Streifenschakal
Canis adustus
© 2003 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Ganz genau werden wir es wohl nie wissen, aber es
deutet alles darauf hin, dass der Mensch den Wolf (Canis lupus)
schon von über 40 000 Jahren an sich gebunden und in seiner
Obhut weitergezüchtet hat. Der Wolf dürfte somit das
erste Wildtier gewesen sein, das zum Haustier wurde. Heute bildet
der domestizierte Nachfahre des Wolfs, der Haushund, neben der
Hauskatze, also der domestizierten Nachfahrin der Wildkatze (Felis
silvestris), den am weitesten verbreiteten tierlichen Gefährten
des Menschen: Er kommt überall vor, wo der Mensch siedelt.
Insgesamt, als Sippe, haben auch die wild lebenden
Verwandten des Haushunds - die sieben Mitglieder der Gattung
Canis - ein sehr ausgedehntes Verbreitungsgebiet. Man
findet sie in weiten Bereichen Afrikas, Europas, Asiens sowie
Nord- und Mittelamerikas. Das Zentrum ihrer Artenvielfalt liegt
in Afrika, wo vier Arten vorkommen. Davon am seltensten ist der
Abessinische Schakal oder «Abessinische Fuchs» (Canis
simensis): Er kommt ausschliesslich in zwei Gebirgsgegenden
Äthiopiens vor. Häufiger sind die drei übrigen
Schakale: Der Goldschakal (Canis aureus) kommt im nördlichen
und östlichen Afrika vor, ferner in Südosteuropa, Vorder-,
Mittel- und Südasien sowie auf der Arabischen Halbinsel.
Der Schabrackenschakal (Canis mesomelas) ist in den offenen
Savannen und Halbwüsten des östlichen und südlichen
Afrikas heimisch, vom Sudan und Somalia südwärts bis
zum Kapland. Der Streifenschakal (Canis adustus) schliesslich,
von dem auf diesen Seiten berichtet werden soll, ist über
ganz Afrika südlich der Sahara verbreitet und bewohnt zur
Hauptsache gehölzreiche Gebiete.
Ein Wildhund mit Seitenstreifen
Der Streifenschakal ist ein mittelgrosser Wildhund.
Er weist eine Schulterhöhe von ungefähr 45 Zentimetern,
eine Kopfrumpflänge von etwa 65 Zentimetern und ein Gewicht
von normalerweise acht bis zwölf Kilogramm auf. Männchen
und Weibchen sind praktisch gleich gross, doch wiegen die Männchen
im Durchschnitt etwas mehr als die Weibchen.
Innerhalb seines Verbreitungsgebiets meidet der Streifenschakal
die offenen Savannen und Halbwüsten - den bevorzugten Lebensraum
des Schabrackenschakals - ebenso wie dichte, ausgedehnte Waldungen,
weshalb er in den äquatorialen Regenwaldgebieten West- und
Zentralafrikas nicht anzutreffen ist. Seine Vorliebe für
mit Büschen und Bäumen bestandene Savannen und lichte
Waldungen spiegelt sich in seinem Vorkommen südlich der
Sahara wieder. Wo diese Vegetationsformen existieren, gibt es
auch den Streifenschakal. Im südlichen Afrika befindet sich
die Grenze des Artverbreitungsgebiets in der südafrikanischen
Provinz Natal. Nördlich hiervon ist der Streifenschakal
in der südafrikanischen Provinz Transvaal sowie in Mosambik
und Simbabwe weit verbreitet, kommt jedoch in Namibia nur marginal
und in Botsuana nur in den feuchteren Bereichen wie dem Okavango-Delta
vor. In grösseren Beständen findet man ihn wiederum
in Malawi, Sambia, Tansania und Angola, ferner in den südlichen,
östlichen und westlichen Teilen von Kongo-Kinshasa und im
südlichen Gabun. Auch im zentralen und südlichen Kenia,
im südwestlichen und südöstlichen Uganda, im südlichen
Sudan, im zentralen Äthiopien und in der Zentralafrikanischen
Republik ist er recht häufig. In Westafrika ist sein Vorkommen
nicht genau bekannt, doch scheint er westwärts bis Senegal
heimisch zu sein. In Nigeria, dem Ausgabeland der vorliegenden
Briefmarken, wurde er bislang nur in den nördlichen Bereichen
des Landes, nördlich der Benue-Senke, verzeichnet.
Die erwachsenen Streifenschakale gehen feste Paarbeziehungen
ein. Jedes Paar besetzt ein klar begrenztes Territorium, aus
dem es nach Möglichkeit sämtliche Artgenossen fernhält.
Aktiv sind die mittelgrossen Wildhunde fast ausschliesslich nachts;
tagsüber ruhen sie in einem sicheren Unterschlupf, etwa
unter einem umgestürzten Baum, zwischen Felsblöcken
oder im verlassenen Bau eines Erdferkels (Orycteropus afer).
Man kann ihnen zu allen Nachtstunden begegnen, besonders rege
sind sie jedoch in den ersten Stunden der Dunkelheit und dann
wieder in den Stunden vor der Morgendämmerung. Gelegentlich
zeigen sie sich auch während der Dämmerung, nur in
seltenen Fällen hingegen vor bzw. nach derselben.
Die nächtlichen Streifzüge unternimmt das
Paar nicht gemeinsam, sondern Männchen und Weibchen ziehen
getrennt umher. Zumeist stöbern sie im Schritttempo kreuz
und quer durch ihr Territorium, streckenweise bewegen sie sich
aber auch im gemächlichen Trab fort. Im Verlauf einer Nacht
legen sie etwa fünfzehn bis zwanzig Kilometer zurück.
Im Vergleich zum Schabrackenschakal ist der Streifenschakal
wenig stimmfreudig. Hin und wieder äussern aber Männchen
wie Weibchen während ihrer nächtlichen Streifzüge
ein charakteristisches, klagendes Kläffen. Es ist anzunehmen,
dass diese Lautgebung einerseits dem Paarzusammenhalt, andererseits
dem Fernhalten von Artgenossen dient.
Ein Früchte liebendes Raubtier
Die Hundefamilie (Canidae) gehört innerhalb des
Systems der Tiere - zusammen mit der Familie der Marder (Mustelidae),
der Kleinbären (Procyonidae), der Grossbären (Ursidae),
der Schleichkatzen (Viverridae), der Hyänen (Hyaenidae),
der Katzen (Felidae) und weiteren - zur Ordnung der Raubtiere
(Carnivora). Während der deutsche Name der Ordnung verunglimpfend
ist, weil diese Tiere gewiss keine Räuber sind, ist der
wissenschaftliche Name der Ordnung, welcher «Fleischesser»
bedeutet, schlicht unzutreffend. Reine Fleischesser sind nämlich
nur wenige Vertreter der Ordnung, darunter manche Katzenarten
und der Eisbär (Ursus maritimus). Die meisten «Fleischesser»,
so auch der Streifenschakal, sind hingegen ausgeprägte Gemischtköstler,
deren Nahrung zu einem erheblichen Teil aus pflanzlichen Stoffen
besteht. Einzelne «Fleischesser», wie der Grosse
Panda (Ailuropoda melanoleuca), sind sogar Vegetarier.
Bei einer Feldstudie in Simbabwe zeigte sich, dass
die Streifenschakale Früchte besonders schätzten. Anlässlich
ihrer nächtlichen Streifzüge wendeten sie mehr Zeit
für die Suche nach Früchten auf als für das Aufspüren
von Beutetieren. Vier Fruchtarten waren lokal besonders beliebt:
die Mobola-Pflaume (Parinari curatellifolia), die Schokoladenbeere
(Vitex payos), die Natal-Feige (Ficus natalensis)
und die Wasserbeere (Syzigium guineense). Wenn sich ihnen
die Gelegenheit bot, erwiesen sich die Streifenschakale allerdings
als geschickte Jäger. Kleinere Säugetiere, insbesondere
Nager, fielen ihnen am häufigsten zum Opfer. Das grösste
Tier, das sie zu erlegen vermochten, war der bis etwa fünf
Kilogramm schwere Kaphase (Lepus capensis). Gerne verzehrten
die wendigen Wildhunde ferner Insekten, besonders Heuschrecken,
Käfer und Termiten, sowie Eier und Nestlinge von am Boden
brütenden Vogelarten wie dem Helmperlhuhn (Numida meleagris).
Auch kleine Reptilien, darunter junge Schildkröten, wurden
hin und wieder verzehrt. Aas verschmähten die Streifenschakale
zwar ebenfalls nicht; es machte jedoch einen geringen Teil ihrer
Nahrung aus.
Die bei uns vorherrschende Meinung, alle Schakale
seien Aasesser, erweist sich somit als falsch. Der Streifenschakal
ist - wie übrigens auch seine Vettern - ein tüchtiger
Jäger und emsiger Sammler, der sich Nacht für Nacht
mit grossem Geschick eine sehr abwechslungsreiche Kost zusammenstellt.
Ein Afrikakenner meinte hinsichtlich unserer irrigen Vorstellung
einst treffend: «Der Tourist in Ostafrika, der bis um neun
frühstückt, hat halt wenig Aussicht, diesen flinken
Stöberern und Jägern bei ihrer faszinierenden Aktivität
in den kühlen Nacht- und Morgenstunden zuzusehen. Später
ist es aber den Schakalen für den Pirschgang zu heiss. Dann
trifft er sie höchstens noch dabei, wie sie sich an der
Mahlzeit eines Löwenrudels beteiligen. Und schon denkt er
sich, es wären Aasfresser, was aber völlig falsch ist.»
Erdferkelbau als Kinderstube
Das Fortpflanzungsgeschehen ist beim Streifenschakal
- besonders im südlichen Afrika - saisonal geprägt:
Die Paarungen finden gewöhnlich in den Monaten Juli bis
September, also im südlichen Vorfrühling, statt. Nach
einer Tragzeit, die mit ungefähr zwei Monaten ähnlich
lang dauert wie beim Haushund, bringt das Weibchen einen Wurf
von zumeist vier bis sechs Welpen zur Welt. Für die Geburt
zieht es sich in eine Erdhöhlung, meistens einen verlassenen
Erdferkelbau, zurück, den es zuvor nach seinen Bedürfnissen
erweitert hat. Dazu zählt vor allem das Anlegen einer zweiten
Röhre als «Notausgang». Aus Sicherheitsgründen
wählt es stets einen Bau, dessen Eingang in dichtem Pflanzenwuchs
verborgen und dessen Kammer mindestens zwei Meter vom Eingang
entfernt liegt.
Das Weibchen säugt seinen Wurf während acht
bis zehn Wochen. In den ersten Wochen bleiben die Jungtiere ständig
in der Wurfkammer. Später krabbeln sie tagsüber gern
zum Eingang, um sich an der Sonne zu wärmen, und in der
Folge auch, um dort miteinander zu spielen und die nähere
Umgebung zu erforschen. Das Weibchen verhält sich während
der Jungenaufzucht ausgesprochen vorsichtig, um etwaigen Fressfeinden
keine Hinweise auf seinen Nachwuchs zu geben. Insbesondere streckt
es jeweils sachte seinen Kopf hervor und überwacht geraume
Zeit die Umgebung, bevor es aus dem Bau steigt. Ausserdem bewegt
es sich stets ein gutes Stück weit langsam und geduckt im
Schutz der Vegetation vom Bau weg bzw. zu diesem hin. Halten
sich die Jungen im Eingangsbereich des Baus oder davor auf, so
legt es sich gut versteckt in der Nähe hin und beobachtet
aufmerksam die Umgebung, denn die Welpen sind für viele
Beutegreifer, darunter Pythons, Warane, Adler, Katzen und Hyänen,
ein «gefundenes Fressen».
Ab etwa der fünften Lebenswoche erhalten die
jungen Streifenschakale feste Nahrung als Ergänzung zur
Muttermilch. Zu diesem Zeitpunkt beginnt auch das Männchen,
das sich während der ersten Lebenswochen seiner Jungen kaum
blicken liess, zur Aufzucht der Welpen beizutragen, indem es
Nahrung für sie herbeiträgt.
Hilfreiche Jungerwachsene
Die Jungschakale wachsen rasch heran und erreichen
schon mit acht bis zehn Monaten die Geschlechtsreife. Gewöhnlich
bleiben sie allerdings mindestens elf Monate lang bei ihren Eltern,
machen sich also erst selbstständig, kurz bevor die Mutter
ihren nächsten Wurf zur Welt bringt. Sie wandern dann weg
und ziehen eine Weile nomadisch umher, bis sie schliesslich auf
einen günstigen Ort treffen, an dem sie ein eigenes Territorium
einrichten können.
Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass die jungerwachsenen
Nachkommen mitunter noch ein oder zwei Jahre lang im Territorium
ihrer Eltern verweilen und sogar zur Aufzucht ihrer jüngeren
Geschwister beitragen. Dieses Verhalten ist gut bekannt vom Schabrackenschakal,
der weit besser erforscht ist als der Streifenschakal. Und wir
kennen es auch von anderen Mitgliedern der Hundefamilie, darunter
dem Rotfuchs (Vulpes vulpes).
Biologisch gesehen macht dieses Verhalten durchaus
Sinn, denn die natürliche Sterblichkeitsrate ist sowohl
unter den Welpen als auch unter den herumziehenden Jungerwachsenen
recht hoch. Dürfen die Jungerwachsenen noch ein Jahr im
Territorium ihrer Eltern bleiben, so ist ihre Über-lebenschance
grösser, und tragen sie zur Ernährung und zur Bewachung
der Welpen bei, so haben auch diese eine bessere Überlebenschance.
Da eine Schakalfamilie als eine «genetische Gemein-schaft»
betrachtet werden kann, bilden die ungewöhnliche Toleranz
der Eltern gegenüber ihren jungerwachsenen Nachkommen und
das selbstlose Mitwirken der Jung-erwach-senen bei der Aufzucht
des nächsten mütterlichen Wurfs geeignete Strategien,
um den familiären Fortpflanzungserfolg - und damit die Vermehrung
des gemeinschaftlichen Erbguts - zu optimieren.
Auf Staupe anfällig
Noch ist der Streifenschakal ein weit verbreiteter
Wildhund. Seine Bestände sind aber nirgendwo besonders dicht.
Das hat zum einen mit der (für Raubtiere typischen) gesellschaftlichen
Ordnung zu tun, bei der jedes Schakalpaar ein grossflächiges
Grundstück zur alleinigen Nutzung beansprucht. Zum anderen
ist es - zumindest regional - darauf zurückzuführen,
dass er wie alle Schakale bei den afrikanischen Farmern im Ruf
steht, nachts zu stehlen, was immer er vorfindet, und deshalb
vielerorts nach Möglichkeit abgeschossen, in Fallen erlegt
oder mit Ködern vergiftet wird.
Schwer scheint im Übrigen zu wiegen, dass der
Streifenschakal auf die Staupe anfällig ist, eine ansteckende,
gewöhnlich tödlich verlaufende Viruserkrankung, welche
schon bei verschiedenen Wildhundearten, so auch beim heute vom
Aussterben bedrohten Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus),
zu markanten Bestandseinbrüchen geführt hat. In einigen
Regionen leiden die Streifenschakale ferner unter der durch Haushunde
eingeschleppten und verbreiteten Tollwut. Zwar gilt der Streifenschakal
derzeit nicht als in seinem Bestand gefährdet. Angesichts
der genannten «Schadfaktoren» ist es aber gewiss
angebracht, die Entwicklung seiner Bestände im Auge zu behalten.
Legenden
Der Streifenschakal (Canis adustus) ist ein
mittelgrosses Mitglied der Hundefamilie (Canidae): Männchen
wie Weibchen weisen eine Schulterhöhe von ungefähr
45 Zentimetern, eine Kopfrumpflänge von etwa 65 Zentimetern
und ein Gewicht von normalerweise acht bis zwölf Kilogramm
auf. Ihren Namen verdankt die Art dem mehr oder weniger scharf
abgegrenzten weiss-schwarzen Streifen, der auf jeder Körperseite
vom Ellbogen schräg aufwärts bis zur Hüfte reicht.
Aas verschmäht der Streifenschakal zwar nicht
(links). Es macht aber einen geringen Teil seiner Nahrung aus.
Zur Hauptsache ernährt sich der schlanke Wildhund von Früchten
und anderen pflanzlichen Stoffen sowie von selbst erlegten Kleintieren.
Er ist ein typischer «Stöberer», der bei der
Nahrungssuche kreuz und quer durch sein Revier streift und sich
dabei mit grossem Geschick eine sehr abwechslungsreiche Kost
zusammenstellt (unten).
Die erwachsenen Streifenschakale gehen feste Paarbeziehungen
ein, die gewöhnlich bis zum Tod des einen oder anderen Partners
dauert. Jedes Paar besetzt ein klar begrenztes Territorium, aus
dem es nach Möglichkeit sämtliche Artgenossen fernhält.
Die jungen Streifenschakale kommen nach einer Tragzeit
von ungefähr zwei Monaten in einem sicheren Erdbau zur Welt.
Sie werden von beiden Eltern betreut und bleiben mindestens elf
Monate lang in deren Gesellschaft. Ihre Lebenserwartung liegt
unter natürlichen Verhältnissen bei zehn bis zwölf
Jahren.
Streifenschakale sind zwar in Afrika südlich
der Sahara weit verbreitet. Zu sehen bekommt man sie jedoch selten,
denn sie sind fast ausschliesslich nachts rege, und tagsüber
ruhen sie meistens in einem sicheren Unterschlupf, etwa in einem
verlassenen Erdferkelbau oder unter einem umgestürzten Baum.
Die vorliegende Fotografie, aufgenommen im Ngorongoro-Krater
in Tansania, ist also eher ungewöhnlich.
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