Westafrikanischer Schimpanse
Pan troglodytes verus
© 2007 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Wer einem Schimpansen gegenübersteht - sei es
in einem Zoo oder in der freien Wildbahn - und ihm in die Augen
schaut, der hat unweigerlich das Gefühl, er begegne einem
entfernten Verwandten und nicht einem wilden Tier. Weit von der
Wahrheit entfernt ist diese Empfindung nicht. Der Schimpanse
ist von allen Tieren am nächsten mit dem Menschen verwandt.
Die Analyse der Desoxyribonukleinsäuren (DNS), also der
in den Chromosomen enthaltenen chemischen Träger der Vererbungsmerkmale,
zeigen, dass sich die Entwicklungswege der Menschen und der Schimpansen
erst vor ungefähr fünfeinhalb Millionen Jahren getrennt
haben. Mehr als 98 Prozent des Schimpansenerbguts stimmen mit
unserem eigenen überein.
Innerhalb der Gattung der Schimpansen (Pan)
gibt es zwei Arten, die sich erst seit rund anderthalb Million
Jahren separat entwickeln: den «Eigentlichen» oder
«Gemeinen» Schimpansen (Pan troglodytes) und
den (nur geringfügig kleineren) Zwergschimpansen oder Bonobo
(Pan paniscus). Der «Eigentliche» Schimpanse
wird in vier geografische Unterarten gegliedert: den Ostafrikanischen
Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii Giglioli 1872),
den Zentralafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes troglodytes
Blumenbach 1775), den Nigeria-Kamerun-Schimpansen (Pan
troglodytes vellerosus Gray 1862) und den Westafrikanischen
Schimpansen (Pan troglodytes verus Schwarz 1934).
Von Senegal bis Ghana heimisch
Der Westafrikanische Schimpanse, von dem wir hier
berichten wollen, ist eine verhältnismässig kleine,
schlank gebaute Unterart des «Eigentlichen» Schimpansen.
Seine körperbaulichen Kennzeichen sind ein verhältnismässig
schmaler Schädel, der hinten steil abfällt, stark hervortretende
Augenbrauen und ein ziemlich dichter, weisser Kinnbart. Ausgewachsene
Männchen wiegen gewöhnlich zwischen 45 und 50 Kilogramm,
die Weibchen etwa die Hälfte hiervon.
Das nordwestlichste Vorkommen des Westafrikanischen
Schimpansen befindet sich beim Mount Assirik im südöstlichen
Senegal. Von dort erstreckt sich das Verbreitungsgebiet ins südwestliche
Mali und ins südliche Guinea-Bissau, und von da durch Guinea-Conakry
sowie Sierra Leone, Liberia und die Elfenbeinküste bis ins
südwestliche Ghana. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts
kam der Westafrikanische Schimpanse ausserdem in Gambia vor,
bis vor wenigen Jahrzehnten auch in Togo und in Benin, doch ist
er in diesen Ländern inzwischen ausgestorben. Mit einer
Gesamtfläche von rund 630 000 Quadratkilometern ist das
Verbreitungsgebiet des Westafrikanischen Schimpansen aber noch
immer recht ausgedehnt, wobei allerdings weite Bereiche ziemlich
dicht von Menschen besiedelt und die örtlichen Schimpansenbestände
entsprechend gering sind.
In Guinea-Conakry, dem Ausgabeland der vorliegenden
Briefmarken, kommt der Westafrikanische Schimpanse weit verbreitet
vor. Eine auf Befragungen basierende Erhebung, welche in den
1980er-Jahren durchgeführt worden war, hatte ergeben, dass
die Art in mindestens 27 der insgesamt 34 Amtsbezirken des Landes
heimisch war. Eine weitere Erhebung, welche 1998 stattfand, zeigte,
dass Schimpansen in 70 Waldgebieten Guinea-Conakrys mit Sicherheit
und in mehr als 500 weiteren höchstwahrscheinlich - wenn
auch in teils geringer Zahl - vorkamen. Die wichtigsten Schimpansenlebensräume
befinden sich heute im Mount-Nimba-Biosphärenreservat, im
Massif-du-Ziama-Biosphärenreservat und im Haut-Niger-Nationalpark,
ferner in grossflächigen Waldgebieten bei Diécké,
Nialama, Sala, Fello Digué, Balayan-Souroumba, Bakoun
und Souti Yanfou.
Ein in der Fachwelt sehr bekannter Schimpansenlebensraum
in Guinea-Conakry ist das Bossou-Gebiet im Mount-Nimba-Biosphärenreservat.
Es handelt sich um ein mit tropischem Regenwald bewachsenes Hügelgebiet
in der Nähe des Dorfs Bossou, welches bei der ansässigen
Bevölkerung als heilig und unantastbar gilt. Seit 1976 wird
die im Bossou-Gebiet heimische Schimpansenpopulation durch den
japanischen Primatologen Yukimaru Sugiyama und sein Team vom
Primatenforschungsinstitut der Kyoto-Universität eingehend
untersucht und dürfte mittlerweile der besterforschte Menschenaffenbestand
der Welt sein.
Die bei Bossou durchgeführten Forschungen ergeben
- zusammen mit anderen Langzeitstudien an frei lebenden Schimpansen,
darunter die 1967 von Jane Goodall begonnene in Gombe in Tansania,
aber auch diejenigen bei Mahale in Tansania, im Taï-Nationalpark
in der Republik Elfenbeinküste, im Lopé-Nationalpark
in Gabun und bei Kibale sowie Budongo in Uganda - ein recht genaues
Bild von der Lebensweise unserer nächsten Verwandten. Zu
den wichtigsten Erkenntnissen gehört sicherlich, dass das
Verhalten der Schimpansen nicht nur sehr komplex, sondern auch
sehr variabel ist. Allgemein gültige Aussagen lassen sich
kaum machen, da die Verhaltensmuster nicht nur von Ort zu Ort,
sondern auch von Individuum zu Individuum unterschiedlich sind.
Ein Teil dieser Unterschiede lässt sich gewiss auf den persönlichen
Charakter der einzelnen Tiere und auf die natürlichen Gegebenheiten
in den jeweiligen Studiengebieten zurückführen. Kein
geringer Teil hängt jedoch - wie wir noch sehen werden -
mit den lokalen «Traditionen» zusammen, das heisst
mit der Weitergabe örtlicher Gepflogenheiten von Generation
zu Generation.
Gemeinschaften und Bündnisse
Die Schimpansengesellschaft setzt sich aus Gemeinschaften
(«Clans») zusammen, welche zwischen etwa 20 und 130,
im Durchschnitt 35, Individuen umfassen. Jede Gemeinschaft hält
ein klar begrenztes Gebiet besetzt, dessen Grenzbereiche regelmässig
besucht werden, um etwaige Eindringlinge entdecken und vertreiben
zu können. Die Mitglieder einer Gemeinschaft kennen einander
alle persönlich, doch halten sich kaum je alle beisammen
auf. Vielmehr streifen sie verstreut in kleinen, lockeren Gruppen
von gewöhnlich zwei bis zehn Individuen umher, deren Zusammensetzung
von Stunde zu Stunde ändern kann.
Zwar gibt es innerhalb der Schimpansengemeinschaften
Rangordnungen sowohl zwischen den erwachsenen Männchen als
auch zwischen den erwachsenen Weibchen. Diese können jedoch
durch Bündnisse (Allianzen) verfälscht werden. Beispielsweise
können sich zwei oder mehr niederrangige Individuen zusammentun,
um ein höherrangiges Individuum von einer Futterquelle zu
vertreiben. Solche Bündnisse werden durch enge freundschaftliche
Kontakte zwischen den jeweiligen Bündnispartnern, insbesondere
durch ausgiebiges gegenseitiges Fellpflegen, gefestigt.
Wie alle Menschenaffen sind die Schimpansen fast ausschliesslich
tagsüber rege. Während eines Grossteils ihrer Aktivitätszeit
widmen sie sich der Nahrungssuche. Im Grunde genommen sind sie
Allesesser, doch ernähren sie sich - angebotsbedingt - hauptsächlich
von pflanzlichen Stoffen, insbesondere Früchten, Blüten
und Samen, aber auch jungen Blättern, Knollen, Rinden, Stängeln,
Pilzen usw. Bei den Bossou-Schimpansen wurde festgestellt, dass
sie Teile von über zweihundert Pflanzenarten - das sind
über dreissig Prozent der dort vorkommenden Arten - verzehren.
Ihren Speisezettel ergänzen sie gern mit Raupen, Ameisen
und weiteren wirbellosen Tieren, und sie sind auch nicht abgeneigt,
kleine bis mittelgrosse Säugetiere - zum Beispiel ein Weissbauch-Schuppentier
(Manis tricuspis), dem sie auf ihren Streifzügen
begegnen - zu töten und zu verspeisen. Manchmal betätigen
sie sich sogar als aktive Jäger und gehen gezielt auf die
Jagd nach Schweinen, Affen oder anderen Tieren.
Wesen mit «Vorkulturen»
Wie alle bisher untersuchten Schimpansenbestände
verfügen die Bossou-Schimpansen bei der Nahrungsbeschaffung
über ein vielfältiges und vor allem eigenes, unverwechselbares
Repertoire von Techniken. Beispielsweise klettern sie regelmässig
auf Palmen, reissen ein grosses Palmblatt ab und stossen dessen
stumpfes Ende so lange kräftig ins Zentrum der Palmkrone,
bis dort ein nahrhafter Brei entsteht, den sie herausschöpfen
und essen können. Dieses Verhalten ist bei allen Schimpansengemeinschaften
im Bossou-Hügelgebiet üblich, kommt aber sonst nirgendwo
vor. Gerne verwenden sie ferner «Steinhammer» und
«Steinamboss» zum Öffnen von Nüssen und
anderen hartschaligen Früchten. Dieses Verhaltensmuster
lässt sich auch bei den Schimpansen im Taï-Nationalpark
in der Republik Elfenbeinküste beobachten, ist aber bei
den Beständen der Zentralafrikanischen und Ostafrikanischen
Schimpansen unbekannt. Die Bossou-Schimpansen «fischen»
im Übrigen gern mit Hilfe von Zweigen nach Ameisen: Sie
halten einen Zweig in ein Ameisennest oder auf eine belebte «Ameisenstrasse».
Haben sich jeweils ein paar Ameisen am Zweig festgebissen, so
bewegen sie ihn zum Mund und pflücken sie einzeln mit den
Zähnen, also ohne sie anzufassen. Die Länge des Zweigs
passen sie der jeweiligen Situation an: Bei grossen Ameisennestern
oder besonders angriffslustigen Ameisenarten wird längeres
«Werkzeug» eingesetzt als sonst. Ihre Kollegen im
Taï-Nationalpark tun es ihnen gleich. In Gombe wird jedoch
anders verfahren: Dort benutzen die Schimpansen sehr dünne
Zweige oder Grashalme, um stochernd Termiten aus deren Lehmbauten
zu «fischen», lange Stöckchen hingegen, wenn
sie aggressive Treiberameisen erbeuten wollen. Letztere werden
zudem selten direkt zum Mund geführt, sondern zunächst
mit der Hand abgestreift und zu einer Kugel gerollt, bevor sie
verspeist werden.
Anzumerken bleibt, dass sich die unterschiedlichen
Traditionen der verschiedenen «Schimpansenvölker»
zwar besonders augenfällig, jedoch keineswegs allein bei
der Nahrungsbeschaffung offenbaren. Beispielsweise führen
die Gombe-Schimpansen jeweils eine Art «Regentanz»
auf, sobald es zu regnen beginnt. Solches Verhalten tritt bei
den Bossou-Schimpansen nicht auf.
Die verschiedenen Traditionen verkörpern «Vorkulturen»,
die von Generation zu Generation weitergegeben werden, indem
die Jungen die Alten beobachten und nachahmen, sich durch ständiges
Üben das Gesehene zu eigen machen und es unter Umständen
noch verfeinern. Tatsächlich sprechen die Fachleute hinsichtlich
der Verhaltensvarianten zwischen den verschiedenen Schimpansenbeständen
von «Kulturkreisen» oder «Kulturzonen»,
da sie auf sozialem Lernen und nicht auf Vererbung beruhen. Schimpansen
gelten heute allgemein - wie sonst nur der Mensch - als Kulturwesen.
Die Weibchen sind schneller
Bei manchen Fertigkeiten, wie dem Ameisenfischen,
dauert es mitunter Jahre, bis die jungen Schimpansen sie wirklich
beherrschen. Interessanterweise gibt es hierbei deutliche Unterschiede
zwischen den beiden Geschlechtern: Bei einer Untersuchung des
Termitenfischens in Tansania zeigte sich, dass die Weibchen die
Technik im Durchschnitt etwa zwei Jahre früher erfolgreich
anwenden konnten als die Männchen. Ausserdem gingen die
allermeisten Weibchen exakt gleich vor wie ihre Mutter, während
die Technik der jungen Männchen vielfach von derjenigen
der Mutter leicht abwich. Letzteres ist darauf zurückzuführen,
dass die halbwüchsigen Männchen erheblich mehr Zeit
fern ihrer Mutter zusammen mit ähnlich alten Kameraden verbringen
als die halbwüchsigen Weibchen, welche auch nach dem Selbstständigwerden
eine starke Bindung an ihre Mutter zeigen. Dies wiederum hat
damit zu tun, dass es - im Unterschied zu vielen anderen gesellig
lebenden Säugetieren - in der Regel die jungen Weibchen
sind, welche zu Beginn der Pubertät, im Alter von zehn bis
elf Jahren, die elterliche Gemeinschaft verlassen und sich einer
fremden Gemeinschaft anschliessen. Die jungen Männchen bleiben
hingegen ihrer elterlichen Gemeinschaft zumeist ein Leben lang
treu - und darum sind die Bündnisse, die sie in ihren Jugendjahren
mit ihren Spielkameraden eingehen, für ihr zukünftiges
Erwachsenenleben sehr wichtig. Für die jungen Weibchen,
welche gelegentlich Mitglieder fremder Gemeinschaften werden,
lohnt es sich andererseits mehr, bei der Mutter zu bleiben und
von ihr so viele Kenntnisse und Fertigkeiten wie möglich
zu erlangen, insbesondere bezüglich der Nahrungsbeschaffung
und der Kinderbetreuung.
Soweit die gängige Erklärung - doch sei
auch diesbezüglich vor Verallgemeinerungen gewarnt. Yukimaru
Sugiyama fand nämlich bei den Bossou-Schimpansen Anzeichen
für andersartiges Verhalten: Bei den von ihm beobachteten
Clans wanderten wiederholt junge Männchen ab, während
gelegentlich fremde hinzu stiessen.
In der freien Wildbahn ist die Nachzuchtrate der Schimpansen
gering. Im Bossou-Gebiet sind die Weibchen bei ihrer ersten Geburt
durchschnittlich ein bis zwei Jahre jünger als die Weibchen
aller anderen untersuchten Schimpansenbestände, doch selbst
sie bringen ihr erstes Kind gewöhnlich erst mit ungefähr
elf Jahren zur Welt. Die Schwangerschaft dauert etwa acht Monate.
Einzelkinder sind die Regel, Zwillinge sehr selten.
Die Schimpansenkinder bleiben mehrere Jahre lang eng
mit ihrer Mutter verbunden und sind stark von ihr abhängig.
Oft werden sie erst mit ungefähr fünf Jahren endgültig
entwöhnt. Dann erst kann ihre Mutter erneut schwanger werden.
Die Intervalle zwischen zwei Geburten betragen darum normalerweise
etwa sechs Jahre. In der freien Wildbahn liegt die Lebenserwartung
der erwachsenen Individuen bei ungefähr 25 Jahren, doch
können einzelne Tiere bis über 40 Jahre alt werden.
Rückläufige Bestände
Von allen heutigen Menschenaffen ist der «Eigentliche»
Schimpanse zweifellos der anpassungsfähigste. Er ist zum
Überleben am wenigsten auf tropische Regenwälder angewiesen,
sondern findet in einem breiten Spektrum von Lebensräumen
- teils selbst in baumarmen Savannen - ein Auskommen. Seine Population
ist dementsprechend umfangreicher als die der anderen Menschenaffen.
Gegenwärtig wird sie auf 170 000 bis 300 000 Individuen
geschätzt. Der Bestand der Westafrikanischen Schimpansen
dürfte zwischen 20 000 und 56 000 Individuen umfassen. Der
Schimpansenbestand in Guinea-Conakry wird auf 8000 bis 30 000
Individuen, also auf rund 40 bis 50 Prozent aller Westafrikanischen
Schimpansen, geschätzt.
Leider sind die Schimpansenbestände meistenorts
rückläufig. Ein wesentlicher Schadfaktor ist die fortschreitende
Erschliessung und Abholzung der afrikanischen Tropenwaldgebiete.
Kommerzielle Holzfäller spielen dabei ebenso eine Rolle
wie brandrodende Pflanzer. Zwar können die Schimpansen durchaus
auch in geschädigten Waldungen und sogar in Sekundärwuchs
überleben, doch kommen sie dort, wo Menschen eingewandert
sind, schnell in Kontakt und Konflikt mit denselben. Schimpansen
werden vom Menschen bejagt, mancherorts intensiv, weil ihr Fleisch
als so genanntes «Buschfleisch» sehr begehrt ist
und weil sie sich nicht selten als Ernteschädlinge betätigen.
Erfreulicherweise verfügen mehrere grössere
Schimpansenbestände in ausgedehnten Schutzgebieten über
eine einigermassen sichere Heimat. So auch in Guinea-Conakry.
Dort zielen zudem verschiedene Programme und Projekte auf die
Umweltbildung und -erziehung der ansässigen Bevölkerung
ab. Die Umsetzung solcher Vorhaben erweist sich zwar oft als
schwierig, ist aber unabdingbar, wenn unsere nächsten Verwandten
längerfristig eine echte Überlebenschance haben sollen.
Legenden
Der Westafrikanische Schimpanse (Pan troglodytes
verus) ist eine verhältnismässig kleine, schlank
gebaute Unterart des «Eigentlichen» oder «Gemeinen»
Schimpansen (Pan troglodytes). Die Männchen (links)
wiegen gewöhnlich zwischen 45 und 50 Kilogramm, die Weibchen
(rechts, mit Kind) etwa die Hälfte hiervon. Bei den Schimpansenkindern
sind Gesicht, Ohren und Hände im Allgemeinen rosa und werden
erst mit zunehmendem Alter dunkelhäutig.
Das Verbreitungsgebiet des Westafrikanischen Schimpansen
erstreckt sich von Senegal im Westen bis Ghana im Osten. Hinsichtlich
ihrer Lebensraumansprüche erweisen sich die menschenartigen
Affen als sehr anpassungsfähig. Hier halten sie sich im
Wurzelgewirr eines Mangrovenwalds bei Marshall (Liberia) auf.
Eine Eigenart der Westafrikanischen Schimpansen ist
es, Nüsse und andere hartschalige Früchte mittels «Steinhammer»
und «Steinamboss» zu öffnen. Diese Form des
Werkzeuggebrauchs, die von Generation zu Generation weitergegeben
wird, ist den Zentralafrikanischen und Ostafrikanischen Schimpansen
fremd.
Die Schimpansenkinder kommen nach einer Tragzeit von
ungefähr acht Monaten zumeist einzeln zu Welt. Sie bleiben
während mehrerer Jahre eng mit ihrer Mutter verbunden; oftmals
werden sie erst mit ungefähr fünf Jahren vollständig
entwöhnt. Die Lebenserwartung der erwachsenen Schimpansen
liegt bei ungefähr 25 Jahren.
Die Population der Westafrikanischen Schimpansen ist
mit geschätzten 20 000 bis 56 000 Individuen noch recht
umfangreich. Meistenorts ist sie jedoch rückläufig.
Ein wesentlicher Schadfaktor ist die fortschreitende Erschliessung
und Abholzung der westafrikanischen Tropenwälder. Die Menschenaffen
kommen dadurch schnell in Kontakt und in Konflikt mit dem Menschen.
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