis 65 Zentimetern, eine Flügelspannweite von bis zu 1,7 Metern und ein Gewicht zwischen 1,8 und 3,2 Kilogramm auf. Die beiden Geschlechter tragen ein ähnlich gefärbtes Gefieder, doch fehlen den Weibchen die zu einem «Kragen» spreizbaren schwarz-weissen Halsfedern, denen die Art ihren Namen verdankt.

Das Verbreitungsgebiet der Kragentrappe erstreckt sich von Mauretanien und den Kanarischen Inseln im Westen bis zur Mongolei und nach Nordchina im Osten. Innerhalb dieses riesigen Areals bewohnt der bodenlebende Vogel zur Hauptsache Halbwüsten- und Trockensteppengebiete, wo er sich von einem breiten Spektrum pflanzlicher wie tierlicher Stoffe ernährt. Das Bild stammt von der Kanarischen Insel Fuerteventura, zeigt also die Unterart Chlamydotis undulata fuertaventurae.

Während der Balzzeit zeigt der Kragentrappenhahn eine bemerkenswerte «Schau»: Er sträubt zunächst seine weissen Scheitelfedern, dann die schwarzen und schwarzweissen Schmuckfedern der Halsrückseite und schliesslich auch die weissen Schmuckfedern der Halsvorderseite. Tänzelnd schreitet er in dieser «Aufmachung» in seinem Balzterritorium umher - im Bestreben, paarungswillige Weibchen für sich gewinnen und sein Erbgut weitergeben zu können.

Die jungen Kragentrappen sind Nestflüchter: Spätestens 24 Stunden nach dem Schlüpfen können sie bereits sicher auf ihren Beinchen stehen und gehen. Wenn alle der gewöhnlich zwei oder drei Jungvögel soweit sind, führt die - allein erziehende - Mutter sie unverzüglich vom Nest weg und wandert in der Folge halbnomadisch mit ihnen umher. Die Auflösung der Kleinfamilie erfolgt vermutlich im Spätherbst.




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