Seekatze

Chimaera monstrosa


© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)




Artwork © Owen Bell



Die Seekatze (Chimaera monstrosa) gehört innerhalb der Klasse der Knorpelfische (Chondrichthyes) zur Ordnung der Chimären (Chimaeriformes), welche rund 50 Arten umfasst. Sie ist also entfernt mit den Haien und Rochen verwandt. Die erwachsenen Individuen erreichen eine Länge von bis zu 1,5 Metern und ein Gewicht von bis zu 2,5 Kilogramm, wobei die Weibchen durchschnittlich ein wenig grösser sind als die Männchen.

Ein Grossteil der Körperlänge entfällt bei der Seekatze auf den langgezogenen Schwanz, der im Unterschied zu einem typischen Fischschwanz keine deutliche, endständige Schwanzflosse aufweist, sondern spitz zuläuft. Die vordere Rückenflosse ist kurz und hoch und kann willentlich aufgerichtet werden. An ihrem vorderen Ende befindet sich ein kräftiger Stachel, der an seiner Basis Giftdrüsen besitzt und der Feindabwehr dient. Sein Stich ist für den Menschen zwar sehr schmerzhaft, aber normalerweise nicht tödlich. Die Pupillen sind riesig und schimmern grün wie bei Katzen, daher der deutsche Name.

Das Verbreitungsgebiet der Seekatze ist ziemlich klar begrenzt: Es erstreckt sich einerseits über den nordöstlichen Atlantik - von Norwegen südwärts bis Marokko und von Europas Küsten westwärts bis zum Mittelatlantischen Rücken - und andererseits über das westliche und zentrale Mittelmeer. Zwar konnte die Art schon in sehr unterschiedlichen Wassertiefen verzeichnet werden, nämlich im Bereich von etwa 50 bis 1600 Metern. Ihr hauptsächlicher Lebensraum sind aber die Kontinentalabhänge im Tiefenbereich von 300 bis 800 Metern.

Die Seekatze ist keine kräftige, geradlinige Schwimmerin, sondern bewegt sich mit weit ausgreifenden, simultanen Schlägen ihrer grossen Brustflossen «hüpfend» durch das Wasser. Dies tut sie allerdings selten, denn die meiste Zeit hält sie sich am Meeresgrund auf. Dort ernährt sie sich von bodenlebenden Organismen aller Art, insbesondere von Krebstieren, Schlangensternen, Seeigeln, Vielborstenwürmern und weiteren Wirbellosen, aber auch von kleinen Grundfischen.

Wie bei allen Knorpelfischen findet bei den Seekatzen eine echte Paarung statt. Das Männchen besitzt zum Überführen der Samenzellen in die Kloake des Weibchens zwei röhrenförmige Begattungsorgane («Klasper»). Das Weibchen vermag die Samenzellen nach der Paarung während mehrerer Wochen in seinem Körper befruchtungsfähig aufzubewahren, was ihm erlaubt, über einen längeren Zeitraum hinweg einzelne befruchtete Eier zu erzeugen.

Die Eier der Chimären sind ähnlich wie bei zahlreichen Haien grosse, abgeflachte, von einer hornigen Hülle umschlossene Kapseln. Bei der Seekatze weisen sie eine Länge von etwa 17 Zentimetern und eine Breite von 2,5 bis 3 Zentimetern auf. Am unteren Ende der Eikapsel befindet sich ein 3 bis 4 Zentimeter langer Faden, welcher der Verankerung am Boden dient.

Die Entwicklung des Embryos im abgelegten Ei dauert mehrere Monate lang. Die frisch geschlüpften Seekatzen weisen eine Länge von etwa 10 Zentimetern auf und sehen von Anfang an ihren Eltern sehr ähnlich. Die Geschlechtsreife erreichen die Weibchen mit ungefähr 11 Jahren, die Männchen mit etwa 13. Das Höchstalter der eigentümlichen Fische liegt bei rund 30 Jahren.

Man sollte eigentlich annehmen, dass ein Meeresfisch, der sich die meiste Zeit seines Lebens mehrere hundert Meter unter der Meeresoberfläche umherbewegt, durch die umweltschädigenden Aktivitäten des Menschen wenig beeinträchtigt wird. In der Tat scheint die Seekatze in den meisten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets noch recht häufig vorzukommen.

Es ist jedoch zu befürchten, dass sich dies bald ändern wird. Denn nachdem die oberflächennahen Wasserschichten sowohl des Nordostatlantiks als auch des Mittelmeers vielerorts praktisch leergefischt sind, wenden sich die Fischfangflotten nun mehr und mehr den tieferen Wasserschichten zu. Die Kontinentalabhänge, an denen die Seekatze hauptsächlich heimisch ist, sind inzwischen zu den bevorzugten Fanggebieten der Grundschleppnetzfischer, auch Trawler genannt, geworden. Zwar besteht derzeit keine Nachfrage nach Seekatzenprodukten; ihr Fleisch wird nicht geschätzt. Die Trawler fangen jedoch unterschieds- und rücksichtslos alles, was am Meeresboden lebt.

Bei Grundfischen mit mehrjähriger Jugendentwicklung und geringer Fortpflanzungsrate - und zu diesen zählt die Seekatze - ist zu befürchten, dass bei solch massiver Befischung selbst gesunde Bestände innerhalb kurzer Zeit und gewissermassen ohne Vorwarnung kollabieren. Zwar sind in manchen Bereichen des Artverbreitungsgebiets bereits Bestimmungen in Kraft getreten, welche das Ausmass des Tiefseetrawlens zum Schutz des Meeresökosystems einschränken. Sie gelten aber gegenwärtig nur für Gewässertiefen von mehr als 1000 Metern, weshalb sie den Seekatzenbeständen kaum den dringend erforderlichen Schutz bieten.




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