Mähnenrobbe

Otaria flavescens


© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Die Mähnenrobbe (Otaria flavescens; vormals Otaria byronia) gehört innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur sechs Arten umfassenden Gruppe der Seelöwen. Sie wird oft als die löwenähnlichste Seelöwenart bezeichnet, weil die Männchen wie bei den Löwen eine ausgeprägte Mähne haben - daher ja auch der deutsche Artname. Die Männchen sind ferner erheblich grösser als die Weibchen: Sie können eine Kopfrumpflänge von bis zu 260 Zentimetern und ein Gewicht von bis über 300 Kilogramm erreichen, die Weibchen hingegen eine Länge von «nur» etwa 200 Zentimetern und ein Gewicht um 140 Kilogramm.

Das Vorkommen der Mähnenrobbe erstreckt sich entlang der Küsten Südamerikas und umfasst auch zahlreiche Inseln in der Region, darunter die Falklandinseln. Im Westen kommt die Art vom nördlichen Peru südwärts bis zur Südspitze des Halbkontinents vor, im Osten von da nordwärts bis zum südlichen Brasilien. Zwar unternehmen die Mähnenrobben keine gezielten saisonalen Wanderungen. Sie können aber ausserhalb der Fortpflanzungszeit weit umherstreifen. Allerdings halten sie sich fast immer in küstennahen, weniger als 200 Meter tiefen Gewässern, also über dem zur Festlandmasse gehörenden Kontinentalsockel («Schelf») auf.

Wie alle Seelöwen «fliegen» die Mähnenrobben gewöhnlich mit weit ausgreifenden, simultanen Schlägen der Vordergliedmassen durch das Wasser und setzen die Hintergliedmassen nur beim engräumigen Manövrieren als Steuerruder ein. An Land sind sie wie alle Seelöwen recht gut zu Fuss, denn im Gegensatz zu den Hundsrobben können sie ihren Körper vom Boden abheben und sich auf allen vier Gliedmassen fortbewegen, müssen also nicht wie jene auf dem Bauch «robben».

Bei der Zusammenstellung ihrer Kost sind die Mähnenrobben nicht wählerisch, sondern richten sich einfach nach dem lokalen und saisonalen Angebot. Das Beutetierspektrum reicht von Krabben und anderen wirbellosen Tieren über Fische aller Art bis hin zu Pinguinen und den Jungtieren anderer Robbenarten. Aufgrund von Studien, bei welchen weibliche Mähnenrobben mit Satellitensendern ausgestattet wurden, wissen wir, dass sie bis in Tiefen von 175 Metern abtauchen und bis 7,5 Minuten unter Wasser bleiben können, dass aber die Tauchtiefe meistens weniger als 60 Meter und die Tauchdauer gewöhnlich um 3 Minuten beträgt.

An den meisten Küstenabschnitten Südamerikas beginnt die Fortpflanzungssaison der Mähnenrobben im Laufe des Dezembers. Die Männchen treffen jeweils ein bis zwei Wochen vor den Weibchen an den Geburts- und Paarungsstränden ein. Um Mitte Januar sind ihre Bestände an Land am höchsten, diejenigen der Weibchen gegen Ende Januar.

Zwei bis drei Tage nach ihrer Ankunft an der Fortpflanzungsstätte bringen die Weibchen ein einzelnes Junges zur Welt, das im Jahr zuvor gezeugt wurde. Die Tragzeit dauert also nahezu ein Jahr. Nur sechs Tage später sind die Weibchen schon wieder paarungsbereit, und darauf haben die Männchen gewartet. Sie haben nämlich vor der Ankunft der Weibchen den Strand in Territorien unterteilt und in der Folge ihr Revier mitsamt den eingetroffenen Weibchen unerbittlich gegen ihre zahlreichen Rivalen verteidigt. Nun haben sie das Vorrecht zur Paarung mit den anwesenden Weibchen.

Die jungen Mähnenrobben tragen anfänglich ein schwarzes Babyfell. Dieses wechseln sie im Alter von zirka zwei Monaten gegen ein dunkelbraunes Jugendkleid. Schon früh beginnen sie, Jagd auf kleine Meerestiere zu machen, doch werden sie noch bis im Alter von etwa neun Monaten von ihrer Mutter mit Milch versorgt. Die jungen Weibchen werden im Alter von etwa vier Jahren geschlechtsreif, die Männchen mit fünf bis sechs Jahren. Die Lebenserwartung liegt bei ungefähr 20 Jahren.

Die Grösse des Mähnenrobben-Weltbestands wird gegenwärtig auf über 250 000 Individuen geschätzt. Die Art wird darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Mancherorts schwinden die Bestände allerdings, weshalb eine baldige Einstufung in die Kategorie «Potenziell Gefährdet» sehr wahrscheinlich ist.

Zwar stehen die Mähnenrobben heute in den meisten ihrer Heimatländer unter gesetzlichem Schutz. Weiterhin werden aber zahlreiche Individuen von Fischern abgeschossen, weil sie die Robben als Nahrungswettstreiter betrachten. Auch verenden viele Mähnenrobben als Beifang in Fischernetzen. Die allgemeine Übernutzung der Fisch- und Tintenfischbestände in den Küstengewässern Südamerikas - und damit der Nahrungsgrundlage der Mähnenrobben - beeinträchtigt die Bestände ebenfalls. Nachweislich setzt auch die Verschmutzung der Meere mit Chemikalien und Schwermetallen der Gesundheit der Mähnenrobben zu. Es gilt darum, ein waches Auge auf die Bestandsentwicklung dieser eindrucksvollen Wasserraubtiere zu richten.




ZurHauptseite