Philippinen-Krokodil

Crocodylus mindorensis


© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Das Philippinen-Krokodil (Crocodylus mindorensis) gehört zu den kleineren der weltweit 23 Mitglieder der Krokodilordnung (Crocodilia): Das grösste Individuum, das sich als Präparat in einem Museum befindet, weist eine Länge von 3,02 Metern auf. Das grösste Individuum, das in jüngerer Zeit im Freiland gefangen und vermessen werden konnte, war ein Männchen mit einer Länge von 2,7 Metern. Fortpflanzungsfähig werden beide Geschlechter, wenn sie eine Länge von etwa 1,5 Metern und ein Gewicht von ungefähr 15 Kilogramm aufweisen.

Das Philippinen-Krokodil kommt einzig auf den Philippinen vor. Soweit wir wissen, war es einst über den ganzen Archipel weit verbreitet gewesen. Heute jedoch kommt es aufgrund der Verdrängung und der Bejagung durch den Menschen nur noch an wenigen Stellen auf den beiden grossen Inseln Luzon im Norden und Mindanao im Süden der Philippinen in einigermassen überlebensfähigen Beständen vor. Selbst auf dem namengebenden Mindoro ist Crocodylus mindorensis ausgestorben. Der Bestand im Freiland wird derzeit auf unter 250 erwachsene, fortpflanzungsfähige Individuen geschätzt.

Vom an Meeresküsten lebenden und häufig über das Meer von Insel zu Insel schwimmenden Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) abgesehen leben alle heutigen Krokodile in tropischen und subtropischen Süssgewässern. Das Philippinen-Krokodil bildet diesbezüglich keine Ausnahme: Es bewohnt Süssgewässer - Seen, Sümpfe, Flüsse, Bäche - von Meereshöhe bis in Lagen von etwa 850 Metern ü.M. und macht nachtsüber Jagd auf Tiere aller Art, sie sich im Wasser aufhalten oder zum Trinken an den Gewässerrand kommen. Junge Individuen überfallen und verzehren eher kleine Beutetiere, darunter Libellen, Krebschen und Jungfische, während die erwachsenen Individuen grössere Fische, Wasservögel und diverse nachts aktive Säugetiere erlegen, darunter Schleichkatzen und Wildschweine. Dem Menschen scheint das Philippinen-Krokodil kaum je gefährlich zu werden. Jedenfalls wird es in seiner Heimat als scheu und harmlos betrachtet.

Die Fortpflanzungszeit der Philippinen-Krokodile beginnt Anfang Jahr. Ab Januar finden die Paarungen statt. Während dieser Zeit können die erwachsenen Krokodile oft paarweise gesichtet werden.

Die Ablage der Eier erfolgt mehrheitlich im April und Mai. Das Gelege besteht gewöhnlich aus 15 bis 30 weissen, hartschaligen Eiern. Das Weibchen bleibt während der ungefähr zehnwöchigen Entwicklungszeit der Embryos in der Nähe des Nests und lässt seinem Nachwuchs so einen gewissen Schutz vor Nestplünderern zukommen.

Die Jungen schlüpfen schliesslich mitten in der von Mai bis November dauernden Regenzeit, wenn die Gewässer reichlich Wasser haben und die Kleintierbestände umfangreich sind. Ob das Weibchen seinen Jungen beim Schlüpfen und beim ersten Gang zum Gewässer hilft, wie dies bei anderen Krokodilen beobachtet werden kann, wissen wir nicht sicher. Es gibt aber Hinweise darauf.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) steht das Philippinen-Krokodil heute in der Kategorie «Vom Aussterben bedroht». Die Hauptfaktoren, welche zu seinem Niedergang geführt haben, sind erstens die grossflächige Lebensraumzerstörung wegen des starken Anwachsens der menschlichen Bevölkerung im Inselstaat und zweitens die direkten Nachstellungen seitens des Menschen (Abschuss zwecks Gewinnung der Haut, Nestplünderungen zwecks Gewinnung der Eier, Fang von Jungtieren für den Zoo- und Heimtiermarkt).

Erfreulicherweise wurden im Jahr 2000 konkrete Massnahmen zum Schutz des Philippinen-Krokodils eingeleitet. Es wurde zunächst ein «National Philippine Crocodile Recovery Team» (nationales Rettungsteam) zusammengestellt und eine «National Philippine Crocodile Recovery Strategy» (nationale Rettungsstrategie) erarbeitet. 2001 wurde das Philippinen-Krokodil dann von der philippinischen Regierung unter strikten gesetzlichen Schutz gestellt. Gleichzeitig begannen die University of Southern Mindanao und die Silliman University auf Negros, in Menschenobhut wie im Freiland Studien über das Philippinen-Krokodil durchzuführen, um unser Wissen über die Biologie und die Ökologie der Art - und damit ihre Bedürfnisse - zu vergrössern.

Im Rahmen der nationalen Rettungsstrategie wurde nicht zuletzt die Mabuwaya-Stiftung gegründet. Sie setzt sich tatkräftig für die Erhaltung des Philippinen-Krokodils und seiner letzten natürlichen Lebensräume ein. Unter anderem führt sie auf der nordphilippinischen Insel Luzon ein Erhaltungszucht- und Ausbürgerungsprogramm durch, unternimmt Erhebungen über den Krokodilbestand im ganzen Archipel und versucht, das Umweltbewusstsein der Landbevölkerung zu fördern. Alles in allem sind die Überlebenschancen des faszinierenden Reptils heute weit besser als noch zu Beginn des Jahrhunderts.




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