Nördlicher Wollkuskus
Phalanger orientalis
© 2002 Markus Kappeler / Groth AG
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection,
Groth AG, Unterägeri)
Drei Säugetiersippen
Die rund 4600 Säugetierarten, welche unseren
Planeten heute bevölkern, werden von den Zoologen aufgrund
der Art, wie sich ihre Keimlinge (Embryonen) entwickeln, in drei
- sehr verschieden grosse - Sippen gegliedert: die Eierlegenden
Säuger (Prototheria), die Beutelsäuger (Methatheria)
und die Höheren Säuger (Eutheria).
Alle drei Sippen stammen von denselben Vorfahren ab,
den so genannten Säugerähnlichen Reptilien (Therapsida).
Diese lebten in der Perm- und Triaszeit, vor rund 270 bis 180
Millionen Jahren. Die Aufspaltung in die drei besagten Sippen
geschah dann im Laufe der Jurazeit, vor 190 bis 140 Millionen
Jahren. Zu jener Zeit beherrschten die Dinosaurier die Erde.
Dieser Konkurrenz waren die frühen Säugetiere nicht
gewachsen. Sie überlebten die Blütezeit der grossen
Echsen als kleine, maus- bis rattengrosse Wesen. Erst vor rund
65 Millionen Jahren schlug mit dem Aussterben der Saurier endlich
ihre Stunde. Explosionsartig entfalteten sie sich und besetzten
in der Folge all die verschiedenen Lebensstätten («ökologischen
Nischen»), die vorher von den Reptilien ausgefüllt
worden waren.
Die artenärmste der drei heutigen Säugetiersippen
sind die Eierlegenden Säuger mit nur einer Ordnung und bloss
drei Arten, welche alle im australischen Raum (Australien, Neuguinea,
Tasmanien) heimisch sind. Es handelt sich um das Schnabeltier
(Ornithorhynchus anatinus) und zwei Ameisenigel, nämlich
den Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus) und den
Langschnabeligel (Zaglossus bruijni). Bei ihnen erfolgt
die Keimlingsentwicklung getrennt vom mütterlichen Körper
in einem weichschaligen Ei, das allerdings von der Mutter in
ihrer Bauchtasche herumgetragen wird (wie später, nach dem
Schlüpfen, auch das Junge). Die Eierlegenden Säuger
gelten als die urtümlichsten der heutigen Säugetiere.
Die artenreichste der drei Säugetiersippen bilden
die Höheren Säuger mit 18 Ordnungen und über 4300
Arten. Hierzu zählen praktisch sämtliche uns vertrauten
Säugetiere, so auch der Mensch. Bei den Höheren Säugern
erfolgt die Embryonalentwicklung innerhalb des mütterlichen
Körpers, genauer in der Gebärmutter (Uterus), einer
Erweiterung des Eileiters. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei
der Mutterkuchen (Plazenta), ein sehr komplexes Organ, das aus
der äusseren Hülle des Keimlings einerseits und der
Gebärmutterwand der Mutter andererseits hervorgeht und welches
das Blutgefässnetz des Embryos an dasjenige seiner Mutter
anschliesst. So vermag die Mutter ihren heranreifenden Keimling
ständig mit allen benötigten Nährstoffen zu versorgen,
kann gleichzeitig die anfallenden «Abfallstoffe»
entsorgen - und ist so in der Lage, ihr Junges bis zu einem recht
fortgeschrittenen Stadium in ihrem Körperinneren herumzutragen.
Bei den Höheren Säugern haben der Schutz und die Ernährung
des keimenden Lebens dank der «Erfindung» des Mutterkuchens
die höchste Vollkommenheit erreicht. Die Höheren Säuger
gelten als die modernsten der heutigen Säugetiere.
Die dritte Säugetiersippe stellen mit 7 Ordnungen
und ungefähr 270 Arten die Beutelsäuger dar. Bei ihnen
verbleibt zwar der Keimling zunächst ebenfalls - gut geschützt
- in der mütterlichen Gebärmutter. Mangels Ausbildung
eines echten Mutterkuchens wird jedoch sein Blutgefässnetz
nicht mit dem der Mutter verbunden. Er ernährt sich zur
Hauptsache vom Inhalt seines Dottersacks, teils auch von Drüsenabsonderungen
der Gebärmutterwand, die er über seine äussere
Keimhülle aufsaugt. Sobald aber sein Dottersack leer ist
und sein Harnsack gefüllt, endet die Entwicklung des Keimlings
innerhalb des mütterlichen Körpers, worauf er in einem
sehr frühen Entwicklungsstadium, gewissermassen noch als
Embryo, geboren wird.
Bei der Geburt ist das Beutelsäugerjunge im Allgemeinen
weniger als ein Gramm schwer. Überraschend weit entwickelt
sind jedoch sein Geruchssinn und seine Vordergliedmassen. Mit
deren Hilfe «kämpft» sich der Winzling von der
Geburtsöffnung durch das Bauchfell der Mutter, bis er eine
Zitze erreicht hat, die sich in der Regel innerhalb einer schützenden
Hauttasche befindet. Dort saugt er sich fest, worauf die Zitze
anschwillt, so dass der früh geborene Keimling förmlich
andockt. Es folgt nun der zweite Teil der Embryonalentwicklung,
diesmal nicht in der mütterlichen Gebärmutter, sondern
im mütterlichen Beutel. Die unmittelbare Verbindung von
Mutter und Kind löst sich erst, wenn der junge Beutelsäuger
ungefähr denselben Entwicklungsstand erreicht hat wie die
Jungen der Höheren Säuger bei ihrer Geburt.
Im australischen Raum zu Hause
Die Keimlingsentwicklung ist bei den Höheren
Säugern zweifellos ausgereifter als bei den Beutelsäugern.
Dies ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Höheren
Säuger beim «Kampf ums Überleben» in den
meisten Teilen der Welt im Vorteil waren. In Afrika, Europa und
Asien haben sie die Beutelsäuger vollständig verdrängt.
In Amerika haben sie sie stark unterdrückt: Nur gerade siebzig
Beutelsäugerarten haben den Konkurrenzkampf in der Neuen
Welt bis heute überlebt. Unberührt vom Machtkampf mit
den Höheren Säugern sind die Beutelsäuger einzig
im australischen Raum geblieben. Dieser Erdteil spaltete sich
vom Rest der Welt ab, bevor die Höheren Säuger ihren
Siegeszug um die Welt angetreten hatten. Hier konnten sich die
Beutelsäuger ungehindert entfalten und eine breite Artenvielfalt
hervorbringen.
Neben sehr vertrauten Formen wie dem Koala (Phascolarctus
cinereus) und den Kängurus (Familie Macropodidae) leben
im australischen Raum diverse Beutelsäugergruppen, die uns
kaum bekannt sind. Zu ihnen gehört die neunzehn Arten umfassende
Familie der Kletterbeutler (Phalangeridae), deren Verbreitung
von der indonesischen Insel Sulawesi im Norden bis zur australischen
Insel Tasmanien im Süden reicht. Von einem dieser Kletterbeutler,
dem Nördlichen Wollkuskus (Phalanger orientalis),
soll hier die Rede sein.
Bunte Beutler
Der Nördliche Wollkuskus weist im Durchschnitt
eine Kopfrumpflänge von 45 Zentimetern auf und wiegt zwischen
zwei und drei Kilogramm. Der Schwanz, welcher zum Greifen fähig
ist, misst in der Länge ungefähr 35 Zentimeter. Männchen
und Weibchen sind gleich gross, unterscheiden sich aber hinsichtlich
ihrer Färbung voneinander: Während erstere vielfach
eine graue Färbung aufweisen, haben letztere häufig
ein braunes Fell. Die vage Formulierung zeigt, dass diese Farbunterschiede
keineswegs eindeutig sind, denn es gibt zahllose Farbabweichungen
- von weiss über rotbraun, gelb und graugrün bis anthrazit.
Ausserdem scheint sich die Färbung noch nach Alter, Standort
und Gesundheitszustand zu ändern.
Der Nördliche Wollkuskus ist recht weit verbreitet
und noch immer ziemlich häufig. Sein Verbreitungsgebiet
erstreckt sich über weite Teile des nördlichen Neuguineas
und umfasst zahlreiche benachbarte Inseln, darunter die indonesischen
Inseln Timor, Seram und Waigeo, den zu Papua-Neuguinea gehörenden
Bismarck-Archipel und nicht zuletzt die Salomoninseln. Bei letzteren
besiedelt er sowohl die beiden nördlichsten, zu Papua-Neuguinea
gehörenden Inseln Buka und Bougainville als auch all die
südlichen Inseln, welche den eigenständigen Staat der
Salomonen, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, bilden.
In den südlichen Bereichen Neuguineas, auf den
indonesischen Aru-Inseln, auf dem zu Papua-Neuguinea gehörenden
Louisiade-Archipel und auf der australischen Cape-York-Halbinsel
wird der Platz des Nördlichen Wollkuskus vom nah verwandten
Südlichen Wollkuskus (Phalanger intercastellanus)
eingenommen. Die beiden Wollkuskuse wurden bis vor wenigen Jahren
als nördliche bzw. südliche Rasse ein und derselben
Art eingestuft, gelten aber nun als zwei separate Arten.
Ein nachtaktiver Vegetarier
Über die Lebensweise des Nördlichen Wollkuskus
in der freien Wildbahn ist nicht viel bekannt. Das hat vor allem
damit zu tun, dass er - wie alle Kuskuse - ein strikt nachtaktiver
Baumbewohner ist, der den Tag gut versteckt in einer Baumhöhlung
verschläft und erst nach Einbruch der Dunkelheit auf Streifzug
geht. Der Mensch begegnet ihm deshalb selten, und Langzeitbeobachtungen
unter natürlichen Verhältnissen sind praktisch unmöglich.
Ein grobes Lebensbild lässt sich aber immerhin zeichnen:
Der Nördliche Wollkuskus kommt von Meereshöhe
bis in Höhen von 1500 Metern ü.M. vor. Vorzugsweise
hält er sich in üppigen Gehölzdickichten auf,
wie sie im Bereich von Waldlichtungen, entlang von Gewässern,
an steilen Hängen und auf verlassenen Pflanzungen wuchern.
Hier erweist er sich als ein ausgezeichneter, wenn auch keineswegs
flinker Kletterer: Mit seinen langsamen, fast zeitlupenartigen
Bewegungen erinnert er stark an die zu den Halbaffen gehörenden
südasiatischen Loris und afrikanischen Pottos, denen er
ja auch in seiner Gestalt nicht unähnlich sieht. Stets löst
er beim Klettern nur eine Hand oder einen Fuss vom Geäst,
während er mit den anderen drei Gliedmassen und mitunter
noch zusätzlich mit dem Schwanz fest verankert bleibt. In
seiner Inselheimat gibt es keine kletternden Raubsäuger,
die ihm gefährlich werden könnten, deshalb kann er
sich diese Bedächtigkeit offensichtlich leisten.
Auf dem Speisezettel des Nördlichen Wollkuskus
steht zur Hauptsache Vegetarisches: von Blättern über
Früchte, Blüten, Triebe und Knospen bis hin zu Rinden
einer Vielzahl verschiedener Gehölzpflanzen. Er verschmäht
aber auch Raupen, Heuschrecken und andere tierliche Bissen nicht,
wenn sie ihm beim Esswandern über den Weg laufen.
Im Allgemeinen streifen die Nördlichen Wollkuskuse
einzelgängerisch umher. Ob sie alleinigen Anspruch auf ihr
Wohngebiet erheben, sich also territorial verhalten, wissen wir
nicht. Eher dagegen spricht, dass sich mitunter mehrere Individuen
in einem Baum aufhalten, welcher gerade mit beliebten Früchten
behangen ist. Eventuell dafür spricht, dass vor allem bei
Männchen oft Fellschäden zu beobachten sind, welche
sehr wahrscheinlich auf Rivalenkämpfe zurückzuführen
sind, und dass nachts häufig die kläffenden Rufe der
Wollkuskuse zu hören sind. Beides lässt aber nicht
zwingend auf Territorialität schliessen. Kämpfe zwischen
erwachsenen Männchen können auch im Umfeld paarungsbereiter
Weibchen entflammen, und die Rufe können Alarmrufe sein.
Die Frage nach der Gesellschaftsform der Nördlichen Wollkuskuse
bleibt also unbeantwortet.
Eine feste Fortpflanzungszeit scheint es bei den Nördlichen
Wollkuskusen - wie bei vielen anderen Tieren der Tropen - nicht
zu geben, denn es sind zu allen Jahreszeiten Jungtiere aller
Altersklassen verzeichnet worden. Aus der Haltung von Wollkuskusen
in Menschenobhut wissen wir, dass die eigentliche Tragzeit nur
zwei Wochen dauert, dass zumeist Zwillingsgeburten erfolgen,
dass die Tragzeit im Beutel vier bis fünf Monate währt
und dass die Jungtiere im Alter von ungefähr einem Jahr
fortpflanzungsfähig sind. Über die Lebenserwartung
der wolligen Kletterbeutler lässt sich vorderhand keine
Aussage machen.
Zu den natürlichen Feinden des Nördlichen
Wollkuskus gehören vor allem grosse Eulen und Pythonschlangen,
unter Umständen auch Warane. Eine allzu leichte Beute ist
der Beutler allerdings nicht, denn in Notlagen erweist er sich
als recht wehrhaft. Unter lautem Drohkreischen setzt er sich
mit heftigen Bissen seiner langen Schneidezähne und mit
schnellen Hieben seiner scharfkralligen Vorderpfoten zur Wehr.
Wie kam der Wollkuskus auf die Salomoninseln?
Jagd auf den Nördlichen Wollkuskus macht von
alters her auch der Mensch, denn er schätzt sein Fleisch
als Speise und benutzt sein dichtes Fell gern zur Herstellung
von Mützen und Umhängen. Die Beziehung zwischen dem
Menschen und dem Kletterbeutler geht allerdings über das
Jäger-Beute-Verhältnis hinaus. Die Tatsache, dass Wollkuskuse
häufig in verlassenen, überwucherten Pflanzungen anzutreffen
sind, deutet darauf hin, dass sie von den Aktivitäten des
Menschen durchaus Nutzen zu ziehen vermögen. Auch die Tatsache,
dass die ansässige Bevölkerung recht häufig junge
Wollkuskuse als Heimtiere und Spielgefährten der Kinder
hält, scheint für die Kletterbeutler von Vorteil zu
sein. Zwar enden viele solcher Heimtiere früher oder später
im Kochtopf. Zweifellos gelingt aber manchen von ihnen gelegentlich
die Flucht, so dass sie unter Umständen Gebiete besiedeln
können, die für sie von Natur aus nicht erreichbar
gewesen wären. So jedenfalls lässt sich erklären,
weshalb der Nördliche Wollkuskus heute auf Inseln vorkommt,
auf denen er - biogeografisch gesehen - nicht sein dürfte.
Um dies zu erklären, braucht es einen kurzen
erdgeschichtlichen Exkurs: Neuguinea und Australien liegen -
samt zahlreicher umliegender Inseln - demselben untermeerischen
Festlandsockel, dem Sahul-Schelf, auf und sind bloss durch die
untiefe Arafura-See voneinander getrennt. Während des Pleistozäns
oder «Eiszeitalters», das vor 1,8 Millionen Jahren
begann und vor 12 000 Jahren endete, lag der Meeresspiegel weltweit
erheblich tiefer als heute, weil enorme Wassermassen in Form
von Eis die Polargebiete und weite Teile Eurasiens und Nordamerikas
bedeckten. Damals lag die Arafura-See trocken. Australien war
also mit Neuguinea und etlichen benachbarten Inseln verbunden,
so dass sich die Tier- und Pflanzenwelt ungehindert über
alle Bereiche dieses australischen «Grosskontinents»
ausbreiten konnte. Als die Eismassen am Ende des Pleistozäns
abschmolzen und der globale Meeresspiegel anstieg, da füllte
sich auch die Arafura-See wieder mit Wasser. Zahlreiche Tier-
und Pflanzenpopulationen, die zuvor zusammenhängend gewesen
waren, wurden dabei getrennt. Aus diesem Grund leben auf Neuguinea,
im nördlichen Australien und auf manchen Inseln der Region
viele eng miteinander verwandte Arten, wie dies beim Nördlichen
und Südlichen Wollkuskus der Fall ist.
Der Bismarck-Archipel und die Salomoninseln bildeten
allerdings zu keiner Zeit einen Teil des australischen Grosskontinents,
denn sie befinden sich jenseits eines untermeerischen Grabens,
der teils auf über 9000 Meter Tiefe abfällt und der
auch während des Pleistozäns eine Ausbreitung von Landsäugetieren
gen Osten wirksam unterband. Dass der Nördliche Wollkuskus
dennoch auf dem Bismarck-Archipel und den Salomoninseln heimisch
ist, kann er also eigentlich nur dem Menschen zu verdanken haben.
Für diese Annahme gibt es in der Tat starke Indizien:
So weisen die frühesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung
der beiden westpazifischen Archipele ein Alter von 28 000 Jahren
auf, während die ältesten dort zum Vorschein gekommenen
Kuskusfossilien (Zähne und Knochen) bloss 20 000 Jahre alt
sind. Kommt hinzu, dass die Kuskusüberreste allesamt im
Bereich prähistorischer Siedlungen gefunden wurden... Ob
der Mensch die Wollkuskuse damals absichtlich eingebürgert
hatte, um sie in der Folge als Jagdwild nutzen zu können,
oder ob es Heimtieren gelungen war, sich selbstständig zu
machen, lässt sich natürlich nicht sagen.
Der Nördliche Wollkuskus scheint also in der
Vergangenheit nicht unerheblich von den Aktivitäten des
Menschen profitiert zu haben. Leider aber scheint sich in jüngerer
Zeit das Blatt zu seinen Ungunsten zu wenden: Der Jagddruck seitens
des Menschen nimmt immer stärker zu, seine Waldheimat wird
auf immer grösseren Flächen für vielfältige
menschliche Zwecke gerodet, und die verbleibenden Wanderfeldbauern
sind gezwungen, ihre Pflanzungen in immer kürzeren Intervallen
zu nutzen, so dass zwischenzeitlich kein Sekundärwald mehr
aufkommen kann. Auf Neuguinea sind verschiedene Kuskusarten bereits
aus ganzen Regionen verschwunden, und es ist zu befürchten,
dass dies bald auch dem Nördlichen Wollkuskus widerfahren
wird.
Legenden
Der Nördliche Wollkuskus (Phalanger orientalis)
ist ein Beutelsäuger aus der Familie der Kletterbeutler
(Phalangeridae). Erwachsene Individuen - Männchen wie Weibchen
- weisen eine Kopfrumpflänge um 45 Zentimeter und ein Gewicht
von zwei bis drei Kilogramm auf. Die Fellfärbung der wolligen
Klettertiere ist sehr variabel und reicht von weiss über
gelb, orange, braun und graugrün bis anthrazit.
Der Nördliche Wollkuskus ist ein nachtaktiver
Baumbewohner, der den Tag gut versteckt in einer Baumhöhlung
verschläft und gewöhnlich erst nach Einbruch der Dunkelheit
auf Streifzug geht. Das Artverbreitungsgebiet erstreckt sich
über weite Teile des nördlichen Neuguineas und umfasst
zahlreiche benachbarte Inseln, darunter Timor, Seram und Waigeo,
den Bismarck-Archipel und die Salomon-Inselkette.
Auf dem Speisezettel des Nördlichen Wollkuskus
stehen zur Hauptsache Blätter, Früchte, Blüten,
Triebe, Knospen und Rinden vieler verschiedener Gehölze,
also vor allem vegetarische Bissen. Er verschmäht aber auch
Raupen, Heuschrecken und andere Kleintiere nicht, denen er beim
Esswandern begegnet und derer er habhaft werden kann.
Die jungen Wollkuskuse kommen zumeist als Zwillinge
zur Welt. Die eigentliche Tragzeit (in der Gebärmutter)
beträgt nur zwei Wochen, die Tragzeit im Beutel hingegen
vier bis fünf Monate. Die beiden Bilder auf dieser Seite
zeigen je ein halbwüchsiges Jungtier, links auf der Salomon-Insel
Choiseul, oben auf der Salomon-Insel Malaita.
Die in den südlichen Bereichen Neuguineas,
auf den Aru-Inseln, im Louisiade-Archipel und auf der australischen
Cape-York-Halbinsel heimischen Wollkuskuse (Bild) wurden bis
vor wenigen Jahren mit ihren weiter nördlich vorkommenden
Vettern zu einer einzigen Art zusammengefasst. Heute gelten sie
als separate Art namens Südlicher Wollkuskus (Phalanger
intercastellanus).
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