Tüpfelhyäne

Crocuta crocuta


© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)




Artwork © Owen Bell



Die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta) ist das grösste Mitglied der nur vier Arten umfassenden Familie der Hyänen (Hyaenidae). Erwachsene Individuen weisen im Allgemeinen eine Kopfrumpflänge von 110 bis 150 Zentimetern, eine Schulterhöhe von 70 bis 85 Zentimetern und ein Gewicht von 45 bis 65 Kilogramm auf, wobei die Weibchen im Durchschnitt etwas grösser und schwerer sind als die Männchen.

Das Verbreitungsgebiet der Tüpfelhyäne erstreckt sich über praktisch sämtliche Regionen Afrikas südlich der Sahara. Das Spektrum der von ihr bewohnten Lebensräume ist überaus weit und reicht von kargen Halbwüsten über offene Waldländer und Savannen bis hin zu Sumpfländern und zu Bergwäldern in 4000 Metern Höhe ü.M.

Ihrem Ruf als Aasesserin zum Trotz ist die Tüpfelhyäne in erster Linie eine tüchtige Grosswildjägerin, welche im Durchschnitt rund 85 Prozent ihrer Nahrung eigenständig erbeutet. Zum Opfer fallen ihr vor allem Antilopen aller Art, ferner Warzenschweine und Zebras sowie die Jungtiere von Kaffernbüffeln, Giraffen, Flusspferden und Nashörnern. Allerdings ist sie wenig wählerisch und nimmt bei Gelegenheit auch erheblich kleinere Tiere sowie diverse pflanzliche Stoffe zu sich, ferner Tierleichen, wenn sie solche vorfindet, und im Umfeld menschlicher Siedlungen sogar Abfälle. Solche Dinge bilden aber stets nur «Beikost».

Auf die Jagd gehen die Tüpfelhyänen gewöhnlich nachts, und zwar einzeln oder in kleinen Trupps von zwei bis fünf Individuen. In den meisten Fällen betreiben sie Hetzjagd. Diese beginnt oft damit, dass die kräftigen Hyänen in mässigem Tempo auf eine Gruppe von Huftieren zurennen, das Verhalten der einzelnen Individuen beobachten, sich dann ein günstiges Opfer - oftmals ein jüngeres, krankes oder verletztes Tier - aussuchen und dieses in der Folge hetzen, bis es erschöpft ist.

Die Tüpfelhyänengesellschaft beruht auf «Clans», welche zwischen drei und neunzig erwachsene Individuen beiderlei Geschlechts und deren Nachkommen umfassen. Jeder Clan hält ein Territorium besetzt und gibt seinen Grundbesitzanspruch gegenüber benachbarten und fremden Artgenossen mittels Rufen sowie Duftmarken kund.

Eine klare Rangordnung prägt das soziale Leben im Clan, wobei selbst die rangtiefsten Weibchen höher eingestuft sind als die ranghöchsten Männchen. Dies ist unter anderem darum sinnvoll, weil hochrangige Clanmitglieder vorrangig Zugang zu Nahrung haben. In mageren Zeiten hungern also zunächst die Männchen, welche für den Erhalt des Clans von geringerer Bedeutung sind als die Weibchen.

Das Zentrum der Tüpfelhyänengesellschaft ist die gemeinschaftliche Wurfhöhle - ein Erdbau, der zumeist aus einem Wirrwarr von Löchern und unterirdischen Gängen besteht. Ihre Wurfhöhlen graben die Tüpfelhyänen allerdings nicht selbst, sondern sie übernehmen die verlassenen Baue von Warzenschweinen (Phacochoerus africanus), Erdferkeln (Orycteropus afer) und anderen tierlichen «Baumeistern».

Die jungen Tüpfelhyänen kommen nach einer Tragzeit von knapp vier Monaten zumeist einzeln oder zu zweit auf die Welt. Sie haben anfangs ein schwarzes Fell. Erst nach anderthalb Monaten werden sie heller, zunächst am Kopf. Danach erscheint das arttypische Tüpfelmuster. Mit etwa neun Monaten sind sie schliesslich kleine Ebenbilder ihrer Eltern.

Bis zum Alter von acht bis zwölf Monaten bleiben die jungen Tüpfelhyänen dem gemeinschaftlichen Bau treu und flüchten schon bei der geringsten Beunruhigung tief in dessen Inneres hinein. Bis zu diesem Alter werden sie vornehmlich mit Muttermilch ernährt. In der Folge streifen sie in Gesellschaft ihrer Mutter in der näheren und bald auch weiteren Umgebung umher, erhalten zunehmend feste Nahrung vorgesetzt und erlernen nach und nach das Handwerk des Beutegreifens. Im Alter von 14 bis 18 Monaten können sie sich schliesslich selbstständig ernähren und werden dann entwöhnt.

Die jungen Weibchen bleiben zeitlebens in ihrem Geburtsclan und nehmen in der Hierarchie jeweils den Rang direkt hinter ihrer Mutter ein. Die jungen Männchen hingegen verlassen im Alter von zwei bis drei Jahren, wenn sie die Geschlechtsreife erlangt haben, ihren Geburtsclan und suchen nach einem anderen Clan, dem sie sich anschliessen können. Gelingt ihnen dies, so nehmen sie zunächst den allerletzten Platz in dessen Hierarchie ein. In der freien Wildbahn erreichen die Tüpfelhyänen gewöhnlich ein Alter von 12 bis 20 Jahren. In Menschenobhut liegt der Altersrekord bei 41 Jahren.

Tüpfelhyänen greifen höchst selten einen Menschen an. Sie überfallen aber manchmal seine Nutztiere. Aus diesem Grund werden sie in weiten Bereichen ihres Verbreitungsgebiets verfolgt. Dank ihrer grossen Anpassungsfähigkeit an sehr verschiedenartige Lebensumstände kommen die gros­sen Hyänen zwar noch in fast allen afrikanischen Ländern südlich der Sahara vor. Ausserhalb der Nationalparks und anderen Naturschutzgebiete sind ihre Bestände aber inzwischen stark ausgedünnt.




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