Schuppenkopf-Honigesser - Foulehaio carunculatus

Südseestar - Aplonis tabuensis

Pazifikschnäpper - Petroica multicolor

Südsee-Lalage - Lalage maculosa


© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)



Der Samoa-Archipel liegt mitten im Pazifischen Ozean, rund 14 Grad südlich des Äquators. Politisch ist er zweigeteilt: Im Osten befindet sich das US-Überseeterritorium «Amerikanisch Samoa», im Westen der unabhängige Kleinstaat «Samoa» (vormals «Westsamoa»).

Amerikanisch Samoa weist eine gesamte Landfläche von 195 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von 65 000 Personen auf; die Hauptinsel heisst Tutuila (135 km2; Hauptstadt Pago Pago). Samoa weist eine gesamte Landfläche von 2831 Quadratkilometern auf und wird von 181 000 Personen bewohnt. Die Hauptinseln heissen Upolu (1123 km2; Hauptstadt Apia) und Savai’i (1708 km2). Der ganze Samoa-Archipel ist vulkanischen Ursprungs und entsprechend bergig. Die höchste Erhebung befindet sich auf der Insel Savai’i und ragt 1860 Meter über den Meeresspiegel hinaus.

Das Klima im Samoa-Archipel ist tropisch-maritim: Das ganze Jahr über ist es ziemlich heiss, feucht und regnerisch, wobei sich eine etwas trockenere, kühlere Wintersaison zwischen Juni und September von einer etwas feuchteren, wärmeren Sommersaison zwischen Oktober und Mai unterscheiden lässt. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt etwa 300 Zentimeter in den trockeneren, tieferen Lagen und teils über 500 Zentimeter in den höheren Berglagen.

Geologisch betrachtet ist der Samoa-Archipel recht jung. Savai’i und Upolu tauchten erst im späten Pliozän, vor rund 2,5 Millionen Jahren, aus den Fluten des Pazifiks auf, Tutuila sogar erst vor etwa 1,5 Millionen Jahren. Zu keiner Zeit hatte die Inselgruppe Verbindung zu einem benachbarten Archipel, geschweige denn zu einem Kontinent. Sämtliche Tierarten, welche heute auf dem Samoa-Archipel heimisch sind, stammen somit von Vorfahren ab, die es irgendwann geschafft haben, die Weiten des Pazifiks zu überqueren und sich hier erfolgreich niederzulassen.

Verschiedene samoanische Tierarten sind «Neusiedler», weil sie erst in jüngerer Zeit dank der Hilfe des Menschen - teils zufällig, teils absichtlich - den Weg nach Samoa gefunden haben. Zahlreichen Tierarten war es jedoch lange vor der Ankunft der ersten (polynesischen) Menschen vor rund 2500 Jahren gelungen, sich aus eigener Kraft auf dem Samoa-Archipel anzusiedeln. Es überrascht kaum, dass es sich bei Letzteren mehrheitlich um flugfähige Wesen handelt, welche verhältnismässig leicht über das Meer reisen und von Insel zu Insel hüpfen können. Unter den Wirbeltieren handelt es sich zum einen um ein paar Fledermäuse und Flughunde aus der Ordnung der Fledertiere (Chiroptera), zum anderen um ein breites Spektrum von Vögeln.

Neben 28 Meeres- und 18 Küstenvogelarten brüten auf dem Samoa-Archipel 36 Landvogelarten. 10 von ihnen sind «endemisch», das heisst weltweit nur gerade hier anzutreffen. Die restlichen 26 kommen im Bereich der südpazifischen Inselwelt etwas weiter verbreitet vor. Vier sollen auf diesen Seiten vorgestellt werden: der Schuppenkopf-Honigesser (Foulehaio carunculatus), der Südseestar (Aplonis tabuensis), der Pazifikschnäpper (Petroica multicolor) und die Südsee-Lalage (Lalage maculosa). Alle vier Arten gehören der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) und da der Unterordnung der Singvögel (Oscines) an.


Der Schuppenkopf-Honigesser

Der Schuppenkopf-Honigesser gehört zur etwa 180 Mitglieder umfassenden Familie der Honigesser (Meliphagidae). Diese kommen fast ausschliesslich im australisch-südpazifischen Raum östlich der so genannten Wallace-Linie vor. Diese imaginäre, biogeografische Trennlinie verläuft quer durch die Inselwelt zwischen Südostasien und Australien und trennt die mehrheitlich von asiatischen Vorfahren abstammenden Tiergesellschaften im Westen von den mehrheitlich von australischen Vorfahren abstammenden im Osten. Sie ist nach dem britischen Naturforscher Alfred Russel Wallace benannt, welcher die indomalaiische Inselwelt zwischen 1854 und 1862 erforscht hatte. Eine einzige Honigesserart kommt auf Bali unmittelbar westlich der Wallace-Linie vor; alle übrigen leben östlich davon - etwa die Hälfte in Australien, die andere Hälfte auf Neuguinea und weiteren südpazifischen Inseln. Der Samoa-Archipel bildet den östlichsten Ausläufer des Verbreitungsgebiets der Honigesserfamilie.

Der Schuppenkopf-Honigesser ist mit einer Gesamtlänge von rund 20 Zentimetern ein mittelgrosses Familienmitglied. Er ist ausser im Samoa-Archipel auch auf den Fidschi-Inseln, auf den Tonga-Inseln und auf Wallis & Futuna heimisch.

Im Samoa-Archipel ist der Schuppenkopf-Honigesser weit verbreitet und gehört zu den häufigsten Landvogelarten. Er bewohnt Gehölze aller Art, von ursprünglichem Bergregenwald über Plantagen bis hin zu Gärten in Siedlungen. Seinem Namen zum Trotz ernährt er sich streng genommen nicht von (Bienen-)Honig, sondern von Blütennektar. Diesen nimmt er auf vielen verschiedenen, einheimischen wie eingeführten, Pflanzenarten zu sich. Ist das Blütenangebot jahreszeitlich bedingt gering, so ergänzt er seine Kost mit dem Fleisch weicher, süsser Früchte und Beeren, vereinzelt auch mit Insekten und Spinnen.

Die Schuppenkopf-Honigesser sind laute und streitbare Vögel, welche andere, ähnlich grosse Vogelarten sowohl aus der Nähe ihrer Nahrungsquellen als auch ihres Nests rücksichtslos vertreiben. Selbst gegenüber dem vom Menschen eingeführten, grösseren und kräftig gebauten Hirtenstar (Acridotheres tristis) und dem ebenfalls eingeschleppten Russbülbül (Pycnonotus cafer), welche als Nahrungs- und Nistplatzwettstreiter anderen samoanischen Vogelarten das Leben schwer machen, scheinen sie sich gut zu behaupten.

Über das Fortpflanzungsverhalten der Schuppenkopf-Honigesser ist wenig bekannt. Die Bruten scheinen vor allem im südlichen Frühling zwischen September und Dezember stattzufinden. Das aus Grashalmen sorgfältig gewobene, napfförmige Nest befindet sich gewöhnlich gut versteckt im Blattwerk eines Baums. Das Gelege besteht in der Regel aus einem oder zwei Eiern.


Der Südseestar

Der Südseestar gehört zur mehr als 100 Arten umfassenden Familie der Stare (Sturnidae), deren Verbreitungsgebiet sich über praktisch alle Bereiche der Alten Welt erstreckt - von Westafrika und Westeuropa ostwärts bis zum Zentralpazifik. Mit einer Gesamtlänge von rund 19 Zentimetern ist er ähnlich gross wie der Schuppenkopf-Honigesser. Ausser im Samoa-Archipel kommt er auf Fidschi, Tonga, Wallis & Futuna, Niue und den Santa-Cruz-Inseln vor.

Im Unterschied zum lauten, auffälligen Schuppenkopf-Honigesser ist der Südseestar im Samoa-Archipel ein stiller, scheuer Vogel, der ein verstecktes Leben in den Wäldern führt und sich selten im Offenland in der Nähe von Siedlungen zeigt. Interessanterweise ist er in anderen Teilen seines Verbreitungsgebiets, beispielsweise auf Tonga, weit weniger scheu und hält sich dort häufig in offenen Inselbereichen, auch im Umfeld menschlicher Siedlungen, auf. Möglicherweise wird er im Samoa-Archipel durch den endemischen Samoa-Star (Aplonis atrifusca) aus diesen Lebensräumen verdrängt. Letzterer ist deutlich grösser, ziemlich dreist und zählt zu den erfolgreichsten und häufigsten Landvögeln des Archipels.

Wie die meisten Stare ernährt sich der Südseestar von einer Mischkost aus Insekten und weiteren kleinen Tieren auf der einen Seite und Samen und Früchten auf der anderen. Über sein Fortpflanzungsverhalten ist wenig bekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass Bruten zu allen Jahreszeiten stattfinden. Das Nest befindet sich oft in einer Höhlung in einem Baumstamm, manchmal aber auch auf dem Strunk einer Kokospalme, deren Blattwedel abgebrochen ist. Das Gelege umfasst normalerweise zwei Eier.


Der Pazifikschnäpper

Der Pazifikschnäpper gehört zur Familie der Schnäpper (Petroicidae), einer weiteren typisch australisch-südpazifischen Vogelfamilie, welche etwa 45 Arten umfasst. Die Gestalt und insbesondere die rote Brust mancher Arten, so auch des Pazifikschnäppers, erinnern an unser europäisches Rotkehlchen (Erithacus rubecula). Tatsächlich wurden die australisch-südpazifischen Schnäpper lange Zeit wie das europäische Rotkehlchen der Familie der Fliegenschnäpperartigen (Muscicapidae) zugeordnet. Neuere DNS-Analysen haben jedoch gezeigt, dass sie ihres Aussehens und ihrer Lebensweise zum Trotz nicht unmittelbar mit den Fliegenschnäpperartigen verwandt sind, weshalb sie heute in eine separate Familie gestellt werden.

Der Pazifikschnäpper ist ein kleiner, leicht gebauter Vogel. Seine Gesamtlänge bemisst sich auf 12 bis 13 Zentimeter, sein Gewicht beträgt um 10 Gramm. Im Samoa-Archipel kommt er nur auf den beiden Hauptinseln Savai’i und Upolu vor und fehlt im US-amerikanischen Teil der Inselgruppe. Er ist aber noch auf der Insel Bougainville, auf den Salomonen, Vanuatu, der Norfolkinsel und Fidschi heimisch. Bis vor kurzem war man der Ansicht, dass er auch in weiten Bereichen des südlichen Australiens und auf Tasmanien vorkommt, doch wird die australisch-tasmanische Population heute als eine separate Art namens Scharlachschnäpper (Petroica boodang) eingestuft.

Wie die meisten Mitglieder der Schnäpperfamilie ernährt sich der Pazifikschnäpper hauptsächlich von Insekten und anderen kleinen wirbellosen Tieren. Bei der Beutesuche bewegt er sich meistens im unteren und mittleren Stockwerk von Wäldern und Gehölzen umher. Dabei schliesst er sich oftmals gemischten Kleinvogeltrupps an, welche für tropische Wälder sehr charakteristisch sind.

Das Fortpflanzungsgeschehen scheint saisonal geprägt zu sein. Im Samoa-Archipel werden Jungvögel jedenfalls stets zwischen Juni und September, also während der kühleren, trockeneren Monate, beobachtet. Das Nest befindet sich an einer vor Sicht gut geschützten Stelle in der Astgabel eines Baums oder Strauchs. Es hat die Form eines Napfs und wird aus Rindenstückchen, Grashalmen und Zweigen gebaut, mit Spinnweben zusammengeklebt, innen mit Tierhaaren und anderen weichen Stoffen ausgekleidet und aussen mit Moos- und Flechtenstückchen getarnt. Das Gelege umfasst gewöhnlich zwei oder drei Eier. Das Bebrüten derselben dauert etwa 16 Tage und wird die ganze Zeit allein vom Weibchen ausgeführt, derweil das Männchen seine Partnerin fürsorglich mit Futter versorgt. Die Nestlinge werden durch beide Altvögel betreut und sind etwa 17 Tage nach dem Schlüpfen flugfähig.


Die Südsee-Lalage

Die Südsee-Lalage, auch Südsee-Raupenschmätzer genannt, gehört der Familie der Stachelbürzler (Campephagidae) an. Diese umfasst rund 85 Arten, welche in den tropischen und subtropischen Bereichen Afrikas, Asiens und des Pazifiks - ostwärts bis zum Samoa-Archipel - heimisch sind und in Gestalt und Verhalten an unsere Stelzen (Familie Motacillidae) erinnern. Die Südsee-Lalage ist mit einer Gesamtlänge von etwa 15 Zentimetern ein mittelgrosses Mitglied der Familie.

Wie der Pazifikschnäpper kommt die Südsee-Lalage im US-amerikanischen Teil des Samoa-Archipels nicht vor, ist aber auf Savai’i und Upolu weit verbreitet. Sonst ist sie noch auf Fidschi, Tonga, Niue, den Salomonen, Vanuatu und Wallis & Futuna heimisch.

Die Südsee-Lalage ist vornehmlich ein Vogel offener Landschaften mit niedrigwüchsiger, häufig sekundärer Vegetation. Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vor allem Raupen aller Art, nach denen sie sowohl im Gezweig von Büschen als auch in der Krautschicht und am Boden sucht. Als «Beikost» nimmt sie mitunter Sämereien, Beeren und kleine Früchte zu sich.

Die Fortpflanzung fällt in die Monate September bis Januar. Das napfförmige Nest befindet sich gut versteckt in einem Baum oder Strauch in der Gabelung eines starken Asts. Das Gelege umfasst ein oder zwei Eier. Die Brut dauert 12 bis 14 Tage.


Stabile Bestände

Keine der vier vorgestellten Vogelarten gilt gegenwärtig als in ihrem Fortbestand gefährdet. Alle scheinen mit Wirbelstürmen, welche den Samoa-Archipel von Zeit zu Zeit heimsuchen, und anderen Naturkatastrophen wie auch mit den vom Menschen in den vergangenen Jahrhunderten grossflächig verursachten Lebensraumveränderungen gut zurechtzukommen. Tatsächlich dürften der Schuppenkopf-Honigesser und die Südsee-Lalage sogar von den Aktivitäten des Menschen profitiert haben, da ihnen heute erheblich mehr blüten- und insektenreiches Offenland zur Verfügung steht als einst.

Einzig der Südseestar ist auf dem Samoa-Archipel - vermutlich wegen des Wettstreits mit seinem endemischen Vetter - eine eher seltene Vogelart. Sein Bestand scheint aber stabil zu sein, und ausserdem weist er wie die anderen drei hier vorgestellten Arten in den übrigen Bereichen seines Verbreitungsgebiets grössere, intakte Bestände auf. Auch seine Bestandssituation gibt deshalb gegenwärtig nicht zu Besorgnis Anlass.




Legenden

Der Schuppenkopf-Honigesser (Foulehaio carunculatus) weist eine Länge von rund 20 Zentimetern auf. Seinem Namen zum Trotz ernährt er sich streng genommen nicht von (Bienen-)Honig, sondern von Blütennektar. Diesen nimmt er auf vielen verschiedenen Pflanzenarten zu sich. Auf diesem Bild, das auf der Fidschi-Insel Viti Levu aufgenommen wurde, besucht er gerade eine Fackel-Ingwer-Blüte.

Der Schuppenkopf-Honigesser bewohnt Gehölze aller Art, von ursprünglichem Bergregenwald über Plantagen bis hin zu Obstgärten in Siedlungen. Auf Samoa ist er weit verbreitet und recht häufig. Tatsächlich dürfte er von der Besiedlung der Inselgruppe durch den (polynesischen) Menschen vor rund 2500 Jahren erheblich profitiert haben, denn heute steht ihm weit mehr blütenreiches Offenland zur Verfügung als einst.

Der Südseestar (Aplonis tabuensis) weist eine Länge von etwa 19 Zentimetern auf. Im Unterschied zum lauten, auffälligen Schuppenkopf-Honigesser ist er auf Samoa ein stiller, scheuer Vogel, der ein verstecktes Leben in den Wäldern führt und sich selten in der Nähe von Siedlungen zeigt. Wie die meisten Stare ist er ein Gemischtköstler, der sich sowohl von Insekten und anderen kleinen Tieren als auch von Sämereien und Früchten ernährt.

Der Pazifikschnäpper (Petroica multicolor) ist mit einer Länge von 12 bis 13 Zentimetern und einem Gewicht um 10 Gramm ein kleiner, leichter Vogel. Er ernährt sich hauptsächlich von Insekten und weiteren wirbellosen Kleintieren. Bei der Beutesuche bewegt er sich meistens im unteren und mittleren Stockwerk von Waldungen umher. Männchen (grosses Bild) und Weibchen (kleines Bild) sind unterschiedlich gefärbt.

Die Südsee-Lalage (Lalage maculosa), die ein wenig an unsere Stelzen (Familie Motacillidae) erinnert, weist eine Länge von ungefähr 15 Zentimetern auf. Sie ernährt sich hauptsächlich von Insekten, insbesondere Raupen aller Art, nach denen sie in offenen Landschaften sowohl im Gezweig von Büschen als auch in der Krautschicht und am Boden sucht. Wegen ihrer Vorliebe für Raupen wird sie auf Deutsch auch Südsee-Raupenschmätzer genannt.




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