Rubinlori

Vini kuhlii


© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Der Rubinlori (Vini kuhlii) gehört innerhalb der Familie der Papageien (Psittacidae) zur fünf Arten umfassenden Gattung der Maidloris (Vini). Alle fünf Maidloris kommen ausschliesslich im Südpazifik vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Fidschi-Archipel, wo der Blaukappenlori (Vini australis) zu Hause ist, ostwärts bis zu den Pitcairninseln, wo der Hendersonlori (Vini stepheni) heimisch ist. Zwischen diesen beiden «Aussenposten» leben - schwergewichtig auf den Inselgruppen Französisch-Polynesiens - der Saphirlori (Vini peruviana), der Ultramarinlori (Vini ultramarina) und nicht zuletzt der Rubinlori.

Mit einer Länge von 18 bis 19 Zentimetern und einem Gewicht von etwa 55 Gramm ist der Rubinlori wie alle Maidloris ein recht zierlicher Papagei. Und wie seine Vettern ist er sehr bunt: Oberseits finden sich grüne, gelbgrüne und violettblaue Farbtöne, unterseits vor allem rubinrote, während Schnabel und Füsse orange gefärbt sind. Kein Wunder heisst der kleine Vogel in Französisch-Polynesien «Ura», was die Abkürzung von «Te Uravaero e te Moho» ist und auf Deutsch soviel wie «Der Farbendieb» heisst.

Wie alle Maidloris sind die Rubinloris des Weiteren sehr lebhafte Vögel und viel unterwegs. Immer wieder kann man sie in kleinen Trupps pfeilschnell vorbeifliegen sehen, wobei das Schwirren ihrer kleinen Flügel und vor allem ihre schrillen Kontaktrufe deutlich zu vernehmen sind. Die Grundeinheit der Rubinlorigesellschaft ist das Paar; bei den häufig zu beobachtenden engen Flugformationen von bis zu sechs Individuen dürfte es sich um Paare mit ihren Jungen aus den letzten ein oder zwei Bruten handeln.

Wie die meisten Loris ernähren sich die Rubinloris zur Hauptsache von Nektar und Pollen diverser Bäume und Sträucher. Und wie alle Loris verfügen sie über eine für Papageien untypische pinselartige Zunge, die ihnen bei der Aufnahme dieser Spezialkost sehr hilfreich ist. Gewissermassen als «Beikost» verzehren sie gern Spinnen und Schmetterlingsraupen, denen sie bei der Futtersuche begegnen. Und mitunter naschen sie auch vom Fruchtfleisch weicher, süsser Früchte.

Über die Brutgewohnheiten der Rubinloris in der freien Wildbahn ist bislang wenig bekannt. So weit wir aber wissen, legt das Weibchen seine Eier gewöhnlich in vorgefundene, ausgefaulte Ast- oder Baumhöhlen und zeigt keinerlei Nestbauverhalten. Das Gelege scheint wie bei den besser bekannten Maidloris in der Regel aus zwei Eiern zu bestehen, und die Jungen dürften wie bei jenen nach einer Bebrütungszeit von etwa 25 Tagen aus den Eiern schlüpfen und rund zwei Monate später flugfähig die Nisthöhle verlassen. Anhand ihres schwarzen Schnabels und ihrer dunklen Iris lassen sie sich noch geraume Zeit gut von ihren Eltern unterscheiden.

Der Rubinlori kam ursprünglich im Bereich der südlichen Cookinseln und der benachbarten, zu Französisch-Polynesien gehörenden Australinseln vor. Der kleine Papagei war aber von den frühen polynesischen Inselsiedlern massiv übernutzt worden, weil seine rubinroten Federn zum Schmücken von zeremonieller Häuptlingskleidung benötigt wurden. Solche sind im Gefieder anderer pazifischer Vogelarten höchst selten zu finden.

Im Bereich der Cookinseln scheint der Rubinlori schon in den 1820er-Jahren ausgestorben zu sein, und im Bereich der Australinseln erging es ihm kaum besser. Überlebt hat er schliesslich einzig auf der Australinsel Rimatara - und interessanterweise auf drei sehr weit entfernt liegenden, politisch zu Kiribati gehörenden Linieninseln namens Teraina, Tabuaeran und Kiritimati. Auf diesen war er vermutlich in grauer Vorzeit von frühen polynesischen Seefahrern als Ziervogel eingebürgert worden.

Die Bejagung scheint die Hauptursache für den Niedergang des Rubinloris im Bereich der Cook- und der Australinseln gewesen zu sein, doch dürfte ihm auch die Hausratte (Rattus rattus) zugesetzt haben. Diese vermochte im Verlauf der vergangenen drei Jahrhunderte als blinder Passagier auf den Schiffen der Europäer zahlreiche polynesische Inseln zu erreichen und zu besiedeln. Sie ist eine behende Kletterin und gewiefte Nestplünderin - und gilt als Hauptursache für den Niedergang vieler pazifischer Inselvogelarten. Von den Inseln, auf welcher der Rubinlori überlebt hat, sind bezeichnenderweise die beiden, auf denen er gegenwärtig noch in einigermassen gesundem Bestand vorkommt, nämlich Rimatara und Teraina, hausrattenfrei.

Erfreulicherweise konnten im Jahr 2007 im Rahmen eines Wiedereinbürgerungsprojekts etwa zwei Dutzend Rubinloris von Rimatara auf die Cookinsel Atiu übersiedelt werden. Das kleine Eiland war von allen Cookinseln als am besten geeignet eingestuft worden, da es frei von Hausratten ist und seine Pflanzendecke derjenigen auf Rimatara sehr ähnlich. Tatsächlich scheinen sich die Rubinloris bereits gut eingelebt zu haben. Eine Erhebung, die im Jahr 2010 durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass ihr Bestand auf über 100 Individuen angestiegen ist.




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