Zitronen-Zwergkaiserfisch - Centropyge flavissima

Flammen-Zwergkaiserfisch - Centropyge loricula

Gestreifter Falterfisch - Chaetodon lineolatus

Pitcairn-Falterfisch - Chaetodon smithi


© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Die Pitcairninseln - bestehend aus den vier Eilanden Pitcairn, Henderson, Oeno und Ducie - liegen im Südostpazifik und gehören gewiss zu den abgeschiedensten Landstücken unseres Planeten. Rund 2200 Kilometer ist die Inselgruppe von Tahiti und rund 1900 Kilometer von der Osterinsel entfernt, rund 5300 Kilometer trennen sie von Neuseeland und rund 6600 Kilometer von Panama. Die nächstgelegene bewohnte Insel ist das 500 Kilometer entfernte, zu Französisch-Polynesien gehörende Mangareva.

Nur eine der vier Pitcairninseln ist ständig bewohnt, nämlich Pitcairn selbst. Die Bevölkerung besteht aus knapp fünfzig Personen, welche fast ausnahmslos Nachfahren der berühmten neun «Bounty»-Meuterer und ihrer tahitischen Frauen sind. Sie hatten sich 1790 nach längerer Irrfahrt hierher zurückgezogen - und waren in diesem entlegenen «Schlupfwinkel» tatsächlich der britischen Admiralität und damit dem Strang entkommen. Seit 1838 sind die Pitcairninseln eine Überseebesitzung Grossbritanniens. Politisch verwaltet werden sie vom britischen Generalgouverneur in Neuseeland.

Wie die meisten ozeanischen Inseln sind die Pitcairninseln vulkanischen Ursprungs. Sie bilden die Gipfel eines untermeerischen, etwa 3500 Meter hohen Gebirges, welches sich vom Meeresboden bis zur Meeresoberfläche erhebt. Geografisch gehören sie zu Polynesien: Sie bilden den südöstlichsten Ausläufer des Tuamotu-Archipels, dessen übriger Teil zu Französisch-Polynesien gehört. Diese Zugehörigkeit spiegelt sich in der Tier- und Pflanzenwelt wider: Wie die ganze mikronesische, melanesische und polynesische Inselwelt umfasst sie weit mehr asiatische Elemente als südamerikanische - obschon Südamerika erheblich näher liegt als Asien. Dies hat damit zu tun, dass den Vorfahren der heutigen tierlichen und pflanzlichen Inselsiedler das «Inselhüpfen» von Asien aus nach Osten beträchtlich leichter fiel als die weite Nonstop-Ozeanfahrt von Südamerika aus nach Westen.

Die Pitcairninseln bilden also biogeografisch gesehen das östliche Ende des westpazifischen Raums. Dies gilt für die Tierwelt an Land ebenso wie für jene im Meer. Beispielsweise haben drei Korallenfischarten, nämlich der Zitronen-Zwergkaiserfisch (Centropyge flavissima), der Flammen-Zwergkaiserfisch (Centropyge loricula) und der Gestreifte Falterfisch (Chaetodon lineolatus), bei den Pitcairninseln ihre östliche Verbreitungsgrenze. Bei einer vierten Korallenfischart, die hier vorgestellt werden soll, dem Pitcairn-Falterfisch (Chaetodon smithi), liegt der Fall anders: Er hat ein sehr beschränktes Verbreitungsgebiet im südöstlichen Pazifik, welches nur die Pitcairninseln und die beiden südlichsten Inseln Französisch-Polynesiens umfasst.


Der Zitronen-Zwergkaiserfisch

Der Zitronen-Zwergkaiserfisch gehört innerhalb der Ordnung der Barschartigen (Perciformes) zur Familie der Kaiserfische (Pomacanthidae). Diese setzt sich aus rund 80 Arten in 9 Gattungen zusammen. Eine davon, die Gattung der Zwergkaiserfische (Centropyge), umfasst etwa 35 Arten, welche alle - wie ihr Name andeutet - verhältnismässig kleine Familienmitglieder sind. Zu diesen «Zwergen» gehört mit einer Länge von bis zu 14 Zentimetern auch der Zitronen-Zwergkaiserfisch.

Der Zitronen-Zwergkaiserfisch kommt in weiten Bereichen des Indopazifiks vor - von den Kokosinseln im Indischen Ozean nordwärts bis zu den japanischen Ryukyu-Inseln, südwärts bis Neukaledonien und ostwärts bis zu den Pitcairninseln. Einzelne Exemplare wurden zwar auch schon bei der chilenischen Osterinsel gesichtet, doch scheinen sie dort aus unbekannten Gründen keinen permanenten Bestand aufbauen zu können.

Der Zitronen-Zwergkaiserfisch bewohnt im Allgemeinen Korallenriffe in Tiefen von 3 bis 50 Metern und hält sich dort meistens in geschützten Bereichen auf, etwa unter überhängenden Felsen oder in Nischen zwischen Steinkorallen. Er ernährt sich hauptsächlich vegetarisch, nämlich von Algen, verzehrt aber hin und wieder auch kleine wirbellose Riffbewohner.

Wie bei anderen Kaiserfischen ist die Gesellschaftsstruktur beim Zitronen-Zwergkaiserfisch recht ungewöhnlich. Der zitronengelbe Fisch lebt in kleinen Gruppen von gewöhnlich weniger als zehn Individuen in einem klar begrenzten Riffabschnitt. Bei den Gruppenmitgliedern handelt es sich stets um ein einzelnes fortpflanzungsfähiges Männchen, ein bis vier fortpflanzungsfähige Weibchen und bis zu etwa fünf jugendliche Weibchen.

Dies allein ist zwar nicht ungewöhnlich: Bei vielen Tierarten finden sich derartige «Haremsgruppen». Allerdings befinden sich normalerweise auch ein paar jugendliche Männchen in der Gruppe, und es gibt normalerweise «überschüssige» ausgewachsene Männchen ohne Harem, welche einzelgängerisch leben oder sich zu Junggesellentrupps zusammenschliessen. Beim Zitronen-Zwergkaiserfisch existieren jedoch überraschenderweise keine überschüssigen Männchen, weder in den Gruppen noch sonstwo.

Des Rätsels Lösung heisst «Folgezwittertum». Die Zitronen-Zwergkaiserfische wachsen nicht nach dem im Tierreich allgemein üblichen Schema heran: Sie werden nach Abschluss ihrer Jugendzeit nicht einfach zu geschlechtsreifen Männchen oder geschlechtsreifen Weibchen, sondern zu «Folgezwittern», und zwar zu sogenannt «protogynen» («erstweiblichen»), bei denen sich zunächst nur die weiblichen Geschlechtsorgane entwickeln. Alle Zitronen-Zwergkaiserfische beginnen also ihr Leben als Weibchen. Sie schliessen sich als jugendliche Weibchen einer Haremsgruppe an. Dort wachsen sie heran, werden geschlechtsreif und pflanzen sich jahrelang als Weibchen fort.

Nur diejenigen, welche lange genug den vielen Beutegreifern und anderen Gefahren im Korallenriff trotzen, welche also in die Nähe ihrer natürlichen Lebenserwartung von etwa zehn Jahren gelangen, erhalten schliesslich die Gelegenheit, sich zum Männchen umzuwandeln. Unter den Weibchen in der Gruppe herrscht nämlich eine Rangordnung, welche auf der relativen, hauptsächlich vom Alter abhängigen Körpergrösse basiert - und wenn das Männchen in der Gruppe stirbt, so wechselt jeweils einzig das grösste, an der Spitze der Hierarchie stehende Weibchen sein Geschlecht um: Es bildet männliche Geschlechtsorgane aus und übernimmt die Rolle des Verstorbenen. Die Geschlechtsumwandlung erfolgt recht schnell: Innerhalb von einer Woche verhält sich das betreffende Individuum wie ein Männchen, und innerhalb von drei Wochen ist es bereits als solches fortpflanzungsfähig.

Eine Geschlechtsumwandlung kann ferner erfolgen, wenn die Haremsgruppe zu stark anwächst und die Zahl von zehn Weibchen überschritten wird. Aber auch dann wandelt sich einzig das ranghöchste Weibchen zu einem Männchen um und gründet eine neue Haremsgruppe. In der Zitronen-Zwergkaiserfischgesellschaft hat es darum immer nur genau so viele Männchen, wie benötigt werden und keine überzähligen. Und es erhalten stets nur die robustesten, überlebensfähigsten Individuen die Gelegenheit, als Männchen Nachwuchs zu zeugen. Ein bestechendes Konzept!


Der Flammen-Zwergkaiserfisch

Der Flammen-Zwergkaiserfisch weist eine Länge von bis zu 15 Zentimetern auf. Er kommt ausschliesslich im Pazifik vor, von Palau im Westen bis zu den Pitcairninseln im Osten und nach Hawaii im Norden. Gewöhnlich hält er sich in Tiefen von 15 bis 60 Metern auf und führt eine recht heimliche Lebensweise, denn schon beim geringsten Anzeichen einer Gefahr zieht er sich sofort in einen Unterschlupf zurück und wagt sich erst wieder hervor, wenn er die Lage als ganz sicher einschätzt.

Der Flammen-Zwergkaiserfisch scheint ein ausgeprägter Gemischtköstler zu sein, der sich nebst Algen auch zu einem guten Teil von kleinen Wirbellosen und diversen tierlichen Abfallstoffen ernährt. Seine Gesellschaft ist ähnlich aufgebaut wie die des Zitronen-Zwergkaiserfischs.


Der Gestreifte Falterfisch

Der Gestreifte Falterfisch gehört innerhalb der Ordnung der Barschartigen zur Familie der Falterfische (Chaetodontidae), welche etwa 120 Arten umfasst. Früher wurde die Familie oft «Borstenzähner» genannt, wegen den zahlreichen kleinen, borstenartigen Zähnen in ihrem Mund. Auch «Gaukler» war in Gebrauch, wegen ihren schmetterlingsartig leichten, gaukelnden Bewegungen. Aus demselben Grund, aber in Anlehnung an die englische Familienbezeichnung «Butterflyfishes», werden sie heute zumeist Falterfische genannt. (Der Name «Schmetterlingsfische» ist von alters her für die afrikanische Süsswasserfischfamilie Pantodontidae vergeben.)

Die Gattung Chaetodon ist mit über 80 Arten die umfangreichste der insgesamt 10 Falterfischgattungen. Mit einer Länge von bis zu 30 Zentimetern ist der Gestreifte Falterfisch das grösste Mitglied derselben und wird darum auch Riesen-Falterfisch genannt. Sein Verbreitungsgebiet ist sehr ausgedehnt und reicht von der Ostküste Afrikas und vom Roten Meer quer durch die tropischen und subtropischen Bereiche des Indopazifiks ostwärts bis zu den Pitcairninseln, nordwärts bis zum südlichen Japan und südwärts bis zur australischen Lord-Howe-Insel.

Der Gestreifte Falterfisch kommt im Bereich von Korallenriffen in Tiefen von 2 bis 170 Metern vor. Man trifft ihn normalerweise paarweise an, und er ist territorial veranlagt. Jedes Paar betrachtet also einen Riffabschnitt als sein Privatgrundstück und vertreibt sämtliche fremden Artgenossen daraus. Von anderen Falterfischen wissen wir, dass die Paarbindung jahrelang Bestand haben kann und oft so stark ist, dass ein Individuum, welches den Sichtkontakt zu seinem Partner verliert, im Wasser aufsteigt und nach ihm Ausschau hält. Ist der Kontakt wiederhergestellt, schwimmen die beiden Partner oft auf direktem Weg zueinander und vollführen ein Begrüssungsritual, bei welchem sie unter anderem tänzerisch umeinander herum schwimmen und sich voreinander verbeugen.

Der Gestreifte Falterfisch ist tagaktiv und ernährt sich überwiegend von tierlicher Nahrung, insbesondere von Korallenpolypen und den Tentakeln von Seeanemonen. Er scheint aber auch andere kleine wirbellose Riffbewohner zu verzehren, ferner Algen.


Der Pitcairn-Falterfisch

Der Pitcairn-Falterfisch, auch Smiths Falterfisch genannt, ist mit einer maximalen Länge von etwa 17 Zentimetern erheblich kleiner als der Gestreifte Falterfisch. Überraschenderweise wurde er trotz seiner markanten Färbung erst 1967 entdeckt und 1975 wissenschaftlich beschrieben. Sein Verbreitungsgebiet scheint ausgesprochen stark begrenzt zu sein: Nachgewiesen wurde er bisher erst bei den Pitcairninseln und etwa 1000 Kilometer weiter westlich bei den beiden Inseln Rapa Iti und Marotiri, welche ganz im Osten des (zu Französisch-Polynesien gehörenden) Archipels der Austral-Inseln liegen.

Im Unterschied zu seinem Vetter, dem Gestreiften Falterfisch, lebt der Pitcairn-Falterfisch nicht paarweise in Bodennähe in einem festen Territorium, sondern hält sich normalerweise in kleinen Schwärmen im freien Wasser in Tiefen von 10 bis 30 Metern über felsigen Riffen mit starkem Algenbewuchs auf. Über die Zusammensetzung der Schwärme und somit über die Struktur der Pitcairn-Falterfischgesellschaft ist nichts bekannt. Die Nahrung des Pitcairn-Falterfischs scheint sich ausschliesslich aus frei schwebenden (planktonischen) Kleinlebewesen zusammenzusetzen.


Versauerung der Meere

Die Korallenriffe in den Küstengewässern der Pitcairninseln leiden weit weniger unter menschlichen Schadeinflüssen als viele Riffe anderswo. Weder erfolgt eine Befrachtung mit Chemikalien durch industrielle oder landwirtschaftliche Abwässer noch mit Schwebstoffen, welche aufgrund von Bodenerosion ins Meer ausgewaschen werden. Auch werden die Küstenstriche auf der mangels eines Flugplatzes schwer erreichbaren Inselgruppe nicht für touristische oder andere Zwecke verbaut. Im Übrigen findet Fischfang nur in geringem Umfang und nur im Bereich der Hauptinsel statt. Die Küstengewässer der Pitcairninseln bilden deshalb wichtige Rückzugsgebiete für ungezählte Korallenriffbewohner, darunter die vier vorgestellten Fischarten.

Doch selbst in dieser abgeschiedenen Region des Pazifiks ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn auch hier sind die Korallenriffe schutzlos den globalen Auswirkungen der erhöhten Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre ausgesetzt. Die Erwärmung und Versauerung der oberflächlichen Meeresschichten aufgrund des übermässigen Ausstosses insbesondere von Kohlenstoffdioxid (CO2) dürfte den Korallen hier wie überall zunehmend zu schaffen machen.

Die von den Korallenpolypen produzierte Kalkform, Aragonit, ist besonders leicht durch Kohlensäure lösbar, weshalb bei ungebremster Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und entsprechend ansteigender Versauerung der Meere eine schleichende, weltweite Beeinträchtigung des Ökosystems Korallenriff zu befürchten ist. Dies ist ein Grund mehr, einerseits dem immensen CO2-Ausstoss durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und andererseits der grossflächigen Rodung von Urwäldern, welche CO2 aus der Atmosphäre abschöpfen, endlich Schranken zu setzen - so wie es im völkerrechtlich verbindlichen, von inzwischen 193 Staaten ratifizierten Kyoto-Protokoll von 1997 festgelegt worden ist.

Noch ist keineswegs klar, auf welche Weise und in welchem Ausmass die Korallenriff-Ökosysteme im Allgemeinen und die auf diesen Seiten vorgestellten Fischarten im Speziellen durch die Erwärmung der Erde und die Versauerung der Meere zukünftig beeinflusst werden. Positiv dürften die Einflüsse aber gewiss nicht sein.




Legenden

Der Zitronen-Zwergkaiserfisch (Centropyge flavissima) weist eine Länge von bis zu 14 Zentimetern auf. Er ist über weite Bereiche des Indopazifiks verbreitet, von den Kokosinseln im Indischen Ozean ostwärts bis zu den Pitcairninseln. Innerhalb dieses Areals bewohnt er im Allgemeinen Korallenriffe in Tiefen von 3 bis 50 Metern und ernährt sich hauptsächlich vegetarisch, nämlich von Algen, verzehrt aber manchmal auch kleine wirbellose Riffbewohner.

Der Flammen-Zwergkaiserfisch (Centropyge loricula) weist eine Länge von bis zu 15 Zentimetern auf. Er kommt ausschliesslich im Pazifik vor, von Palau im Westen bis zu den Pitcairninseln im Osten. Als ausgeprägter Gemischtköstler ernährt er sich nebst Algen auch zu einem guten Teil von kleinen Wirbellosen und diversen tierlichen Abfallstoffen. Wie der Zitronen-Zwergkaiserfisch lebt er in kleinen, ortstreuen Haremsgruppen mit einem Männchen und mehreren Weibchen.

Der Gestreifte Falterfisch (Chaetodon lineolatus) erreicht eine Länge von bis zu 30 Zentimetern. Sein Verbreitungsgebiet ist sehr ausgedehnt und reicht von der Ostküste Afrikas und vom Roten Meer quer durch die tropischen und subtropischen Bereiche des Indopazifiks ostwärts bis zu den Pitcairninseln. Normalerweise trifft man ihn in Paaren an, die sich territorial verhalten, das heisst einen Riffabschnitt in ihren Besitz nehmen und sämtliche fremden Artgenossen daraus vertreiben.

Der Gestreifte Falterfisch kommt im Bereich von Korallenriffen in Tiefen von 2 bis 170 Metern vor. Er ist tagaktiv und ernährt sich überwiegend von tierlicher Nahrung, insbesondere von Korallenpolypen und den Tentakeln von Seeanemonen. Er scheint aber auch andere kleine wirbellose Riffbewohner zu verzehren, ferner Algen.

Der Pitcairn-Falterfisch (Chaetodon smithi) erreicht eine Länge von bis zu 17 Zentimetern. Er hat ein sehr beschränktes Verbreitungsgebiet im südöstlichen Pazifik, welches nur die Pitcairninseln und die beiden südlichsten Inseln Französisch-Polynesiens umfasst. Er hält sich gewöhnlich in kleinen Schwärmen in Tiefen von 10 bis 30 Metern über felsigen Riffen mit starkem Algenbewuchs auf und ernährt sich von allerlei frei schwebenden (planktonischen) Kleinlebewesen.




ZurHauptseite