Afrikanischer Steppenelefant

Loxodonta africana africana



© 2002 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)








Artwork © Owen Bell

Der Afrikanische Elefant (Loxodonta africana) und der Asiatische Elefant (Elephas maximus) sind die beiden letzten Vertreter der einst artenreichen Ordnung der Rüsseltiere (Proboscidea). Während der Asiatische Elefant nur mehr in wenigen, weit verstreuten Restbeständen im südlichen und südöstlichen Asien vorkommt, ist der Afrikanische Elefant in Afrika südlich der Sahara noch immer weit verbreitet und verhältnismässig zahlreich. Allerdings ist auch seine Population in den vergangenen Jahrzehnten massiv geschwunden.

Beim Afrikanischen Elefanten unterscheidet man gewöhnlich zwei Rassen: den Waldelefanten (Loxodonta africana cyclotis), der in den Regenwäldern Westafrikas und des zentralafrikanischen Beckens lebt, und den Steppenelefanten (Loxodonta africana africana), der die weiten Graslandschaften im ganzen übrigen Verbreitungsgebiet bewohnt. Zu den Steppenelefanten gehören auch diejenigen Elefanten, welche in Mosambik, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, heimisch sind.

 

Die grössten landlebenden Tiere

Der Asiatische Elefant ist kleiner als der Afrikanische Elefant, und der Waldelefant ist wiederum kleiner als der Steppenelefant. Letzterer ist damit das grösste und schwerste Landsäugetier unseres Planeten. Die durchschnittliche Schulterhöhe bemisst sich bei den Männchen auf 3,2 Meter, kann aber in Ausnahmefällen deutlich höher liegen. Den Rekord hält ein 1955 in Angola erlegter Bulle mit einer Schulterhöhe von 4 Metern und einem Gewicht von 6 Tonnen. Die Weibchen sind kleiner als die Männchen: Sie weisen gewöhnlich eine Schulterhöhe um 2,5 Meter auf und wiegen zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen. Den Grössenrekord unter den Weibchen hält eine Kuh mit einer Schulterhöhe von 3,4 Metern.

Die meiste Zeit des Jahres ziehen die Steppenelefanten in kleinen Gruppen von zumeist zehn bis zwanzig Individuen umher. Die frühere Meinung, wonach die Gruppen von einem Leitbullen geführt und verteidigt werden, ist längst widerlegt. Wir wissen heute, dass die Elefantengesellschaft aus sehr stabilen Weibchengruppen einerseits und aus losen Junggesellentrupps und einzelgängerischen Männchen andererseits besteht.

Die Weibchen einer Gruppe sind im Allgemeinen eng miteinander verwandt. Vielfach sind es zwei oder drei Schwestern mit ihren Nachkommen, oft auch eine ältere Kuh mit einer oder zwei Töchtern und deren Jungen. Angeführt wird jede Weibchengruppe von einem grossen, älteren Weibchen, der «Leitkuh» oder «Matriarchin». Sie behält ihre Position in der Regel bis zu ihrem Tod, worauf vielfach ihre älteste Tochter die Führung der Gruppe übernimmt.

Die in der Gruppe aufgewachsenen Weibchen bleiben nach der Geschlechtsreife normalerweise in der mütterlichen Gruppe. Hat diese aber einmal eine gewisse Grösse erreicht, so bilden sich allmählich Untergruppen, die sich schliesslich voneinander lösen. Aus diesem Grund sind benachbarte Weibchengruppen zumeist miteinander verwandt.

Nicht selten finden mehrere Weibchengruppen zeitweilig zu Verbänden von fünfzig und mehr Individuen zusammen und werden dann - bis zur Wiederaufspaltung - von einer der Matriarchinnen angeführt. Es ist anzunehmen, dass es sich hierbei um miteinander verwandte Gruppen, also um Mitglieder des örtlichen «Clans» handelt.

Im Gegensatz zu den Weibchen können die Jungbullen nach dem Erreichen der Geschlechtsreife nicht in der Weibchengruppe bleiben, in der sie aufgewachsen sind, denn sie werden von den älteren Weibchen gezwungen, eigene Wege zu gehen. Sie schliessen sich dann Junggesellentrupps an, deren Zusammensetzung ziemlich veränderlich ist, da die Männchen untereinander nur lose Beziehungen pflegen. Viele ältere Bullen lösen sich sogar ganz von solchen Trupps und führen ein Leben als Einzelgänger.

Zu den Weibchengruppen innerhalb ihres Streifgebiets pflegen die erwachsenen Männchen keine ständigen Beziehungen, sondern sie schliessen sich nur hin und wieder kurzfristig einer Gruppe an, wenn eine der Kühe brunftig ist. Die Bindung an die Gruppe dauert gewöhnlich bis zur Paarung mit dem betreffenden Weibchen; danach wird das Männchen von der Gruppe nicht mehr geduldet.

 

Dumpf grollt es durch die Savanne

Innerhalb jeder Weibchengruppe gestaltet die Matriarchin den Tagesablauf. Sie bestimmt, wie lange und wo die Gruppe sich der Nahrungsaufnahme widmet, wann ein Schlammbad fällig ist, wann ein Ortswechsel stattfindet, in welcher Richtung marschiert wird usw. Sie ist das unangefochtene Leittier, dem die anderen «blind» vertrauen. Ihr kommt somit auch die ganze Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Gruppenmitglieder zu.

Bei Ortswechseln, beim Besuch von Suhlen und Tränken, beim Ruhen und bei manchen anderen Gelegenheiten bleiben die Mitglieder einer Weibchengruppe stets eng beisammen. Widmet sich die Gruppe jedoch an einem günstigen Ort der Nahrungsaufnahme, ist dies nicht der Fall: Jedes Individuum geht dann seinen eigenen Pfad, und die Gruppe verteilt sich über ein Gebiet von oftmals mehreren Quadratkilometern. Vor allem in dichten Baum- und Buschsavannen deutet dann nichts darauf hin, dass die einzelnen Tiere über den Standort der anderen Gruppenmitglieder Bescheid wissen - und dennoch ist erkennbar, dass sie sich nach einem gemeinsamen «Plan» verschieben und am Schluss auch wieder versammeln. Wie ist das möglich?

Des Rätsels Lösung ist die erst in jüngerer Zeit ins Bewusstsein der Zoologen gerückte «Elefantensprache». Tatsächlich verständigen sich die Mitglieder einer Elefantengruppe nicht nur durch eine reiche Gestik des Körpers, sondern zusätzlich mittels vielfältiger Laute. Als die frühen westlichen Naturforscher diese zumeist dumpfen Töne hörten, die wir als «Rumpeln», «Kollern», «Grollen» oder «Schnurren» bezeichnen, meinten sie, dass es sich um die Geräusche des Verdauungstrakts der Elefanten handle. Das ist aber nicht richtig: Es handelt sich dabei um die Elemente einer höchst komplexen Sprache. Komplex nicht zuletzt deshalb, weil das menschliche Gehör nur einen Teil der Elefantenlaute überhaupt wahrzunehmen vermag. Viele weitere Laute liegen im Infraschallbereich, weisen also so tiefe Frequenzen auf bzw. sind so langwellig, dass wir sie gar nicht hören können. Wie bei Säugetieren üblich, werden alle diese Niederfrequenztöne von den Elefanten im Kehlkopf von den Stimmbändern erzeugt. Sie werden aber nicht über den Mund geäussert, sondern zunächst im Nasenraum, der als Resonanzkörper dient, verstärkt und dann gebündelt über die Mitte der Stirn ausgesandt. Filmt man laut grollende Elefanten, so sind in der Zeitlupe die Vibrationen der Stirnmitte deutlich zu sehen.

Soweit wir heute wissen, können sich die Elefanten mit denjenigen Niederfrequenztönen, die auch für den Menschen hörbar sind, über Distanzen von zwei bis drei Kilometern untereinander verständigen. Sie dienen der Kommunikation innerhalb der Gruppe. Mit denjenigen Niederfrequenztönen, sie sich im Infraschallbereich befinden und für den Menschen nicht hörbar sind, vermögen die Elefanten sogar über Distanzen von zehn bis dreissig Kilometern zu kommunizieren. Sie dienen der Verständigung mit den weiter entfernt lebenden Clanmitgliedern und den in der Nachbarschaft befindlichen Bullen.

Es gibt im Übrigen deutliche Hinweise darauf, dass - ähnlich wie beim Menschen - jedes Individuum anhand seiner Stimme erkennbar ist und dass jeder Elefant Dutzende von anderen Individuen aufgrund von deren Stimmcharakteristika zu identifizieren vermag. Jeder Steppenelefant scheint also stets zu wissen, wer gerade «spricht». Hier hat sich - ähnlich wie bei den Delphinen und Walen - ein spannendes Forschungsfeld aufgetan!

 

Ein Zustand namens «Musth»

Die nicht trächtigen erwachsenen Elefantenweibchen werden alle paar Monate für ein paar Tage brunftig, also empfängnisbereit und paarungswillig. Die örtlichen Bullen rivalisieren jeweils untereinander um das Vorrecht zur Paarung mit den brunftigen Kühen. Interessanterweise ist es keineswegs immer das kräftigste Männchen, das sich durchzusetzen vermag, sondern eines, das sich im Zustand der so genannten «Musth» befindet.

Es handelt sich dabei um einen hormonellen Zustand, der sich bei den erwachsenen Bullen ab dem Alter von ungefähr fünfundzwanzig Jahren etwa alle zwölf Monate ein Mal einstellt, wobei keine saisonale Anknüpfung erkennbar ist. Äusserlich zeigt sich die Musth anhand des dunklen, stark riechenden Sekrets, das von den Schläfendrüsen der betreffenden Männchen abgesondert wird und über die Wangen hinunter rinnt. Bei verhältnismässig jungen Bullen dauert die Musth gewöhnlich nur ein paar Tage oder wenige Wochen, während sie bei alten Bullen drei bis fünf Monate anhalten kann.

Während der Musth sind die Bullen überaus aggressiv und selbstbewusst. Bei Ringkämpfen mit Rivalen im «Normalzustand» sind sie fast ausnahmslos siegreich - selbst wenn letztere ihnen kräftemässig überlegen sind.

Die brunftigen Weibchen ihrerseits weisen gewöhnlich die Annäherungsversuche von Männchen zurück, die nicht in Musth sind. Ihre Gunst gilt in der Regel einem gross gewachsenen Bullen, der erstens in Musth ist und den sie zweitens bereits kennen. Zumeist lassen sie sich also mit einem älteren «Herrn» ein, denn solche sind weit häufiger im gewünschten Musth-Zustand als die jüngeren Mitbewerber.

 

Vom Wert des Alters

Aus dem bisher Gesagten geht deutlich hervor, dass in der Steppenelefantengesellschaft - sowohl unter den Weibchen als auch unter den Männchen - nicht in erster Linie die Kraft zählt, sondern vor allem das Alter: Alte, teils nicht mehr fortpflanzungsfähige Kühe führen weit kräftigere andere Weibchen an, und alte Bullen erhalten vor stattlicheren Mitbewerbern die Gelegenheit zur Fortpflanzung. Offenbar ist für die Arterhaltung die Lebenserfahrung und Lebenstüchtigkeit wichtiger als die schiere Kraft. Um dieses im Tierreich höchst seltene Phänomen zu verstehen, müssen wir zwei Dinge bedenken:

Erstens haben gesunde erwachsene Steppenelefanten keine natürlichen Feinde zu fürchten. Eine Zuchtwahl («Selektion») hin zu noch mehr Kraft und Grösse ergibt keinen Sinn, umso mehr, als die Kolosse bereits die Grenze des biophysikalisch Möglichen erreicht haben.

Zweitens stellt sich in den meisten Bereichen des Verbreitungsgebiets der Steppenelefanten eine saisonale Trockenzeit ein, welche die grossen Säuger zwingt, zur Deckung ihres Nahrungs- und Wasserbedarfs auszuweichen, das heisst jahreszeitliche Wanderungen zu unternehmen. Meistens führen die Wanderbewegungen bei Beginn der Trockenzeit zu Seen oder grossen Flüssen und bei Beginn der Regenzeit wieder in die eigentliche Heimat zurück. Mehrere hundert Kilometer kann das «Trockenzeitquartier» vom «Regenzeitquartier» entfernt liegen. Bei besonders weit umherziehenden Elefantengruppen bemisst sich darum das Jahreswohngebiet auf über 3000 Quadratkilometer. Bei diesen Wanderungen zeigt sich der enorme Wert des Alters und der Erfahrung der Matriarchin: In ihrem langen Leben hat sie bereits weite Gebiete durchstreift, bei Dürren auch die letzten Tränken kennen gelernt. Dank des sprichwörtlich guten Gedächtnisses, das den Elefanten eigen ist, kann sie sich an alle diese Orte sowie die Pfade, die zu ihnen hinführen, erinnern - und vermag so das Überleben ihrer Gruppe auch in Notlagen zu gewährleisten.

Dass für die Weibchen alte Bullen als Väter ihrer Kinder von Vorteil sind, liegt daran, dass diese in ihrem langen Leben ihre Überlebenstüchtigkeit unter Beweis gestellt haben. In ihrem Erbgut besitzen sie offensichtlich optimale Anlagen für ein gutes Langzeitgedächtnis wie für körperliche Fitness. Beides hängt nicht notwendigerweise mit Grösse und Kraft zusammen...

 

Halbierte Population

Die Verdrängung aus den angestammten Lebensräumen durch die stark anwachsende und sich ausweitende afrikanische Bevölkerung ist der eine wesentliche Faktor, unter dem die Steppenelefanten in der jüngeren Vergangenheit gelitten haben. Der andere ist der Abschuss der Tiere zur Gewinnung von Elfenbein, Elefantenleder und Trophäen. Zusammen haben sie bewirkt, dass die Gesamtpopulation der Steppenelefanten allein zwischen 1980 und heute mehr als halbiert worden ist - von rund 1,3 Millionen Tieren auf unter 600 000.

In einigen Ländern ist der Prozentsatz sogar noch bedenklicher. Zu diesen gehört auch Mosambik: Der lokale Elefantenbestand ist von rund 55 000 Individuen im Jahr 1980 auf heute zwischen 15 000 und 20 000 gefallen, was noch rund 25 bis 35 Prozent des 1980er-Bestands entspricht. Schuld an diesem starken Bestandsrückgang sind die während der 1970er- und 1980er-Jahre in Mosambik wütenden Bürgerkriegswirren, welche den Vollzug der Naturschutzgesetze in den meisten Landesteilen praktisch zum Erliegen gebracht hatten.

Der grösste Teil der in Mosambik überlebenden Steppenelefanten ist in den nördlichen Teilen des Landes zu Hause. Der umfangreichste Restbestand, ungefähr 9000 Individuen, findet sich im grossflächigen, an Tansania grenzenden Niassa-Wildschutzgebiet und der darum herum liegenden Pufferzone, auf einer Fläche von insgesamt etwa 42 000 Quadratkilometern (Schweiz: 41 285 km2).

Diese Naturlandschaft ist von den Plünderungen während des Bürgerkriegs einigermassen verschont geblieben und beherbergt deshalb weiterhin recht gesunde Bestände der meisten Grosssäugetierarten, welche für diese südostafrikanische Region typisch sind. Derzeit ist eine touristische Infrastruktur im Niassa-Wildschutzgebiet erst in Ansätzen vorhanden. Das Potenzial für die touristische Nutzung dieser herrlichen Naturlandschaft ist aber zweifellos gross. Umsichtig und schonend gehandhabt würde der Tourismus nicht nur zur Gesundung der Staatskasse beitragen, sondern durch vielfältige Verdienstmöglichkeiten auch zur Hebung des Lebensstandards der örtlichen Bevölkerung. Beides hätte zweifellos positive Auswirkungen für die ansässigen Steppenelefanten wie auch für ihre zahlreichen tierlichen Leidensgenossen.

 

 

Kasten

Der Grosse Limpopo-Transfrontierpark

Die Steppenelefanten stehen derzeit im Zentrum des wohl aufwändigsten Naturschutzprojekts, das gegenwärtig in Afrika durchgeführt wird. Die Rede ist von der Schaffung des Grossen Limpopo-Transfrontierparks (Great Limpopo Transfrontier Park»), eines grenzüberschreitenden, 35 000 Quadratkilometer grossen Naturschutzgebiets im Dreiländereck Südafrika/Simbabwe/Mosambik. Der Krüger-Nationalpark bildet dessen südafrikanischen Teil, der Gonarezhou-Nationalpark den simbabwischen und das Coutada-Wildnutzungsgebiet den mosambikanischen.

Der Grosse Limpopo-Transfrontierpark soll zukünftig als Einheit geführt werden. Die Grenzzäune sind bereits entfernt, was ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass die drei beteiligten Regierungen festen Willens sind, in friedvoller Zusammenarbeit den natürlichen Reichtum in dieser Grenzregion für die Nachwelt zu bewahren und ihn gleichzeitig in Form eines massvollen Tourismus zu nutzen.

Das gewiss auffälligste Teilprojekt in der jetzigen Startphase ist die Wiederbevölkerung des mosambikanischen Parkteils mit Wildtieren aller Art, denn deren Bestände waren während des langjährigen, bis 1992 dauernden Bürgerkriegs fast vollständig vernichtet worden. Nicht zuletzt sollen im Verlauf der nächsten zwei Jahre 1000 Elefanten vom südafrikanischen Teil des Transfrontierparks (wo eine Überpopulation existiert) in den mosambikanischen Teil übersiedelt werden.

Der Anstoss für alle diese naturschützerischen Aktivitäten im Dreiländereck Südafrika/Simbabwe/Mosambik kam zur Hauptsache von der 1997 gegründeten Peace Parks Foundation, einer Stiftung mit Sitz in Südafrika, welche grenzübergreifende Naturschutzgebiete in Afrika nicht nur als einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität, sondern auch zur Friedensförderung zwischen den Staaten betrachtet.

Patron der Stiftung ist Prinz Bernhard der Niederlande (*1911), der von 1961 bis 1977 amtierende Gründungspräsident des Weltnaturfonds (WWF). Er war im Oktober 2001 persönlich vor Ort, als die ersten sieben Elefanten im mosambikanischen Teil des Grossen Limpopo-Transfrontierparks in die Freiheit entlassen wurden, um dort den Kern einer neuen Elefantengesellschaft zu bilden.

 

 

Sonderblatt

SKH Prinz Bernhard und der Grosse Limpopo-Transfrontierpark

Der Grosse Limpopo-Transfrontierpark («Great Limpopo Transfrontier Park») ist ein neu geschaffenes Naturschutzgebiet im Dreiländereck Südafrika/Simbabwe/Mosambik. Der grenzüberschreitende Park, durch den der wasserreiche Limpopo fliesst, vereint die vielfältigen Naturlandschaften des südafrikanischen Krüger-Nationalparks, des simbabwischen Gonarezhou-Nationalparks und des mosambikanischen Limpopo-Nationalparks. Er weist heute eine Gesamtfläche von 35 000 Quadratkilometern auf und soll mit der Zeit sogar auf 100 000 Quadratkilometer anwachsen (vgl. Karte). Die Einweihung des Grossen Limpopo-Transfrontierparks fand im April 2002 statt - anlässlich der Entfernung der Grenzzäune zwischen Südafrika und Mosambik.

Prinz Bernhard der Niederlande hat bei der Schaffung des Grossen Limpopo-Transfrontierparks eine wesentliche Rolle gespielt, denn er ist Mitgründer und Patron der Stiftung für Friedensparks («Peace Parks Foundation»), einer Organisation mit Sitz in Südafrika, die sich für die Schaffung grenzüberschreitender Naturschutzgebiete in von politischen Spannungen geprägten Regionen Afrikas einsetzt und so zur Erhaltung der Biodiversität einerseits und zur Friedensförderung andererseits beitragen will.

Dank einer Spende von 200 000 US-Dollar, welche Prinz Bernhard anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2001 im Namen von 773 000 Mitgliedern des Welt Natur Fonds Niederlande entgegennehmen durfte, konnte der entscheidende Schritt zur Verwirklichung des Grossen Limpopo-Transfrontierparks unternommen werden. Mit ihrer Hilfe war es nämlich möglich, im mosambikanischen Parkteil (der damals noch Coutada-16-Wildnutzungsgebiet hiess) ein wirksames Bewachungssystem aufzubauen. Durch das ehrgeizige Projekt eröffnet sich nicht nur vielen hundert Savannenelefanten, die bis anhin in zu grosser Bestandsdichte im Krüger-Nationalpark gelebt haben, eine neue Heimat. Auch die schwache Wirtschaft Mosambiks erhält einen wertvollen Schub, denn die (schonend gehandhabte) touristische Nutzung dieser herrlichen Naturlandschaft wird zukünftig nicht nur zur Gesundung der Staatskasse beitragen, sondern durch vielfältige Verdienstmöglichkeiten auch zur Hebung des Lebensstandards der örtlichen Bevölkerung.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Prinz Bernhard mit grossem Engagement für das Wohlergehen der Afrikanischen Elefanten eingesetzt hat. In den 1980er Jahren, nachdem die Elfenbeinwilderei in Afrika ein erschreckendes Ausmass angenommen hatte, sah sich der WWF gezwungen, ein vollständiges Verbot des Elfenbeinhandels auf globaler Ebene zu erwirken. Dies gelang 1989 tatsächlich - und zwar nicht zuletzt dank Prinz Bernhard, der dem WWF damals wichtige Türen zu öffnen vermocht hatte.

Hans Voortman, der Direktor des Welt Natur Fonds Niederlande, hat anlässlich des 90. Geburtstags von Prinz Bernhard dessen bewundernswertes Engagement mit den Worten gewürdigt: «Noch immer fühlt sich Prinz Bernhard dem Schutz der Natur auf globaler Ebene stark verpflichtet, und er lässt nicht ab, sich persönlich dafür einzusetzen. Sein diplomatisches Geschick, sein Charme und sein warmherziger Einsatz bewirken, dass er auch auf höchster Ebene Wohlwollen für die Anliegen des Naturschutzes gewinnt.»

 

Legenden

Der Steppenelefant (Loxodonta africana africana), eine von zwei Rassen des Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), ist das grösste Landtier unseres Planeten. Die durchschnittliche Schulterhöhe bemisst sich bei den Männchen auf 3,2 Meter, bei den Weibchen auf 2,5 Meter. Die Hautfarbe der Kolosse ist ein stumpfes Graubraun. Da sie aber gerne Schlamm- und Staubbäder nehmen, entspricht ihre Färbung gewöhnlich der Farbe des Bodens in ihrem Wohngebiet.

Die Steppenelefanten bewohnen - ihrem Namen zum Trotz - alle möglichen offenen Landschaften südlich der Sahara: von Feuchtgebieten über Baumsavannen und Heidegegenden bis hin zu Halbwüsten. 200 bis 300 Kilogramm Pflanzenmaterial verzehren die erwachsenen Steppenelefanten jeden Tag, wobei sie wenig wählerisch sind und fast alles zu sich nehmen, was ihnen vor den Rüssel kommt, namentlich Gräser, Blätter, Äste, Wurzeln, Knollen, Rinden und Früchte.

Die Steppenelefanten-Gesellschaft besteht aus sehr stabilen Weibchengruppen einerseits und losen Junggesellentrupps und einzelgängerischen Männchen andererseits. Eine Weibchengruppe (Bild) umfasst zumeist mehrere miteinander verwandte Kühe und deren Nachkommen in verschiedenen Altersstufen. Stets werden sie von einem älteren, erfahrenen Weibchen angeführt, der «Leitkuh» oder «Matriarchin». Deren Ortskenntnis ist für das Überleben der Gruppe beispielsweise während Dürreperioden von grösstem Wert.

Die Steppenelefantenkälber wiegen bei der Geburt ungefähr hundert Kilogramm und sind etwa einen Meter hoch. Bis zum Alter von mindestens zwei Jahren werden sie gesäugt. Beim Saugen heben sie den Rüssel über den Kopf, um direkt mit dem Mund von einer der beiden brustständigen Zitzen ihrer Mutter zu trinken. Die Lebenserwartung in der freien Wildbahn liegt bei maximal etwa siebzig Jahren.




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