Gelbes Totenkopfäffchen

Saimiri oerstedii


© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)



Das Gelbe Totenkopfäffchen (Saimiri oerstedii), das in Anlehnung an seinen englischen Namen auch Rotrücken-Totenkopfäffchen und mit Blick auf sein Vorkommen Mittelamerikanisches Totenkopfäffchen genannt wird, gehört innerhalb der Ordnung der Primaten (Primates) zu den Neuweltaffen (Platyrrhini) und da zur Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae).

Zwar ist das Gelbe Totenkopfäffchen ein recht kleines Mitglied der Primatenordnung. Innerhalb seiner Familie zählt es aber zu den grösseren: Die Männchen wie die Weibchen weisen durchschnittlich eine Kopfrumpflänge von etwa 27 Zentimetern auf. Die Männchen sind allerdings etwas kräftiger gebaut und wiegen gewöhnlich 750 bis 950 Gramm gegenüber 600 bis 800 Gramm bei den Weibchen. Der nicht greiffähige Schwanz ist meist 36 bis 40 Zentimeter lang.

Das Verbreitungsgebiet des Gelben Totenkopfäffchens ist recht klein: Es kommt einzig im Süden der mittelamerikanischen Landbrücke vor, und zwar auf der zum Pazifik hin geneigten Seite Costa Ricas und Westpanamas. Dort bewohnt es die wenigen verbleibenden Waldgebiete in Lagen unterhalb von 500 Metern ü.M.

Wie alle Neuweltaffen ist das Gelbe Totenkopfäffchen ein baum- und strauchlebendes Klettertier. Die meiste Zeit verbringt es in den unteren und mittleren Waldetagen. Es ist ein tagaktiver Allesesser. Der Hauptteil seiner Kost besteht aus Insekten und Früchten. Daneben verspeist es kleine Wirbeltiere, Blüten und deren Nektar, Rindensaft, Knospen, Samen und Blätter. Unter den Insekten zeigt es eine deutliche Vorliebe für weichhäutige Raupen und Heuschrecken, unter den Früchten für kleine, weiche, beerenartige Sorten.

Die Gelben Totenkopfäffchen leben gesellig in Gruppen. Diese setzen sich aus etwa gleich vielen Männchen wie Weibchen zusammen und haben eine Grösse von bis zu 60 (durchschnittlich 23) Individuen, womit sie zu den grössten stabilen Verbänden unter allen Neuweltaffen gehören. Jede Gruppe bewegt sich in einem 40 bis 200 Hektaren grossen Streifgebiet umher, wobei die Streifgebiete benachbarter Gruppen erheblich überlappen. Weder zwischen den Männchen noch zwischen den Weibchen besteht eine erkennbare Rangordnung, und dementsprechend kommen Rangkämpfe oder andere Streitigkeiten sehr selten vor.

Die Paarungszeit ist bei den Gelben Totenkopfäffchen klar definiert: Sie fällt normalerweise in die Monate September und Oktober. Nach einer Tragzeit von knapp fünf Monaten bringen die Weibchen jeweils Einzelkinder zur Welt. Diese stehen in ihrem ersten Lebensmonat in ständigem Körperkontakt mit ihrer Mutter: Während der ersten Tage klammern sie sich an ihrem Bauch fest; später reiten sie auf ihrem Rücken. Die Männchen in der Gruppe spielen bei der eigentlichen Betreuung der Jungen keine nennenswerte Rolle. Sie sind jedoch überaus wachsam und beschützen die Jungen mutig gegenüber Fressfeinden wie Schlangen, Greifvögeln und Wildkatzen.

Im Alter von etwa vier Monaten werden die Jungen entwöhnt. In diesem Alter sind sie bereits eigenständig: Sie können mit der Gruppe Schritt halten und sich selbst verpflegen. In der freien Wildbahn können die Gelben Totenkopfäffchen ein Alter von bis zu zwanzig Jahren erreichen.

Das Gelbe Totenkopfäffchen scheint zu keiner Zeit ein grosses Verbreitungsgebiet gehabt zu haben. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kam es aber im pazifiknahen Tiefland Costa Ricas und Westpanamas ziemlich weit verbreitet und häufig vor. Leider ist der ihm zur Verfügung stehende Lebensraum seither stark geschrumpft, und zwar durch die Umwandlung von Waldländern zu Viehweiden sowie Bananen-, Zuckerrohr- und anderen Plantagen.

In der Vergangenheit wurden im Übrigen zahlreiche Gelbe Totenkopfäffchen eingefangen und für den internationalen Handel mit Heim- und Zootieren exportiert. Heute ist die Art in Anhang I der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) aufgeführt, was bedeutet, dass jeglicher kommerzielle internationale Handel mit den Tieren untersagt ist. Es ist diesem Abkommen zu verdanken, dass seit vielen Jahren kein Export Gelber Totenkopfäffchen aus Costa Rica und Panama mehr stattgefunden hat.

Gemäss neueren Bestandsschätzungen ist die Gesamtpopulation des Gelben Totenkopfäffchens in der freien Wildbahn wahrscheinlich auf unter 5000 Individuen gesunken - und sie schwindet weiter. Die Art gilt deshalb als vom Aussterben bedroht. In Panama kommen die meisten Gruppen in kleinen bis sehr kleinen, isolierten Waldstücken vor und haben eine sehr unsichere Zukunft. Längerfristig die beste Überlebenschance hat wohl jener kopfstarke Bestand, welcher im 550 Quadratkilometer grossen, gut geschützten Corcovado-Nationalpark an Costa Ricas Südwestküste zu Hause ist.




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